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Stefanie Chmielorz eröffnet in Rodheim ihr "Zwergenland". Die Tagesmutter hat alles für die Betreuung von fünf Kleinkindern hergerichtet - Bällchenbad inklusive.

Bunte Betreuungslandschaft

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Biebertal (so). Fast zwei Millionen Euro gibt die Gemeinde Biebertal jährlich für die Kinderbetreuung aus - Tendenz steigend. Zudem muss die Gemeinde stetig am Ausbau des Betreuungsangebots arbeiten.

Der Bedarf an Plätzen zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren ist ungebrochen groß. Bürgermeisterin Patricia Ortmann hat im Sommer noch von bis zu 31 Plätzen gesprochen, die bis zum Kindergartenjahr 2020/21 zu schaffen seien.

Denn die Eltern fragen immer früher nach Betreuungsplätzen. War "U3" vor 15 Jahren noch die Ausnahme, so ist es heute eher die Regel. Hinzu kommt der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Die Entwicklung ist vielerorten ähnlich zu beobachten - Biebertal ist da wahrlich kein Einzelfall.

Vor diesem Hintergrund ist die Betreuungslandschaft in der Dünsberg-Gemeinde in den vergangenen Jahren um viele Angebote reicher und damit bunter geworden: Bewährte Kindertagesstätten in kirchlicher Trägerschaft, kommunale Angebote, die Sternschnuppe, die 2018 eingerichtete Waldgruppe, Pflegenester, Tagesmütter.

Die Nachfrage von Familien nach Betreuung ihrer lieben Kleinen ist ungebrochen, da ist nach wie vor Platz für weitere auf dem "Markt". In diesen Tagen eröffnet Stefanie Chmielorz in Rodheim ihr "Zwergenland". Die gelernte Erzieherin arbeitet als Tagesmutter und bietet Betreuung für Kinder von drei Monaten bis zum Alter von drei Jahren - und zwar täglich zwischen 7.30 und 17 Uhr (freitags bis 15 Uhr). Die 39-Jährige hat in der Königsberger Straße ein Haus gemietet, in dem sie ihren Betreuungsservice anbietet.

"Ausgebucht sind die fünf Plätze zwar noch nicht, aber die Nachfrage war rege", sagt Chmielorz, die zuvor elf Jahre als Tagesmutter in Marburg gearbeitet hat und nun aus privaten Gründen nach Biebertal gezogen ist. Sie machte für ihr "Zwergenland" etwas Werbung auf Facebook und durch Aushänge - und schon war die Nachfrage da.

Thema bleibt auf der Agenda

In der organisatorischen Abwicklung funktioniert es mit den Tagesmüttern etwas anders als bei den klassischen Kindergärten: Familien schließen zur Betreuung einen Vertrag mit der Tagesmutter auf der einen und mit dem Landkreis respektive dessen Jugendamt auf der anderen Seite. Die Tagesmütter wiederum haben mit dem Jugendamt eine Leistungsvereinbarung, sodass auf diesem Weg die Vergütung der Betreuung sichergestellt wird und Familien einen monatlichen Satz zahlen, der dem in einer Kita in etwa vergleichbar ist.

Neben privaten Initiativen wie von Stefanie Chmielorz arbeitet die Gemeinde Biebertal bei dem Tagesmütter-Modell auch mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) zusammen, war dabei Pilotgemeinde. In diesem Jahr sind in Rodheim und in Frankenbach zwei sogenannte "Pflegenester" eingerichtet worden, in denen jeweils fünf Kinder von einer Tagesmutter betreut werden. Das Neue daran: Die Tagesmütter sind nicht selbstständig, sondern Angestellte der AWO, die Träger der Kindertagespflegestellen ist. Pate steht bei den Pflegenestern der Lahn-Dill-Kreis; dort läuft das Konzept schon länger.

Zudem denkt die Gemeinde darüber nach, die Strukturen der "Sternschnuppe" auszubauen. Die Einrichtung, die ein Elternverein seit Jahren erfolgreich managt, wird von 2020 an in Trägerschaft der Gemeinde fortgeführt. Dann könnte dort auch eine zweite Betreuungsgruppe eingerichtet werden, so die Überlegung in der kommunalen Sozialverwaltung.

Dass die Betreuungsthematik in Biebertal so offensiv angegangen wird, ist der 2018 ins Amt gekommenen Bürgermeisterin Patricia Ortmann zu verdanken. Sie hat für ihr Engagement auf diesem Feld Lob auch von der Opposition erhalten. Im Bürgermeisterwahlkampf 2017 wurde das Thema Betreuung von Ortmann und ihrem Mitbewerber Michael Borke (SPD) intensiv bearbeitet und ist seitdem auf der politischen Agenda geblieben.

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