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Immer wieder donnerstags: Ralph Schüller (r.) bietet seine selbst gebrauten Biere auf dem Fellingshäuser Wochenmarkt an. Helmut Mattig freut sich über die Bereicherung.

Braukunst aus Bieber

  • vonVolker Mattern
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Biebertal (m). »Gut Ding braucht Weile«, sagt der Volksmund - und diese Weile entschleunigt. Ralph Schüller hat die Langsamkeit entdeckt. Er wirkt ausgeglichen und fröhlich, offen und zugänglich und passt somit sehr gut in das Geschehen des Fellingshäuser Wochenmarktes. Der 47-Jährige ist Bierbrauer und hofft, auf dem kleinen, aber feinen Markt Fuß zu fassen.

Auf die Vielfalt kommt es an

Mit seinem Debüt auf dem ist Schüller zufrieden, und auch »Marktmeister«, Helmut Mattig ist angetan von dem Neuzugang. Seine stetige Suche nach Bereicherungen für den Wochenmarkt hat sich auch diesmal gelohnt. Ein weiterer Mosaikstein, der den Fortbestand dieser Form der Nahversorgung garantiert, die bereits ins zehnte Jahr geht. »Vielfalt ist ein wichtiger Aspekt. Je größer, je ausgefallener die Angebote der Händler Beschicker, umso attraktiver der Markt«, sagt Mattig.

Vielfalt bietet auch der Bierbrauer, der mit seiner Familie vor 14 Jahren im Ortsteil Bieber ein neues Zuhause fand. Nun könnte man meinen, wenn man wie Schüller aus dem Rheingau stammt, wähnt man, sei man eher von Weingott Bacchus geküsst. Dem ist hier offensichtlich nicht so. Der Einwand seines Mitstreiters Stephan Wasserfuhr, das sei eine »Flucht vor dem Rebensaft« gewesen, war eher scherzhaft gemeint. Dennoch hat das von Schüller beherrschte Handwerk der Braukunst mit Blick auf das Tal des Bieberbachs und dessen Vergangenheit mit zahlreichen Mühlen entlang des Ufers fast etwas Romantisches.

Gärprozess auf 20 Quadratmetern

Vor sechs Jahren hatte der Förderschullehrer begonnen, sich mit dem Brauen zu beschäftigen. Mit dem Besuch zweier Braukurse hat er sein Hobby auf ein solides Fundament gestellt. Gebraut wird auf Hof Haina, wo sein Kollege Wasserfuhr lebt: Auf 20 Quadratmetern im Keller des Anwesens gären die verschiedenen Biersorten ihrer Reife entgegen. »Nicht alle Biere entstehen nach dem Reinheitsgebot«, verrät Schüller.

Für den Bierbrauer ist vor allem Kreativität wichtig. Die Basis für die unterschiedlichen Gerstensäfte sind natürliche Rohstoffe. »Meine Biere prägen allesamt eine starke, aber angemessene Hopfung und eine intensive Herbe und Bitterkeit«, erläutert er. Zum deutschen Reinheitsgebot von 1516 bekennt er sich ausdrücklich. Genau dieses Gebot gewährt Kreativität viel Freiraum, die der Bierbrauer nutzt. Während des Brauens führt er dem Bier Gewürze oder Früchte zu, macht sie somit geschmacklich interessant.

Auf dem Wochenmarkt in Fellingshausen bietet Schüller auch heute wieder beispielsweise das untergärig gebraute »Biwwere Pils« an, ebenso die belgische Bierspezialität »Wit« und das leicht rauchig schmeckende »Schwarze Bieber«

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