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Hof Schmitte in Rodheim wird zum "Boutique-Hotel".

Hof Schmitte

Hof Schmitte: Adelssitz wird Boutique-Hotel

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Wenn auf Hof Schmitte ein Boutique-Hotel entsteht, dann könnte die Industriekultur der Region einbezogen werden.

Biebertal (ws). Es ist nicht mehr allzuviel, was in Rodheim und Bieber an die einst das Tal und die Hügel prägende Eisenerz-Gewinnung erinnert. Die Stollen sind geschlossen, die Grubengebäude umgewidmet und vielfach umgebaut, die Schmalspurbahn, die unter anderem dem Erztransport zum Abendstern und nach Gießen diente, ist längst Geschichte. Mit dem anstehenden Umbau von Hof Schmitte an der Bieber nahe Rodheim tun sich aber neue Chancen auf, dieses Stück Industriekultur vor dem Vergessen zu bewahren. Das jedenfalls hofft Dr. Rainer Haus, Montanhistoriker aus Bieber.

Erinnerungen an die "Bieberlies"

Die Idee wurde geboren, im Mai dieses Jahres die Pläne bekannt wurden, die Schmitte in ein Boutique-Hotel sowie Ferienwohnungen und Veranstaltungsräume umzuwandeln. Bei den Boutique-Hotels handelt es sich zumeist um kleinere Hotels, die mitunter einem konkreten Themenschwerpunkt oder einer bestimmten Stilrichtung gewidmet und entsprechend ausgestattet sein können.

"Bei dem künftigen heimischen Boutique-Hotel ist das Thema Industriekultur naheliegend", so Haus. Nicht nur hinsichtlich des montanwirtschaftlichen Ursprungs des Anwesens, sondern auch im Hinblick darauf, dass die Strecke der Schmalspurbahn, im Volksmund liebevoll "Bieberlies" genannt, vor dem Areal verlief. Der lokale Heimatverein hat nahe der Schmitte seit 2016 auf der alten Trasse einen besonderen Erinnerungsort an die Kleinbahn aufbaut. "Zusammen mit dem, geplanten Boutique-Hotel Schmitte bestünde die Chance, die Montan- und Bahngeschichte der Öffentlichkeit eindrucksvoll und dauerhaft zu präsentieren", sagt Haus..Statt eines Erzwagens vor dem Hintergrund der künftigen Neunutzung der Schmitte könnte ein Personen- oder besser noch ein Speisewagen auf die Schienen gestellt werden, der in den der Restaurant- und Tagungsbetrieb einbezogen werden könnte. Insbesondere für Kleingruppen, aber auch als lauschiger Aufenthaltsort für Ausflügler, so wie in anderen Gastronomiebetrieben Pavillons im Sommer äußerst beliebt sind", erläutert Haus.

Schmiede seit mehr als 600 Jahren

Ein erster urkundlicher Hinweis auf die Eisengewinnung im Raum Biebertal findet sich in "Glypergs alt Buchlin" von 1412. Dort heißt es, dass die Waldschmiede Eisenabgaben an das "slos Glyperg" zu leisten hatte. Das Eisenwerk hatte seinen Standort jedoch nicht im Wald, sondern befand sich an der Bieber unterhalb von Rodheim. Hieraus ist der spätere Adelssitz "Schmitte" hervorgegangen, dessen Name auf den Ursprung des Anwesens hinweist. Nach Aufzeichnungen des früheren Eigentümers Adrian van der Hoop war die Schmitte ein mit Wasserkraft betriebenes Hammerwerk, das sein Roheisen von Schmelzstätten im Walddistrikt Launscheid etwas weiter westlich bezog. Weiter heißt es in dem Manuskript von van der Hoop aus dem Jahr 1955: "Auch jetzt findet man auf dem Hof der Schmitte in etwa 50 cm Tiefe Schichten mit Eisenschlacken". Dabei dürfte es sich um Schmiedeschlacken handeln. Der Eisenhammer befand sich nach van der Hoop "mit größter Wahrscheinlichkeit" im Keller des späteren Brennhauses am Toreingang der Schmitte.

Lokschuppen seit 1994 abgerissen

Was die Erinnerungskultur angeht, so wurde vor gut einer Generation bereits eine Chance vertan: 1994 wurde der Bieberlies-Lokschuppens in Bieber abgerissen. Der Bauunternehmer Neuhaus hatte damals geplant, den Lokschuppen in ein Café mit kleinem Museum und Wohnung umzuwandeln. Der Biebertaler Gemeindevorstand stimmte indessen dem Antrag eines auswärtigen Immobilienunternehmers für eine Wohnanlage mehrheitlich zu - und damit dem Abbruch des Lokschuppens, der trotz Protest aus der Bevölkerung Ende Oktober 1994 erfolgte.

Die heutigen Investoren sind die Kling-Gruppe in Karben, Dr. Wolfgang Lust (Geschäftsführer der LBI Holding Gießen) und die Büchner Barella Holding mit Hauptsitz in Gießen.

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