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Umstrittenes Neubaugebiet in der Kritik: Bürger erwägen Klage gegen „Dreispitz III“

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Von: Volker Mattern

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Auf dieser Fläche westlich von Fellingshausen, unterhalb des ehemaligen Hotels, soll das neue Wohngebiet entstehen.
Auf dieser Fläche westlich von Fellingshausen, unterhalb des ehemaligen Hotels, soll das neue Wohngebiet entstehen. © Volker Mattern

Das Neubaugebiet „Dreispitz“ soll weiter ausgebaut werden. Dies stößt auf Kritik der Anwohner, einige erwägen eine Klage.

Biebertal ‒ Die Erweiterung des Neubaugebiets „Dreispitz“ in westlicher Richtung („Dreispitz III“), bewegt in Fellingshausen in Biebertal nach wie vor die Gemüter - besonders die aus dem unmittelbaren Wohnumfeld, der Dreispitz I und II sowie den Straßen Am Hohlgarten und Die Beu.

Gut 70 Gäste nahmen daher jüngst an einer Informationsveranstaltung des Ortsbeirates Fellingshausen teil. Sie machten gegenüber Bürgermeisterin Patricia Ortmann ihrem Unmut Luft. Das Ganze geschah in fairer Weise und akzeptabler Manier - gleichwohl mit dem Vorwurf, die Bürgermeisterin stelle sich gegen die Bürgerschaft. Ortmann sah sich mit zahlreichen Fragen, Anregungen und vor allem mit Kritik konfrontiert. „Gehen Sie auf die Belange der Bürger ein, dann wird es einfacher für Sie“, lautete ein gut gemeinter Zwischenruf.

Reizthemen für die Anwohner sind die Verkehrsanbindung, die Größe des Neubaugebiets an sich („überdimensioniert“) und die geplante mehrgeschossige Bauweise. Angedacht sind zweigeschossige Doppelhaushälften sowie zwei- und dreigeschossige Mehrfamilienhäuser plus Staffelgeschoss mit insgesamt 85 Wohneinheiten südlich der Kreisstraße Fellingshausen - Bieber. Hinzu sollen 36 Einfamilienhäuser kommen. Gegen diese habe niemand etwas, wurde betont.

Biebertal: Erweiterung des Neubaugebiets „Dreispitz“ bewegt in Fellingshausen die Gemüter

„Mit täglich zusätzlichen 1463 Fahrbewegungen ist zu rechnen, wenn alle Bauplätze bebaut und alle Wohnungen bezogen sind“, wurde von einem Bürger behauptet, der sich auf wissenschaftlich gestützte Berechnungen berief. Das ist natürlich mehr als jetzt, gab die Bürgermeisterin zu. Sie verwies aber auf die Machbarkeitsstudie des Verkehrsgutachtens. Diese sieht eine Anbindung über die Kreisstraße und die Straße Die Beu als ausreichend an. Kein Trost, vor allem nicht für die Anlieger im Hohlgarten, die das meiste davon abbekommen könnten, da über den Hohlgarten schon heute gerne abgekürzt wird - auch von den Anwohnern der jetzigen Dreispitz.

Das Problem: Es ist keine Alternative in Sicht. Die beste Lösung wäre eine neue Straße als Anbindung des Neubaugebiets von der Kreisstraße Fellingshausen - Bieber aus in Richtung Kreisstraße nach Rodheim. Dadurch würde die gesamte bebaute Ortslage entlastet. Ohne Hessen Mobil als zuständige Straßenbehörde sei dies aber nicht machbar, sagt Ortmann. Sie stuft eine solche neue Straße selbst mittelfristig nicht als realisierbar ein.

Es bleibt also weiterhin über eine Innerortslösung nachzudenken mit Einbahnstraßen, einschränkenden Beschilderungen und Änderungen von Vorfahrtsberechtigungen. Die Verkehrserschließung bleibt also noch ungeklärt.

Fragen kamen auf, wieso Fellingshausen als „Vorhaltegebiet“ für den westlichen Landkreis herhalten müsse - mit einem erwartbaren Zuzug von 500 Neubürgern, ohne dass es ein vernünftiges Verkehrskonzept gebe. Von der offenen Frage der ÖPNV-Anbindung ganz zu schweigen.

„Dreispitz“ in Fellingshausen: Wohl 500 Neubürger - und kein vernünftiges Konzept

Bereits im November im Bauausschuss der Gemeindevertretung vorgetragene Vorschläge und Kritikpunkte der Bürger sind schon eingearbeitet, hieß es. Das sahen die Anwesenden am Montag (11.04.2022) anders. Selbst die beabsichtigte Verlagerung der mehrgeschossigen Bauten Richtung Westen, um der angrenzenden Flachdachsiedlung mehr Licht, Luft und Sonne zukommen zu lassen, wird nicht als Lösung gesehen. Wenn man von Bieber komme werde man am Ortseingang „auf Türme blicken“, wurde beklagt.

Weiterer Vorwurf: Es dränge sich der Verdacht kommerziellen Denkens auf, eine vernünftige Planung falle einer Gewinnoptimierung zum Opfer. Die Bürgermeisterin verteidigte derweil die Planungen. Der demografische Wandel erfordere, einer älter werdenden Bevölkerung mit bezahlbarem und barrierefreiem Wohnraum die Möglichkeit zu bieten, dort ihren Lebensabend zu verbringen, wo über Jahrzehnte das Zuhause war - in Biebertal. Der Bau in die Höhe sei dieser Forderung nach sozial verträglichem, barrierefreiem Wohnraum geschuldet. Besonders wenn es gilt, Flächenfraß zu vermeiden, legte die Bürgermeisterin dar.

Wohngebiet „Dreispitz II“: Weg zum Nachbar könnte zum Hundeklo verkommen

Gerne hätten die Anwohner aus dem bestehenden Wohngebiets „Dreispitz II“, die jetzt noch freien Blick ins Feld haben, dass zu ihren neuen Nachbarn hin ein Wirtschaftsweg angelegt wird. Auch, um von dort aus die Hecken schneiden zu können, so die Argumentation. Die Bürgermeisterin rief in Erinnerung, dass man auf diesen Weg verzichten wolle, da dieser womöglich zu einem Hundeklo verkomme.

Vielleicht wird dieser Weg noch wichtige Verhandlungsmasse, wenn Bürger ihre Androhung wahr machen und gegen das Neubaugebiet vor Gericht ziehen. Der Bebauungsplan wird zurzeit zur ersten Anhörung den Trägern öffentlicher Belange vorgelegt, geht danach in die Gremien zur Beschlussfassung und dann folgt die Offenlegung. (vm)

Die Plätze im kommenden Wohngebiet in Fellingshausen sollen nach einer langen Interessentenliste vergeben werden: Die Gemeinde hat sich gegen weiteren Vergaberichtlinien für die Zuteilung der Bauplätze entschieden.

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