Per Kranwagen wird der Eisenbahnwagen am Freitagmorgen millimetergenau auf die Gleise gesetzt. FOTO: WS
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Per Kranwagen wird der Eisenbahnwagen am Freitagmorgen millimetergenau auf die Gleise gesetzt. FOTO: WS

Bewegender Moment

  • vonKlaus Waldschmidt
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Biebertal(ws). Das war ein besonders bewegender Moment mit historischem Charakter für den Vorstand des Heimatvereins und die Bieberlies-Freunde: Ein Kranwagen setzte am Freitagmorgen um kurz nach 9 Uhr einen Personenwagen aus der Schweiz auf die Gleise des Bieberlies-Erinnerungsareals bei Hof Schmitte.

Der Heimatverein Rodheim-Bieber hatte nach über 50 Anfragen in Deutschland, Polen, Rumänien, Österreich, der Schweiz und Italien Ende des vergangenen Jahres endlich einen passenden Eisenbahn-Personenwagen für die Gleise des Industriedenkmals in der Schweiz gefunden, berichtete Vorsitzender Helmut Failing.

Der Eisenbahnwagen war wegen Problemen beim Zoll am Freitag mit eintägiger Verspätung in Biebertal eingetroffen. Die Dampfbahn-Furka-Bergstrecke Schweiz in Realp hat dem Heimatverein Rodheim-Bieber den Eisenbahnwagen gegen eine Spende von 1000 Franken überlassen.

Mit dem im September 2016 eingeweihten Erinnerungsareal wurde der "Bieberlies" und der Biebertalbahn ein Denkmal gesetzt. Nun konnte auch der "letzte Baustein" realisiert werden. "Symbolisch ist mit dem Eisenbahnwagen ein Stück Bieberlies nach Hause gekommen", sagte Bürgermeiterin Patricia Ortmann. Sie dankte dem Heimatverein und besonders Helmut Failing, "der mit seiner bewährten Ausdauer für die Realisierung gesorgt hat". Es stecke viel "Herzblut" und Engagement dahinter. Die Aufwertung des Platzes sei eine Bereicherung für Biebertal und "strahlt Faszination aus", so Ortmann.

Einige Bieberlies-Freunde verfolgten in der Morgensonne das Anheben des Zuges vom Tieflader und das Einschweben auf den Gleisen. Das war Millimeterarbeit. Dafür gab es Applaus der Zuschauer.

Die letzte Personenfahrt der "Bieberlies" fand am Ostermontag 1952 statt. Bereits im Jahr 2014 wurden dort Tafeln zur "Bieberlies" und zu Hof Schmitte angebracht. Eine mit historischen Bildern versehene Hinweistafel, die den Verlauf der Bahnstrecke von Bieber nach Gießen mit den Haltepunkten zeigt, steht neben dem zurückgebauten Bahndamm, außerdem eine aktuelle Luftaufnahme. Die "Entschleunigungsbank" mit der symbolisierten "Bieberlies" und ein Andreaskreuz vor den Schienen sowie Sitzgelegenheiten runden den Platz ab.

Der jetzt erworbene Personenwagen hat die passende Ein-Meter-Spurweite. Der Personenwagen wurde von der Firma SIG 1905 gefertigt. 1960 wurden die Bleche erneuert, und der Wagen erhielt 1995 einen neuen Anstrich.

Der Waggon hat ein Gewicht von rund acht Tonnen und eine Länge von zehn Metern. Der Achsabstand beträgt sechs Meter. Die Sitzplätze sind ausgebaut.

Den Transport aus der Schweiz nach Rodheim hat die Firma Universal Schmitz aus Staufenberg besorgt, die Kosten dafür liegen bei 2000 Euro. Die Firma Dornseiff aus Wetzlar lud den Personenwagen ab und brachte ihn auf die Schienen, die Kosten belaufen sich auf rund 1000 Euro. Hinzu kommen noch die Kosten für den Zoll.

Vorsitzender Helmut Failing kündigte an, dass der Wagen einen neuen Anstrich in der Originalfarbe olivgrün erhalten wird. Er wird von Vereinsmitgliedern in Eigenleistung und mit Unterstützung der Firma Wille Biebertal und Grafiker und von Designer Markus Wisker ausgeführt. "Der Heimatverein hofft, dass sich zahlreiche Bieberlies-Freunde als Helfer für die Anstrich- und Restaurierungsarbeiten einfinden", sagte Failing.

Über einen vermutlich notwendigen Vandalismusschutz wird noch nachgedacht. Auch über die Nutzung des Innenraums des Personenwagens hat der Verein noch nicht entschieden.

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