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Der Gail’sche Park soll nach der Sanierung des Teichhauses mit dem Eiskeller noch attraktiver für Besucher werden.

Aufwertung eines Kleinods

  • vonKlaus Waldschmidt
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Biebertal (ws). Mit der Sanierung des Teichhauses und der Einrichtung eines kleinen Museums im Vorraum des Eiskellers erfährt der Gail’sche Park eine zusätzliche Attraktivitätssteigerung und inhaltliche Aufwertung: Der Freundeskreis Gail’scher Park plant, anhand von Erläuterungstafeln, Bildern und Exponaten an das alte Handwerk der Eisgewinnung und -lagerung und damit an Zeiten ohne Kühl- und Gefrierschrank zu erinnern.

Gemeinsam mit dem Eigentümer Dr. Wolfgang Lust wird das Teichhaus dafür in diesem Jahr baulich saniert; auch das Zierwindbrett am Giebel soll wiederhergestellt werden.

AG Parkpflege hofft auf Fördergelder

Bereits im Februar haben Mitglieder der AG Parkpflege bereits Birkenstämme und Balken in den benötigten Längen und Durchmessern im Krofdorfer Forst geschlagen und zum Park gebracht. Revierförsterin Ulrike Henrich (Hessen Forst) gab Hilfestellung bei dieser Aktion. Es muss aber noch abgewartet werden, ob und wieviel der beantragten Fördermittel von verschiedenen Gebern bewilligt werden. Inzwischen sucht der Freundeskreis nach Exponaten aus der Zeit der Eisgewinnung.

Ältere Mitbürger können sich noch an mit Eisblöcken beladene Fahrzeuge erinnern, die das gefrorene Gut im Sommer von den Eiskellern zu ihren Verwendungsorten brachten, etwa Metzgereien, Molkereien, Markthallen, Hotels, Gaststätten, Bahnhöfe und Krankenhäuser. Bis in die Fünfzigerjahre wurden die Eiskeller im Winter mit Eisblöcken gefüllt, so auch jener im Gail’schen Park in Rodheim.

Als Wilhelm Gail 1896 seine Villa und den Park in Rodheim baute, konnte er sich durch den Bau eines Eiskellers den Wunsch erfüllen, auch im Sommer jederzeit Eis zur Verfügung zu haben. Bestens geeignet dafür war eine Stelle, direkt am Teich gelegen, von der man die im Winter geschnittenen Eisblöcke leicht in den Keller bringen konnte.

Eisiger Dauervorrat

Der darüber geformte Erdhügel und die davorliegende Veranda mit einer aus Birkenstämmen hergestellten Front wurden zugleich Gestaltungs- und Schmuckelement im Park. Die Familie Gail hatte ihr Rodheimer Anwesen bereits mit einigen Einrichtungen zum Selbstversorgen ausgestattet, die das tägliche Leben angenehmer gestalteten. So wurde eine Versorgung mit Strom und fließendem Wasser in Haus und Garten installiert. Eine Gärtnerei für Blumen- und Gemüseanbau und Obstgärten lagen im östlichen Bereich das Areals. Die Haltung von Geflügel und Bienen ergänzten das Angebot.

Die Eisgewinnung und Lagerung und zur Kühlung von verderblicher Ware gab es schon im Altertum. Im Mittelalter bauten sich die Schloss- und Gutsherren nicht nur Burgen und Schlösser, sondern ließen immer Eiskeller oder Eisgruben für den eigenen Gebrauch anlegen, um im Sommer die konstante Temperatur des Erdbodens von etwa neun Grad Celsius zum Kühlen auszunutzen. Das getrocknete Eis aus einem nahegelegenen See hielt sich vom Spätwinter bis mindestens in den folgenden Sommer hinein, teils sogar bis zu anderthalb Jahre.

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