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Die älteste Fellingshäuserin

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Biebertal/Lohra (m). Ein mildes Lächeln zeichnet ihr Gesicht, und das lässt nicht erahnen, auf welch langes und bewegtes Leben Karoline Stowasser (geb. Waldschmidt) blickt: Gerne ist sie für ein Späßchen zu haben, und ihr wacher Geist sowie die körperliche Konstitution - sieht man vom schlechten Augenlicht einmal ab - sind angesichts ihres Alters bemerkenswert. Gestern feierte die Fellingshäuserin im AWO-Seniorenzentrum in Lohra ihren 106. Geburtstag.

Am 29. Juli 1913 wurde sie als zweites von drei Kindern der Eheleute Heinrich und Karoline Waldschmidt (geb. Mattern) in der Rodheimer Straße geboren. Dort lebte die Familie zur Miete, bevor sie in das Elternhaus der Mutter in der Helenenstraße umzog. Als das Geburtstagskind zehn Jahre alt war, folgte ein erneuter Umzug in das von den Eltern zwischenzeitlich gebaute eigene Heim in der Helenenstraße.

Bescheidener Lebenswandel

In ihrem geräumigen und hellen Zimmer im Seniorenheim hängt über dem Bett ein Bild mit bunten Blumen. Auch wenn sie diese Farben kaum noch erkennen kann, zeugt ein entspannter Gesichtsausdruck mit einem zufriedenen Lächeln von einer tiefen inneren Ruhe, trotz eines Lebens, das auch Not, Kummer und Entbehrungen kannte. Traurig wird Karoline Stowasser, wenn sie von ihrer Mutter erzählt, die schon mit 51 Jahren verstarb. Für ein langes Leben gibt es kein Rezept, weiß die Altersjubilarin. Was sie stützt und ihr einen tiefen inneren Frieden gibt, das ist ihr Glaube. Sie gehört der Neuapostolischen Kirche an. Ein bescheidener und maßvoller Lebenswandel sowie das Festhalten an christlichen Werten prägen das Leben der 106-Jährigen. In den Urlaub ist sie nie gefahren, dann und wann in früheren Jahren gab es einen Ausflug mit der Gemeinde.

Bis zum 14. Lebensjahr drückte die Fellingshäuserin die Schulbank der Dorfschule, die sieben Jahre vor ihrer Geburt erbaut wurde. Nach der Schulzeit trug sie als Zigarrenarbeiterin zum Unterhalt der Familie bei. Drei Fabriken gab es in Fellingshausen - in allen dreien war sie bis zu ihrem 54. Lebensjahr tätig.

Am 13. Dezember 1967 heiratete Karoline Stowasser ihren Mann Joseph, der vor 36 Jahren verstarb. "Ich war ein Spätzünder", schmunzelt sie. Er brachte zwei Kinder mit in die Ehe. Geblieben sind drei Enkel und fünf Urenkel, die, wann immer möglich, der alten Dame einen Besuch abstatten. Besonders Enkelin Melanie ist häufig bei ihrer Großmutter, hat sie vor vier Jahren ins Seniorenheim nach Lohra geholt, um ihr näher sein zu können - und weil das Alleinsein zu Hause schwierig war. Um Haus und Hof in der Wiesenstraße 9, wo die Altersjubilarin bis zu ihrem Umzug nach Lohra lebte, kümmerte sie sich stets mit großer Hingabe. Die älteste Fellingshäuserin sah man oft sonntags mit ihrer inzwischen verstorbenen Nachbarin Emilie Weber. Beide machten dann ihren Spaziergang, oft bis zum Hotel "Keltentor", vor dem sie sich auf einer Bank ausruhten. Und manchmal kam der Kellner mit einer kleinen Erfrischung vorbei. Ein Gläschen Bier zog Karoline Stowasser gerne mal einem Kaffee vor. Das schmeckt ihr bis heute. Auch Buttermilch trinke sie sehr gerne. Ihrem Alter, ihrem Lebensmut, der Gelassenheit und der Fröhlichkeit zollen die Mitbewohner Respekt.

Am ihrem Geburtstag kamen viele Gratulanten, unter ihnen Charlotte Meier (89), eine der beiden Cousinen, sowie die beiden Cousins Erich Mattern (88) und Friedel Mattern (86). Günter Waldschmidt von der Neuapostolischen Kirchengemeinde Biebertal-Krumbach hatte mit weiteren Gemeindemitgliedern eine Feierstunde arrangiert, und bei dem einen oder anderen Lied stimmte auch Karoline Stowasser mit ein. (Foto: m)

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