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Der 1972 erbaute Flötenspieler-Brunnen in Beuern fristet ein trauriges Dasein. 

Defekter Brunnen

Beuerner Flötenspieler fristet trauriges Dasein

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Seit 1972 begrüßt eine Statue auf einem Brunnen Kunden der Volksbank in Beuern. Inzwischen ist die Bank geschlossen, der Flötenspieler sitzt auf dem Trockenen und im Gestrüpp. Ein Beuerner Original ist darüber verärgert.

Er wirkt traurig und ein wenig verloren, als sei die Zeit einfach an ihm vorübergezogen. Von Gestrüpp umringt thront der Flötenspieler auf seiner Stele. Ab und an bemüht jemand den Geldautomaten in seinem Rücken. Die Flöte hält er noch immer am Mund, doch das Wasserspiel zu seinen Füßen ist längst verebbt.

Walter Ranft ist der Zustand des Flötenspielers ein Dorn im Auge. Der 91-Jährige hat eine besondere Verbindung zu der Bank und der Statue: Über viele Jahre hinweg war er Geschäftsführer und Direktor der Volksbank Beuern, die bis zur Fusion mit der Volksbank Mittelhessen eine selbstständige Genossenschaftsbank war.

Als Spar- und Vorschusskasse war sie im 19. Jahrhundert gegründet worden, berichtet Ranft. Später folgten die Wirren der Hyperinflation, dann während der NS-Diktatur die Zwangsfusion mit einer anderen Bank.

1965 wurde das neue Gebäude an der Ortsdurchfahrt eingeweiht, vorher standen dort Fachwerkhäuser, eine Schmiedewerkstatt, ein Schuppen und ein Backhaus. "Wir waren bis zu 14 Beschäftigte, haben auch Lehrlinge ausgebildet", erzählt das Beuerner Original stolz. Ranft ist gelernter Schreinermeister und in den Bankjob "hineingewachsen", wie er sagt. Die Geschäfte liefen offenbar gut, "wir haben Dividenden bis zu zehn Prozent ausgegeben". 1980 wurde sogar eine Zweigstelle im Nachbardorf Climbach eröffnet. Bereits 1972 war das Bankgebäude in Beuern um eine Attraktion erweitert worden: Anlässlich des 100. Jubiläums der Beuerner Bank wurde der Flötenspieler-Brunnen gestiftet. "Er sollte die Musikfreudigkeit der Beuerner Bürger und der in vielen Jahrzehnten hervorgebrachten Beuerner Musiker und Dirigenten zum Ausdruck bringen", erläutert Ranft. "Die Wasserspiele in der Brunnenschale und am Sockel sollten den Geldfluss der Bank mit Geben und Nehmen andeuten."

Beuerner Flötenspieler: Filiale seit 2019 dicht

Zehntausend Mark zuzüglich Unterbau habe der Brunnen damals gekostet, sagt Ranft. Geld fließt hier noch immer, allerdings nicht mehr von Hand zu Hand. Seit 2019 ist der Schalterbetrieb in Beuern eingestellt, ein Automat an der Außenwand steht weiterhin zur Verfügung. Wie in etlichen anderen Orten im Kreis müssen auch die Beuerner nun ihr Dorf verlassen, wenn sie eine persönliche Beratung bei der Bank wünschen.

Der Brunnen, berichtet Ranft, sei früher jeden Samstag von einer Reinigungskraft der Bank gesäubert worden. Nachdem das Geldinstitut seine Eigenständigkeit verlor, habe die Volksbank Mittelhessen den Vorplatz pflegen lassen. Doch der Brunnen machte laut Ranft schon damals Probleme: Wegen eines defekten Rohres habe sich das Wasser gestaut. "Für 3000 Markt hätte man das machen können", sagt er.

Im Jahr 2000 wandte er sich in einem Schreiben an den Vorstand der Volksbank Mittelhessen und beklagte, dass der Brunnen nicht mehr sprudele. Später stellte er einen Antrag in der Mitgliederversammlung - beides blieb erfolglos. Aufseiten des Vorstands sei man der Meinung gewesen, dass weiße Steine in der Brunnenschale ein ausreichender Ersatz seien.

Nun sitzt der Flötenspieler schon seit einigen Jahren auf dem Trockenen. Immerhin, berichtet Ranft, sei bis zum vergangenen Jahr noch das Umfeld gepflegt worden.

Beuerner Flötenspieler: Grundstück ist verkauft

Inzwischen aber sprießen Gras und Unkraut zu Füßen des Flöters. Ranft vermutet, dass dies mit einem Eigentümerwechsel zutun hat: Die Volksbank Mittelhessen habe das Grundstück an einen Privatmann verkauft.

Die Bank bestätigt auf Anfrage, man habe das Objekt 2018 veräußert und 2019 an den neuen Eigentümer übergeben. "Die Fläche zum Betrieb eines Geldautomaten in der Fassade des Gebäudes wurde angemietet." Den Namen des neuen Eigentümers könne man aus Datenschutzgründen nicht nennen. Wie geht es mit der Pflege des Vorplatzes weiter? "Als Mieterin zahlt die Volksbank Mittelhessen ihren Nebenkostenanteil an den Eigentümer. Die Ausführung der Pflegemaßnahmen der Außenanlage obliegt dem Eigentümer des Gebäudes", äußert sich die Volksbank weiter.

Ob dieser Interesse daran hat, den Brunnen neu zu beleben, ist fraglich. Denkbar wäre laut Ranft, dass der Heimatverein den Brunnen pflegen könnte, wenn die Kosten übernommen würden. Der Flötenspieler wird wohl vorerst weiter auf dem Trockenen sitzen.

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