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Bettenhaus wird zum Rathaus

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Seit Wochenbeginn hat das Heuchelheimer Rathaus eine neue Adresse: Die Verwaltung ist an den Zimmerplatz umgezogen. Das fast 50 Jahre alte Gebäude am Linnpfad wird in den kommenden zwei Jahren saniert und umgebaut. Dann geht es wieder dorthin zurück.

Bananenkisten, überall Bananenkisten. Sie dominieren in manchen Räumen und auf den Fluren das Bild in der ehemaligen Matratzenfabrik. Damit haben die Mitarbeiter aus dem Rathaus ihre Siebensachen umgezogen. Seit gestern hat die Verwaltung der Gemeinde ihren Sitz am Zimmerplatz 3 im Gewerbegebiet Süd im früheren Produktionsgebäude des Betten- und Matratzenspezialisten Dormiente - wohl für die nächsten zwei Jahre. So lange wird es dauern, bis das Verwaltungsgebäude am Linnpfad umfassend saniert und umgebaut ist.

Am Freitag und am Montag war für den Publikumsverkehr geschlossen, um Schränke, Akten und vieles mehr umzuziehen. Und auch am Wochenende waren etliche der rund 35 Angestellten vor Ort, um Kisten wieder auszupacken, Regale einzuräumen etc.

"Trotz Gerüst und Leiter: Der Betrieb geht weiter", scherzt der Erste Beigeordnete Dr. Manfred Ehlers. Er vertritt derzeit den im Urlaub weilenden Bürgermeister Lars Burkhard Steinz. Und vermeldet am gestrigen Dienstag zufrieden: "Alles funktioniert. Telefonanlage, Bürotechnik auf dem neuesten Stand mit virtuellem Desktop-Management, superschneller Datentransfer per Richtfunk vom Linnpfad an den Zimmerplatz…" Auch wenn noch längst nicht alle Kartons ausgepackt sind: Es wird gearbeitet. Die neuen Büros sind fast genauso groß wie die alten. Einziges Manko: Das Haus ist nur bedingt barrierefrei. Um Besuchern mit Einschränkungen gleichwohl den Besuch in der Verwaltung möglich zu machen, ist im Erdgeschoss ein Besprechungsraum eingerichtet, in dem sich Sachbearbeiter und Kunden treffen können. Zudem sind alle publikumsintensiveren Anlaufstellen im Erdgeschoss untergebracht. Weiterhin gilt, und das nicht nur mit Blick auf Corona: Idealerweise vereinbaren Bürger vorab einen Termin; dann kann sich der jeweilige Sachbearbeiter auch auf das zu klärende Anliegen vorbereiten.

Eigentlich war der Umzug der Verwaltung bereits für Mai geplant, doch coronabedingt hat er sich verzögert. So kam es, dass der Termin jetzt just in den Jahresurlaub von Bürgermeister Steinz fiel. Doch er machte es wie alle anderen: Bevor er in die Ferien ging, räumte er Schränke und Regale aus, packte seine Bananenkisten und fuhr, soweit möglich, alles selbst ins Übergangsbüro.

Voraussichtlich für zwei Jahre soll die Verwaltung im Gewerbegebiet im Süden des Dorfes bleiben. In den kommenden Monaten wird am Linnpfad mit den Innenarbeiten begonnen. Im Frühjahr dann soll der Sitzungssaal abgerissen und Platz geschaffen werden für einen neuen Anbau an die Verwaltung. Dort, wo jetzt der Eingangsbereich ist, sowie auf den angrenzenden Flächen soll das Bürgerbüro neu entstehen. Zudem werden die Büros auf den Stand der Zeit gebracht, der Brandschutz nachgearbeitet, das Haus energetisch und technisch rundum ertüchtigt.

Einen neuen Sitzungssaal am Rathaus wird es nicht mehr geben: Stattdessen wird die Gemeindevertretung künftig im Mehrzweckgebäude am Kinzenbacher Blumenring sowie in der TSF-Turnhalle tagen. Später soll dies auch im Gesellschaftsraum respektive der Aula des Altenheimes möglich sein, das am Linn entstehen wird.

Das einstige Dormiente-Gebäude, das seit dem großen Neubau des Unternehmens an der Rodheimer Straße zur Disposition stand, hat die Gemeinde vom Eigentümer für die nächsten Jahre angemietet. Die Entscheidung wurde im vergangenen Sommer getroffen, nachdem die Kita Rappelkiste abgebrannt war und ein Interims-Kindergarten geschaffen werden musste. Die weniger schöne (und zudem teurere) Alternative wären Container gewesen. Mit dem Umbau für die Kita im Erdgeschoss war schnell klar, dass die große Gewerbeimmobilie zugleich beste Perspektiven bietet, auch die Verwaltung zu beherbergen. Rund 850 000 Euro investiert die Gemeinde in die Miete für zwei Jahre sowie den Umbau für die Kita und die Verwaltung. Wobei Letzteres die kleinste Position war, denn die Büros waren zu 80 Prozent bezugsfertig.

Die Planungen für die Räume hat übrigens allesamt Nicole Kandora vom kommunalen Bauamt übernommen. Für Fachbüros musste hier kein Geld ausgegeben werden. "Ich bin heilfroh, … dass wir es so gemacht haben. Es war eine gute Entscheidung", sagte ein zufriedener Manfred Ehlers am Montag beim Rundgang durchs "neue Rathaus".

Da der Mietvertrag mit dem Dormiente-Eigentümer zeitlich flexibel ist, kann sich das gegebenenfalls positiv auf die Preise beim Umbau der Verwaltung auswirken: Man stehe da nicht so unter Druck, jedes Gebot nehmen zu müssen, sagt Ehlers. FOTOS: SO

Melanie Kümmel am Empfang muss ihr freundliches Lächeln hinter einer Maske verstecken - aber es ist da. Ihr neuer Arbeitsplatz ist bereits fertig eingerichtet. Auch alle anderen Büros im neuen Interims-Verwaltungsgebäude sind voll funktionstüchtig, wenngleich noch die eine oder andere Umzugskiste zu finden ist.

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