_1KREISGIESSEN402-B_1121_4c
+
Wachsende Kommunen, schwer kalkulierbare Platzbedarfe, fehlendes Personal: Träger von Kindertageseinrichtungen stehen seit Jahren vor großen Herausforderungen. SYMBOLFOTO: DPA

Kitas

Betreuungsplätze: Planung ist große Herausforderung

  • vonChristina Jung
    schließen

Steigende Platzbedarfe, neue Gesetzesvorgaben, Fachkräftemangel. Die Herausforderungen für die Träger von Kitas sind enorm. Und dann kam auch noch Corona.

Insgesamt 120 Kindertagesstätten gibt es im Landkreis Gießen. 8698 Plätze stehen dort für die Ein- bis Sechsjährigen zur Verfügung. Darüber hinaus kümmern sich 118 Tagespflegekräfte um die Betreuung der Jüngsten. Doch all das ist nicht genug.

In 14 Kommunen besteht Ausbaubedarf, kurz- oder mittelfristig. Das stellt die Beteiligten vor große Herausforderungen, die Bewältigung ist schwierig. Anlässlich der endenden Legislaturperiode zog der zuständige Kreisjugenddezernent Hans-Peter Stock im Rahmen einer Pressekonferenz Bilanz. Fazit: »Es ist noch nicht alles optimal, aber wir können sehr stolz auf das Erreichte sein.«

U3-Bedarf fast verdoppelt

Der mit dem Rechtsanspruch der unter Dreijährigen auf einen Betreuungsplatz seit Jahren stetig ansteigende Bedarf in diesem Bereich - dieser hat sich seit 2013 von anfangs 35 Prozent auf mittlerweile knapp 63 Prozent fast verdoppelt - habe den Trägern der Einrichtungen in den vergangenen Jahren »ganz viel abverlangt«. Dank der guten Zusammenarbeit zwischen Fachbehörde und Kommunen seien Probleme aber stets gelöst worden.

Die große Herausforderung für die Beteiligten ist laut Stock, Simone Hackemann (Fachdienstleiterin Kinder- und Jugendhilfe) und Martina Viehmann (Fachaufsicht und Trägerberatung, stellvertretende Teamleiterin Kindertagesbetreuung) nach wie vor die bedarfsgerechte Planung. Eigentlich könnte diese anhand von Geburtenzahlen ganz einfach sein, doch die Vorgaben des Kinderförderungsgesetzes (KiföG) erschweren sie erheblich. Was der Gesetzgeber 2008 erdacht hatte, um eine Qualitätsverbesserung bei der Betreuung zu erreichen, lässt so manchen Verwaltungsmitarbeiter bei der Ermittlung der Bedarfe verzweifeln. Denn je nach Alter der Kinder belegen sie unterschiedlich viele Betreuungsplätze. Heißt konkret: die Planung unterliegt laufenden Änderungen.

Fehlende Fachkräfte

Dazu kommen wachsende Kommunen - vielerorts entstehen Neubaugebiete und Familien ziehen zu - sowie Eltern, die ihre Kinder zunächst für einen Betreuungsplatz anmelden, diesen dann aber nicht in Anspruch nehmen. Das alles mache eine belastbare Bedarfsermittlung sehr schwierig, so Viehmann.

Doch das sind nicht die einzigen Herausforderungen, der sich Träger und Fachbehörde gegenüber sehen. Ein weiteres großes Thema ist das Betreuungspersonal. Schon jetzt sei es schwierig solches zu finden, doch neue Richtlinien im Gute-Kita-Gesetz, die durch einen veränderten Fachkraftschlüssel eine Qualitätsverbesserung beabsichtigen, verlangten laut Viehmann ab Sommer 2022 das Einstellen von noch mehr Leitungs- und Betreuungspersonal - ein Mehr von insgesamt knapp 30 Prozent des derzeitigen Mindestbedarfs. Stock: »Das erhöht den Druck auf den ohnehin schon dünn gesäten Fachkräftemarkt.«

Kaum Handlungsoptionen

Was eine Verbesserung der Situation angeht, hat die Kreisbehörde allerdings wenig Handlungsoptionen, da die Anerkennung der Fachkräfte Sache des hessischen Sozialministeriums ist. Eine mögliche Lösung sieht Viehmann in der Senkung der derzeit bestehenden hohen Hürden für Quereinsteiger aus kitanahen Berufen wie Kinderkrankenpflege, Logo- oder Physiotherapie. Auch finanzielle Anreize - beispielsweise durch eine Gleichstellung bei der Bezahlung mit den Grundschullehrern - seien eine Möglichkeit, den Beruf attraktiver zu machen. Ebenso die Bereitstellung administrativer Unterstützung, so Hackemann.

Betreuung in der Pandemie

Und dann wäre da noch Corona. Das Virus, das »am 16. März vergangenen Jahres unser Alltagsgeschäft lahm gelegt hat«, so Hackemann. Der Regelbetrieb war oftmals nicht möglich, Öffnungszeiten waren eingeschränkt, Gruppen geschlossen, teilweise ganze Einrichtungen, die Fachkräfte am Limit. Dennoch habe man versucht gemeinsam mit Tagesstätten und Trägern Lösungen zu finden und das ganz gut hinbekommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare