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Kultusstaatssekretär Dr. Manuel Lösel schaut Fünftklässlerin Luna während des Lerncamps in der Clemens-Brentano-Europaschule in Lollar über die Schulter. Begleitet wird er während seines Besuchs von Schulleiter Andrej Keller (rechts) und dem neuen Schuldezernenten im Landkreis Gießen, Christopher Lipp.

»Besser als Ferienspiele«

  • Susanne Riess
    VonSusanne Riess
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In den Sommerferien freiwillig die Schulbank drücken? Das gibt es tatsächlich. 166 Schüler der Clemens-Brentano-Europaschule in Lollar beteiligen sich an einem zweiwöchigen Lerncamp. Das Angebot richtet sich an Mädchen und Jungen von der fünften Jahrgangsstufe bis hin zur Oberstufe.

Obwohl erst heute der letzte offizielle Tag der Sommerferien ist, herrscht an der Clemens-Brentano-Europaschule (CBES) schon reger Betrieb. Die Lerncamps sind ein Angebot des Hessischen Kultusministeriums, das darauf abzielt, Kinder und Jugendliche auf den Start ins neue Schuljahr vorzubereiten. Hierbei bekommen sie eine intensive individuelle Förderung. Mehr als 13 000 Schüler in ganz Hessen nutzen das kostenlose Angebot. »Nach Monaten des Wechsel- und Distanzunterrichts gilt es, den verpassten Lernstoff aufzuholen«, erläuterte Kultusstaatssekretär Dr. Manuel Lösel, der den Teilnehmern der »Summerschool« gestern während eines Besuchs in der CBES über die Schulter schaute. Er betonte: »Wir werden etwa zwei Jahre brauchen, um die Lernrückstände durch die Corona-Pandemie zu kompensieren.«

Die Lerncamps werden von den teilnehmenden Schulen eigenverantwortlich organisiert. Die CBES beteiligt sich bereits zum zweiten Mal an diesem Projekt. »Es ist ein tolles Angebot, und die meisten Schüler sind mit Spaß und Engagement dabei«, erläuterte Schulleiter Andrej Keller. Eine Schülerin habe ihm zum Beispiel freudestrahlend erzählt, das sei besser als Ferienspiele. »Es ist eine ganz gemischte Truppe.«

Geöffnet hat das Lerncamp für alle, die mitmachen wollen. Dadurch, dass das Angebot freiwillig sei, erreiche man aber längst nicht alle, die man eigentlich erreichen müsste, erklärte Keller. Die Vorbereitungen hierfür seinen immens gewesen.

»Für jeden Schüler wurde ein individuelles Paket zusammengestellt. Wir haben in Absprache mit den Lehrkräften genau in Erfahrung gebracht, wo noch Unterstützung nötig ist.« Der Schwerpunkt sei auf die Fächer Deutsch, Englisch und Mathematik gelegt worden.

»Im vergangenen Jahr haben wir die Erfahrung gemacht, dass fast alle Teilnehmer einen besseren Start ins neue Schuljahr hatten. Sie haben fast durchweg gute Noten in den ersten Klausuren erzielt«, sagte Keller. Geschultert wurde das Projekt zum Teil von eigenen Lehrkräften und Referendaren, aber auch von externen Kräften.

Corona hat den Schulalltag massiv verändert. »Niemand hätte je daran gedacht, dass wir einmal Schulen schließen müssen«, sagt Lösel rückblickend. Doch so schlimm diese Pandemie auch sei, »bei der Digitalisierung hat sie uns sehr weitergeholfen.« Seien vor Corona etwa 300 Schulen in Hessen im Schulportal vertreten gewesen, so seinen es jetzt fast 1700.

Doch gerade beim Thema Digitalisierung gibt es noch immensen Nachholbedarf. »Es hapert vielerorts an einem fehlenden Glasfaseranschluss. Oft reicht die Internet-Verbindung nur für die Lehrer, nicht aber für die Schüler«, bemängelte der neue Schuldezernent im Landkreis Gießen, Christopher Lipp. Das Problem kennt auch Schulleiter Keller: »Wir sind bereits verkabelt, warten aber noch immer auf den Anschluss durch die Telekom.« Außerdem benötige man digitale Tafeln und müsse die Schulen zukünftig auch beim Support unterstützen, betonte Lipp.

Neben den mehr als 100 Schülern, die am Lerncamp der CBES teilnehmen, sind derzeit auch zahlreiche Lehrkräfte vor Ort. In diesen Tagen wartet laut Schulleiter Keller ein wahrer Konferenzmarathon auf ihn und die Lehrerschaft. Bis zum offiziellen Start des neuen Schuljahres am kommenden Montag gebe es noch viel zu planen, zu besprechen und zu koordinieren.

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