Ein besonderer Tag, auf den die Jugendlichen - wie hier in Annerod - lange gewartet haben: die Konfirmation 2020. FOTO: BF
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Ein besonderer Tag, auf den die Jugendlichen - wie hier in Annerod - lange gewartet haben: die Konfirmation 2020. FOTO: BF

Ein besonderer Tag

  • vonPatrick Dehnhardt
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In einem normalen Jahr hätten die Konfirmationen bereits im Frühling stattgefunden. Wegen Corona aber war lange Zeit unklar, ob eine Einsegnung in diesem Jahr überhaupt möglich ist. Nun durften die Feiern nachgeholt werden. Ohne Gesang zwar und nur in kleinem Kreis, dafür aber mit reichlich Kreativität.

Es gab diesen einen Moment, den fand Peter Schumacher besonders ergreifend. Vielleicht weil die Zeremonie so anders ablief als üblicherweise. Vielleicht weil genau jener Moment so viel erzählt über den Einfallsreichtum, mit der Pfarrerin Anne-Barbara Schneider versucht hat, die Konfirmation in ihrer evangelischen Gemeinde in Annerod zu einem besonderen Ereignis zu machen. Auch oder gerade wegen Corona. Die eine oder andere Mama jedenfalls, erzählt Schumacher, hatte "gar ein Tränchen im Auge". Auch ihm ging es nahe, als sein Sohn den Segen empfing.

Pfarrerin Schneider nämlich hatte sich die Hygienevorschriften zunutze gemacht. Jeder der fünf Anneröder Konfirmanden trat für die Einsegnung diesmal einzeln mit seinen Eltern an den Altar. Während diese die Hände auflegten, sprach Schneider aus der Distanz den Segen. Für Hygiene war so gesorgt, für ein persönliches Ambiente ebenfalls.

So wie in Annerod fanden auch in anderen Teilen im Landkreis jüngst Konfirmationen statt. In einem normalen Jahr wäre das alles bereits im Frühjahr über die Bühne gegangen. Doch 2020 ist eben kein normales Jahr. In der Hochzeit der Corona-Pandemie blieben die Kirchen geschlossen, die Gottesdienste mussten abgesagt werden. Lange Zeit war weder an große noch kleine Feiern zu denken.

Als der Lockdown im Frühjahr kam, liefen in Annerod bereits die Vorbereitungen für den besonderen Gottesdienst am 17. Mai. "Wir hatten gerade die Konfirmandenfreizeit hinter uns, hatten uns noch einmal getroffen - und dann stoppte Corona alles", erzählt Pfarrerin Schneider. Über Monate hinweg entfiel der Konfirmandenunterricht. Am geplanten Festtag trafen sich die Jugendlichen mit der Pfarrerin zu einem kleinen Segensgebet, um sich gegenseitig Hoffnung zu spenden.

Erst nach den Sommerferien gab es in Annerod den ersten Lichtblick: Der Konfirmandenunterricht begann wieder. Da die Gruppe klein genug war, musste sie nicht geteilt werden. Für Pfarrerin Schneider war es eine ungewohnte Situation - denn zeitgleich startete auch der Unterricht für den nächsten Jahrgang. Und trotz aller beschwerlichen Corona-Begleiterscheinungen hat Schneider beim 2020-Jahrgang etwas überaus Positives beobachtet: "Die Jugendlichen sind in den fünf Monaten reifer geworden. Ich habe gestaunt, wie kreativ sie mitgemacht und die Lage akzeptiert haben. Sie sind an der Situation gewachsen."

Diese Gemengelage kennt auch Marissa Mann, Pfarrerin in Hausen und Garbenteich. "Die Konfirmation", sagt sie, "ist ein wichtiges Ereignis im Leben von jungen Menschen, die immer mehr auf dem Weg ins Erwachsenenleben sind und trotz Krise ganz bewusst ihr Ja zum Glauben sprechen. In einer Lebensphase, in der sich viel verändert, stehen sie einmal selbst im Mittelpunkt." Auch ihre Geschichte erzählt von Einfallsreichtum und dem Motto: Machen wir das beste aus dieser Zeit.

In den Wochen des Lockdowns, sagt Mann, habe sich der Regenbogen als Symbol der Solidarität herauskristallisiert, sei an vielen Fenstern zu sehen gewesen. Sie sah darin ein passendes Zeichen - ist er doch auch das Symbol des nach der Sintflut zwischen Gott und Menschen geschlossenen Bundes. So beschloss Mann, den Regenbogen ins Zentrum der Konfirmationsfeier zu stellen.

Zwischen Kirche, Eltern und Jugendlichen habe es eine kreative Zusammenarbeit gegeben, die getragen habe, erzählt Mann. Vor wenigen Tagen wurde nun Konfirmation gefeiert. Die Garbenteicher mussten dabei aufgrund der Hygienevorgaben auf die Christuskirche in Watzenborn-Steinberg ausweichen. Doch trotz des fremden Ortes wurde der lang erwartete Konfirmationsgottesdienst zu einem Festtag, sagt Mann. Aufgrund der Größe des Jahrgangs fanden pro Ort zwei getrennte Gottesdienste statt.

Nun muss man sich nichts vormachen: Dass die Konfirmanden nicht jeden in die Kirche mitbringen konnten, den sie gerne mitgebracht hätten, ist in Corona-Zeiten zwar ein notwendiges Übel, für den Einzelnen aber dennoch schmerzhaft. In Annerod etwa, erzählt Peter Schumacher, gab es während des Gottesdienstes eine feste Sitzordnung, die Anzahl der teilnehmenden Familienmitglieder war wie überall begrenzt. Und zwischen den einzelnen Familien seien jeweils Bänke gesperrt worden, um den Abstand zu wahren. Während des gesamten Gottesdienstes galt zudem Maskenpflicht. "Da haben sich auch alle dran gehalten", sagt er.

Dass eine Konfirmation ohne Gesang abgehalten wird, auch das mag für viele äußerst gewöhnungsbedürftig sein. So sei das eben jetzt, sagt Pfarrerin Schneider. Sie machte das Beste aus der Situation. In Annerod sorgten zwei Musikerinnen mit Geige und Klavier für den passenden Rahmen. Zudem ließen die Eltern ein Musikvideo auf eine Leinwand projizieren.

"Es war eine besondere Konfirmation", sagt sie. Nicht nur für die Jugendlichen, auch für sie selbst. "Man musste mehr beachten, konnte nicht auf Routinen zurückgreifen. Aber es hat sich gelohnt. Ich bin sehr dankbar, dass es so stattfinden konnte."

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