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Nach einem Schuljahr mit viel Homeschooling stehen nun sechs Wochen Sommerfreien an. SYMBOLFOTO: FELIX KÄSTLE/DPA

Besondere Ferien

  • Lena Karber
    VonLena Karber
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Kinder und Jugendliche haben in den vergangenen Monaten auf vieles verzichten müssen - umso wichtiger ist es nach Einschätzung des Busecker Jugendpflegers Andreas Geck, dass es für sie in den Ferien jetzt entsprechende außerschulische Angebote gibt - und zwar in Präsenz. Oftmals seien es »Gespräche zwischen Tür und Angel«, in denen sich Kinder und Jugendliche öffnen, erklärt Geck.

Die Sommerferien in Hessen haben begonnen - die zweiten im Kontext der Corona-Pandemie. Doch anders als im vergangenen Jahr liegen hinter den Schülern diesmal nicht nur etliche Wochen des Homeschoolings, sondern viele Monate des Verzichts. Freunde treffen, Kino-, Schwimmbad- und Freizeitparkbesuche oder Feiern gehen - all das war lange Zeit nicht möglich und ist es auch jetzt zum Teil nur eingeschränkt. Das hat Folgen: Bereits zu Beginn des zweiten Lockdowns im November deuteten erste Ergebnisse der Covid-Kids-Studie der Universität Tübingen und der Universität Luxemburg daraufhin, dass die Lebenszufriedenheit der Kinder und Jugendlichen hierzulande massiv zurückgegangen war. Auch psychische Erkrankungen haben nach Einschätzung von Experten deutlich zugenommen.

Im Bereich der Jugendpflege blickt man daher gespannt auf die anstehenden Ferien, wie der Busecker Jugendpfleger Andreas Geck erzählt, der in der Pandemie in regelmäßigem Austausch mit Kollegen steht. »Anders als in den Schulen hatten wir weniger Möglichkeiten, Kindern und Jugendlichen in Präsenz zu begegnen«, sagt er. Daher sei man mit Prognosen noch vorsichtig, auch wenn man natürlich erahnen könne, dass die Situation für viele jungen Leute nicht einfach gewesen sei. »Wir hatten zwar auch online Kontakt, aber wenn man jemandem in die Augen gucken kann, merkt man natürlich eher, ob es ihm gut oder schlecht geht.«

Daher ist Geck froh, dass nun zunehmend Präsenzveranstaltungen stattfinden können. Oftmals seien es »Gespräche zwischen Tür und Angel«, in denen sich Kinder und Jugendliche öffnen und von sich erzählen würden, sagt er. »Darauf warten wir jetzt und hoffen, dass wir helfen und unterstützen können.«

Außerdem hält es Geck für wichtig, dass sich junge Menschen jetzt auch wieder in Gruppen treffen können - etwa in Jugendzentren. Normalerweise seien diese im Sommer wenig gefragt, weil sich die Jugendlichen lieber draußen treffen würden, sagt er. »Aber in diesem Jahr wird in den Busecker Ortsteilen nach dieser langen Zeit auch die Öffnung von Jugendräumen gewünscht.« Dort, wo die Nachfrage da sei, sei man daher aktuell dabei, »wieder vorsichtig zu öffnen«.

Dass auch die Nachfrage nach Jugendfreizeiten des Landkreises hoch ist, zeigt, dass die Jugendlichen nach den Monaten des Lockdows das Bedürfnis haben, mit Gleichaltrigen zusammenzusein und rauszukommen.

Dabei spielt natürlich auch das Feiern eine Rolle, denn entsprechende Veranstaltungen finden weiterhin nicht statt und auch in Clubs und Bars gibt es keine Partys. Oftmals zieht es die Jugendlichen daher nach draußen, wie die Bilder von eskalierenden Partys in großstädtischen Parks zuletzt gezeigt haben. Auf dem Land verteilt sich das besser, doch zu Störungen der Anwohner kommt es natürlich dennoch bisweilen. Das gilt auch für Buseck. »Hier und da gibt es ein paar Beschwerden, was natürlich schade ist«, sagt Geck. Dem gehe man dann nach. Insgesamt hat er jedoch auch Verständnis für den Drang der Jugendlichen, sich draußen zu treffen und zu feiern. »Die haben so viel ausgehalten und so viel Geduld gehabt, dass sie nun ihre Räume einnehmen, das kann man ihnen nicht vorwerfen.«

Da Kinder und Jugendliche zuletzt so viel Zeit zu Hause verbracht haben und einige in den Ferien auch nicht verreisen werden, ermöglichen ihnen einige Kommunen, wie etwa Wettenberg oder Grünberg, in der schulfreien Zeit kostenfrei das Schwimmbad zu besuchen. Zudem kommt den kommunalen Ferienspielen in diesem Jahr eine besondere Rolle zu. »Soziale Kontakte gehören zentral zum Heranwachsen hinzu. Gerade deshalb ist es wichtig, dass es jetzt auch außerschulische Angebote gibt«, sagt Geck.

Allerdings war es für ihn im Frühjahr angesichts der hohen Infektionszahlen schwierig, ein Programm auf die Beine zu stellen, da viele Vereine lieber ausgesetzt haben. Wie umfangreich die Ferienspiele ausfallen, ist daher sehr unterschiedlich. Während in der Gemeinde Wettenberg über die gesamten sechs Wochen fast täglich mehrere Veranstaltungen angeboten werden, ist etwa das Programm in Fernwald überschaubar. Rabenau und, zum wiederholten Mal, Lollar, bieten gar keine Ferienspiele an. Und in Laubach hat man sich für ein digitales Programm entschieden.

In Buseck haben die Organisatoren in den vergangenen Wochen, als die Inzidenzen gesunken waren, noch nachgesteuert, so dass nun immerhin 56 Veranstaltungen angeboten werden können. Allerdings ist die Nachfrage deutlich höher als im ersten Corona-Sommer. »Wir haben weniger Kurse, aber viele Kinder - da kann man nicht jeden Wunsch erfüllen«, sagt Geck. »Aber wir machen das Beste daraus.«

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