Bei einem Pressetermin haben Bürgermeister und Landrätinnen die neue Radwege-Beschilderung kürzlich eingeweiht. Nun gibt es Kritik. ARCHIVFOTO: VH
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Bei einem Pressetermin haben Bürgermeister und Landrätinnen die neue Radwege-Beschilderung kürzlich eingeweiht. Nun gibt es Kritik. ARCHIVFOTO: VH

Gut beschildert, schlecht befahrbar?

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Kürzlich wurden Radwege zwischen dem Lumdatal und Ebsdorfergrund neu beschildert. Nun kommt Kritik, die Strecken seien teils gefährlich und für Freizeitradler kaum geeignet. Auch in der Kreis- verwaltung und den Rathäusern sieht man teils Handlungsbedarf.

Radeln über die Landkreisgrenze hinweg, ohne die Orientierung zu verlieren - dieses Ziel wird im Lumdatal und der Gemeinde Ebsdorfergrund (Landkreises Marburg-Biedenkopf) gleichermaßen verfolgt. Kürzlich wurden bei einem Termin in Ilschhausen neue Schilder auf Radwegen an der Kreisgrenze eingeweiht. Auch Landrätin Anita Schneider und ihre Marburger Amtskollegin Kirsten Fründt waren dabei, außerdem die Bürgermeister aus dem Lumdatal und Ebsdorfergrund.

Doch in welchem Zustand sind die nun vernetzten Radwege? Karl Ludwig Weller aus Heuchelheim ist einen Teil der neu beschilderten Strecke abgefahren - und übt deutliche Kritik: Gerade zwischen Staufenberg und Hachborn sei die Strecke "miserabel", er als geübter Freizeitradler habe teils absteigen müssen. Von befreundeten Radfahrern habe er Ähnliches gehört.

Nach einer geteerten, gut befahrbaren Passage habe ihm ein Schild den Weg Richtung Staufenberg gewiesen. Dann ging es laut Weller steil bergauf, sieben Kilometer durch den Wald in Richtung der Windräder bei Hassenhausen. Dort sei der Weg teils so voller Schotter gewesen, dass es gefährlich werden könne.

"Die Beschilderung ist einwandfrei", sagt Weller. Doch er bezweifle, dass jene, die die neuen Schilder öffentlichkeitswirksam vorgestellt haben, die komplette Route mit einem "normalen" Rad abgefahren sind. Wellers Fazit: Der von ihm abgefahrene Weg sei aufgrund des teils schlechten Zustands und der steilen Route für Freizeitradler und Familienausflüge kaum geeignet, sondern eher "Übungsgelände für sportliche Mountainbiker mit entsprechender Ausrüstung und Kondition".

Dass die Strecke Schäden und Gefahrstellen aufweist, ist inzwischen auch im Rathaus der Gemeinde Ebsdorfergund bekannt. Vor Kurzem seien Hinweise auf hohen Schotteranfall auf einer abschüssigen Stelle im Bereich Hachborn/Ilschhausen eingegangen, äußert sich Bürgermeister Andreas Schulz. Er habe das Bauamt sofort veranlasst, sich darum zu kümmern.

Für solche Hinweise sei man dankbar. "Es wurde neulich über die Zeitung bekannt gemacht. Wenn die Leute dann auf dem Weg fahren, stellen sie so etwas fest", sagt Schulz. Ein Teil des Radwegs werde bald ohnehin aufgewertet. "Mit dem Bau der Windräder bei Staufenberg wird die Strecke verbessert", so Schulz. Dann sollen Teile über diese Route angeliefert werden - und von asphaltierten Abschnitten könnten auch Radler profitieren.

Andererseits wirbt der Bürgermeister um Verständnis, dass das neu beschilderte Wegenetz für Radler ohne E-Bike teils anspruchsvoll sei: Gerade im Bereich zwischen Staufenberg, Hachborn und Heskem erwartet er perspektivisch mehr Berufspendler, vor allem zum interkommunalen Gewerbegebiet. Und etliche seien mit E-Bikes unterwegs.

"Ich gehe davon aus, dass die Strecke nicht für alle gleichermaßen einfach ist, aber es muss ja keiner diesen Weg nehmen", äußert sich Schulz zu der Kritik, die Route sei zu steil, für Freizeitsport ungeeignet. Er verweist auf einfacher zu bewältigende, dafür aber längere Verbindungen zwischen den Orten und Landkreisen. Insgesamt habe die Gemeinde ein dichtes Radwegenetz geschaffen, nun fehle nur noch ein Lückenschluss zwischen Roßberg und Wermertshausen.

Auch vom Landkreis Gießen kommt der Hinweis auf "Strecken, die als kürzeste für den Radverkehr geeignete Verbindungen zwischen Orten zwar geeignet, aber nicht mit touristischen und vollständig asphaltierten Wegen vergleichbar sind". Trotzdem sei wünschenswert, "dass alle geeigneten Strecken in einem guten Zustand zur Verfügung stehen", so Kreis-Pressesprecher Dirk Wingender.

Ohnehin beschäftige sich die Kreispolitik nun mit dem Entwurf des Radwegekonzepts. Es solle auch "der wachsenden Bedeutung des Fahrrads für den Alltagsverkehr Rechnung tragen und den Ausbau von Rad-Mobilität unterstützen".

Für die Unterhaltung von Radwegen sei der Baulastträger zuständig, heißt es aus der Kreis-Pressestelle - also etwa die Kommunen oder Hessen Forst. Im Fall der neu ausgeschilderten Radwege sei der Kreis kein Baulastträger. Dennoch sieht offenbar auch die Kreisverwaltung Handlungsbedarf: "Der Landkreis hat mit dem Bauamt der Stadt Staufenberg Kontakt aufgenommen. Dieses hat uns gegenüber eine Prüfung vor Ort angekündigt, wo und in welchem Umfang Stellen schadhaft sind und wie möglichst rasch eine Verbesserung herbeigeführt werden kann."

Man wisse um die recht hohe Steigung und Probleme mit Schotter zwischen Staufenberg und Hachborn, sagt Stadtrat Rudolf Herzberger, zurzeit Vertreter des Staufenberger Bürgermeisters. Er verweist ebenfalls auf Verbesserungen im Zuge der Errichtung von Windkraftanlagen. Auch müsse man bedenken, dass diese Radwege formal Waldwirtschaftswege seien, heißt es aus dem Staufenberger Bauamt.

Größtenteils, so Herzberger, lägen die bekannten Schadstellen auf Hachborner Seite. Aber soweit Staufenberg zuständig sei, gelte: "Alle, die damit befasst sind, werden es bereinigen."

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