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Im Bildvordergrund links ganz klar zu erkennen: Das Römerforum. Rechts vorne die Gewerbebetriebe.

Ein Ortspoträt

Ein berühmtes Dorf: Waldgirmes im Porträt

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Ein goldener Pferdekopf hat das Dorf berühmt gemacht. Er belegt, dass Waldgirmes schon vor mehr als 2000 Jahren ein guter Ort zum Leben war. Bis heute - nicht zuletzt durch die Gunst der Lage zwischen Gießen und Wetzlar.

Die traditionellen Dorffeste werden immer weniger - aber die Kirmes in Waldgirmes ist noch ein echter Klassiker: Die Burschenschaft "Club Edelweiß", die Mädchenschaft "Sonnenschein" und der Geselligkeitsverein "Kirmes in Waldgirmes" bieten auf dem Festplatz am Hallenbad alljährlich im August vier Tage volles Programm.

Und Waldgirmes ist ein Dorf im besten Sinne. Denn da findet sich (fast) noch alles, was die knapp 3300 Einwohner brauchen: Kindergarten und Grundschule, Post, Volksbank und Sparkasse, ein sehenswertes Heimatmuseum, ein Schwimmbad mit riesiger Liegewiese, ein reges Vereinsleben, eine große Mehrzweckhalle… Die Lahnauhalle steht freilich allen Bürgern und Vereinen der Großgemeinde zur Verfügung, wie ihr Name schon sagt.

Ebenso wie das Schwimmbad. Das freilich für ein Hallenbad eine Besonderheit aufweist: Das Bad mit seiner großen Schwimmhalle und einem 50-Meter-Becken ist jeden Winter von Mitte November bis Mitte März für etwa vier Monate geschlossen, um Energiekosten zu sparen. Es stammt schließlich aus einer Zeit, als der Liter Heizöl noch für ein paar Pfennige zu haben war.

Stichwort Geld: Das kann am Dorfrand im Gewerbegebiet "Vor dem Polstück" verdient werden. Da sitzen neben anderen Hightech-Unternehmen und Maschinenbauer. LTI Motion, Hastamat oder Janitza electronics tragen den Namen Lahnau-Waldgirmes in alle Welt.

Gar nicht weit davon, auf der anderen Seite der Chaussee Richtung Naunheim nämlich, da findet sich eine weitere Besonderheit, die Waldgirmes berühmt gemacht hat: Das Römerforum: Dort haben archäologische Grabungen seit der ersten Hälfte der 1990er Jahre aufgezeigt, dass an dieser Stelle dermaleinst von den Römern eine Stadt erbaut worden war.

Historiker freuten sich über den ersten Nachweis der Gründung einer zivilen römischen Stadt in Germanien östlich des Rheins. Sie wurde allerdings nach wenigen Jahrzehnten wieder aufgegeben, wohl infolge der Schlacht im Teutoburger Wald, als Rom sich hinter den Limes, teils bis hinter den Rhein zurückzog Zu sehen sind in Waldgirmes die Fundamente von Häusern und im Zentrum die Nachbildung einer vergoldeten Reiterstatue, die Kaiser Augustus zeigt.

Um ein wertvolles Teil des Original, das in einem alten Brunnen gefunden wurde, nämlich den Pferdekopf der Statue, hat es mächtig Wirbel gegeben. Selbstverständlich sollte das prächtige Fundstück in Waldgirmes ausgestellt werden, doch nun ist es in der Saalburg, und die Waldgirmes konnten sich im Sommer für drei Tage lediglich an einer Replik erfreuen. Und die Geschichte ist auch noch nicht zu Ende: Denn noch immer streiten das Land Hessen und der Landwirt, auf dessen Grund der Fund gemacht wurde, um den Wert des Kopfes.

Seit 1979 sind die Waldgirmeser mit den Dorlarern und den Atzbachern in der Großgemeinde Lahnau vereint, die wiederum zum Lahn-Dill-Kreis gehört. Die Geschichte davor ist wechselvoller, wie ein Blick in Wikipedia zeigt: Seit 1816 gehörte Waldgirmes zum Kreis Gießen. 1866 wurde es preußisch und 1867 in den Kreis Biedenkopf eingegliedert, später gehörte es bis zur Bildung der Lahnstadt zum Kreis Wetzlar. Für die meisten Menschen eher nachrangig, denn sie orientieren sich weniger an Verwaltungsstrukturen denn vielmehr an Lebensräumen und Bezügen wie Schule, Arbeitsplatz, Freundeskreis, Einkaufsmöglichkeiten. Und da liegt Waldgirmes einfach gut zwischen Gießen und Wetzlar

Und so verwundert es nicht, dass der in der Hessenliga kickende FC Waldgirmes auch treue Fans aus Gießen hat, die regelmäßig dort auf dem Sportplatz zu sehen sind.

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