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Ortsvorsteher Werner Leipold (l.), Pfarrer Hartmut Lemp (6. v. r.) und die für die Grillhüttenvermietung zuständige Ilka Loos (4. v. r.) begrüßen als 1000. Gäste die Hartings mit Hanne Hartings (auf Arm von Iris Hartings), Juno Hartings (4. v. l.), Sebastian Hartings (5. v. l.), Angelika Hartings (6. v. l.) und Günter Lux (7. v. l.).

Von Berlin bis Buseck

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Drei Jahre wurde geplant, ein Jahr gebaut. Seit gut 15 Monaten nun ist die Schäferwagen-Herberge in Nonnenroth geöffnet. Gestern Abend reiste der 1000. Besucher an. Anlass für ein Bilanz-Gespräch mit Werner Leipold (67), Orts- und Kirchenvorsteher sowie einer der Organisatoren.

Seit 15 Monaten ist die Schäferwagen-Herberge geöffnet. Von wo kommen die Gäste?

Werner Leipold:Aus ganz Deutschland, von Berlin bis Buseck sozusagen. Das hängt vor allem damit zusammen, dass Bildungsurlaub bundesweit angeboten wird. Und damit kommt die ganze Republik zu uns nach Nonnenroth. Andere buchen, weil sie beispielsweise in der Kur gehört haben, dass es hier so schön ist.

Hatten Sie auch schon internationales Publikum?

Leipold:Ja, vergangenes Jahr war die weißrussische Folkloregruppe Brestschanka während der Europawoche hier, und es gibt auch immer wieder reisende Pilger auf dem Lutherweg, die bei uns Station machen. Kürzlich kam beispielsweise eine Anfrage aus Holland.

Was war die bisher kurioseste Buchungsanfrage?

Leipold:Zwei Highlights fallen mir auf Anhieb ein: Die eine kam von einer Frau, die ihre Hochzeitsnacht im Schäferwagen verbringen wollte. Die andere von einer Familie, die der Mama zum Muttertag ein freies Wochenende geschenkt und sich selbst für diese Zeit in die Schäferwagen-Herberge eingemietet hatte.

Für die gesamte Organisation ist ja die Kirchengemeinde zuständig. Wie viel Arbeit steckt dahinter?

Leipold:Eine ganze Menge. Zum einen zwei Angestellte auf 450-Euro-Basis, die sich darum kümmern, dass wir einen ganz hohen Sauberkeitsgrad im Servicehaus haben, worauf wir großen Wert legen. Sie sind auch Ansprechpartner für die Besucher. Außerdem fließt Arbeitszeit des Dekanats in dieses Projekt, weil sich dort jemand um die Buchungen kümmert.

Wie viele Ehrenamtliche sind involviert, und was tun sie?

Leipold:Fünf. Einer ist quasi für das Grün zuständig, schneidet Bäume usw., ein anderer kümmert sich um die Technik. Dann gibt es den Bereich Auskunft/Info, wo ich mich engagiere, Telefonate annehme usw. Dazu kommen Planungen, wie es weitergehen kann.

Wo läuft es super, wo nicht?

Leipold:Unser Ziel ist, dass wir einen höheren Anteil an Mehrfachübernachtungen erreichen, vor allem unter der Woche, um unseren Aufwand zu reduzieren.

Und das funktioniert wie? Über Werbung?

Leipold:Zum Beispiel. Weil wir einiges bei Facebook gepostet hatten, haben wir es geschafft, die Zahlen im Juli unter der Woche noch mal zu erhöhen. Auch in der nächsten Auflage der Touristik-Karte der Stadt Hungen sind wir dabei.

Wie sieht es mit zusätzlichen Angeboten aus?

Leipold:Pakete sind eine Möglichkeit, so wie das große Amigos-Wochenende vom 23. bis 25. August. Da singen freitags Mickey Krause und die Dorfrocker, am Samstag die Kastelruther Spatzen und die Amigos. Am Sonntag ist der Kreisverbandstag der Feuerwehr mit den Mostlandstürmern. Das gibt es nur im Paket.

Und das funktioniert?

Leipold:Ja. Alle sechs Wagen sind weg.

Gestern Abend kam der 1000. Besucher in die Schäferwagen-Herberge. Das hört sich viel an. Umgerechnet auf die 15 Monate seit der Eröffnung sind es aber nur gut zwei Übernachtungen pro Tag. Sind sie damit zufrieden?

Leipold:Ja, weil sich die Nutzungszeit schwerpunktmäßig auf die Monate Mai bis Oktober erstreckt. Für November, Dezember, Januar, Februar und März haben wir - mit Ausnahme einer großen Jagdgesellschaft - keine Buchungen angenommen, weil die Heizkosten für Wagen und Servicehaus in dieser Zeit so hoch sind, dass sie sich nicht mit den Einnahmen decken.

Sind die Besucher zufrieden? Welche Rückmeldungen erhalten Sie?

Leipold:Dass der Salzstreuer gefehlt oder das Kochgeschirr nicht ausgereicht hat beispielsweise. Darauf reagieren wir und optimieren das. Ansonsten sind die Leute total begeistert, mancher bucht schon für das kommende Jahr.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Leipold:Für 2020 planen wir einen Bouleplatz, außerdem wollen wir die Möblierung im Außenbereich erweitern. Darüber hinaus gibt es Überlegungen, einen Gesellschaftswagen zu installieren. Platz und Stromanschluss hätten wir, aber aus unseren Rücklagen können wir das nicht finanzieren. Deshalb müssen wir schauen, auf welchem Weg wir an Fördermittel kommen. Das andere betrifft die bereits angesprochenen Pakete, die wir gemeinsam mit dem Stadtmarketing schnüren wollen. Allerdings in langsamen Schritten. So, dass wir mit unserem Personal mitkommen.

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