Freudenstrahlend und bereit für die neue Aufgabe: Pfarrerin Dr. Tina Bellmann an der Kirchentür in Villingen. FOTO: PM
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Freudenstrahlend und bereit für die neue Aufgabe: Pfarrerin Dr. Tina Bellmann an der Kirchentür in Villingen. FOTO: PM

Bereit für die "Traumstelle"

  • vonred Redaktion
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Die neue Pfarrerin für Nonnenroth und Villingen ist Dr. Tina Bellmann. Die 34-jährige Theologin beginnt ihren Probedienst im Januar 2021. Zu ihrem Aufgabenbereich gehören auch die Seniorenzentren in Hungen.

Mit der Pfarrstelle Villingen/Nonnenroth tritt die gebürtige Thüringerin gewissermaßen ihre Traumstelle an. Vor einiger Zeit habe sie mit ihrem Ehemann Simon einen Gottesdienst von Pfarrer Hartmut Lemp in Villingen besucht: Sie habe sich gut vorstellen können, hier zu arbeiten, erzählt Tina Bellmann. Als ihr Mann, seinerzeit Vikar in Hungen, die Nachricht mitbrachte, dass Lemp demnächst in den Ruhestand gehen würde, bekundete sie sofort ihr Interesse. Umso mehr freute sie sich, dass Propst und Kirchenleitung ihr die Stelle für ihren Probedienst anboten. Die Kirchenvorstände stimmten zu, und so haben die Villinger und Nonnenröther nach nur zwei Monaten Vakanz eine neue Pfarrerin. Dass ihr Vorgänger, der die Gemeinden über 30 Jahre lang prägte, nun ihr Gemeindeglied wird, schreckt die selbstbewusste Seelsorgerin nicht: "Er will Ansprechpartner sein und unterstützen, wenn er gefragt wird".

Obwohl sie durchaus ihren eigenen Stil pflegen wird, will sie die Gemeinden nicht "überformen", sondern erst einmal schauen, was die Gemeindeglieder brauchen und wollen. Auch die im Gottesdienst gepflegte reformierte Tradition ohne den liturgischen Wechselgesang - "der wird mir gelegentlich fehlen" - wird sie übernehmen. Eigene Akzente in der Gemeindearbeit "sind erst später dran", sagt sie.

Zunächst wird sie ein wenig Zeit benötigen, sich von ihrer bisherigen auf die neue Gemeinde umzugewöhnen. Im vergangenen halben Jahr hat sie ihr Spezialvikariat bei der Evangelischen Gefängnisseelsorge an der Justizvollzugsanstalt Butzbach absolviert, eine männlich dominierte "Sonderwelt" mit 440 Gefangenen.

Dass die in Sachsen und Sachsen-Anhalt aufgewachsene Tina Bellmann überhaupt Pfarrerin wurde, war nach einer Kindheit in einem nicht kirchlich geprägten Elternhaus eigentlich unwahrscheinlich. Als sie 2005 ihr Abitur in der Tasche hatte, stellte sich die Frage nach dem Studienfach. Kurz vorher hatte sie sich einer evangelischen Jugendgruppe angeschlossen: Hier lernte sie eine aufgeschlossenere Form des Glaubens kennen als in der evangelikalen Familie, in der sie mit 16 in ihrem High-School-Jahr in den amerikanischen Südstaaten lebte. "Da muss aber was hängen geblieben sein", meint sie. Bei der Suche nach dem Studienfach stieß sie auf die Aufforderung: "Testen Sie ihren Theologie-Quotienten!" aus einer Werbekampagne der Evangelischen Kirche. Danach konnte sie sich vorstellen, Theologie zu studieren - in der Hoffnung, dort "die Antwort auf alle meine Fragen" (Bellmann) zu finden.

Das nennt sie heute eine "naive Hoffnung", die sich so nicht erfüllt habe. Stattdessen hat es ihr wohl sehr gefallen, die existenziellen Lebensfragen, die sich in der Theologie stellen, immer weiter zu vertiefen und von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Anders lässt es sich kaum erklären, dass Tina Bellmann nach dem Studium in Halle, München und Hamburg und dem Abschluss in Halle direkt die Promotion in Göttingen anschloss. Mit ihrem Mann Simon, den sie im Studium kennengelernt hatte, zog sie später nach Leipzig und verbrachte noch ein Forschungssemester in New York. Sie gibt zu, dass sie nach der Promotion eigentlich keine Lust aufs Pfarramt gehabt habe. Bei Freundinnen, die den Weg dorthin gewählt hatten, sah sie allerdings die Vorteile und bewarb sich bei der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) auf eine Vikariatsstelle. So kam sie ins Dekanat Gießen nach Heuchelheim. Simon Bellmann hat im Sommer sein Vikariat in Hungen beendet und verfolgt jetzt an der Justus-Liebig-Universität in Gießen seine akademische Karriere weiter. Eine ideale Kombination, findet Tina Bellmann, um berufliche und familiäre Anforderungen unter einen Hut zu bringen.

Zur Familie, die derzeit noch in Inheiden wohnt, gehört nämlich auch noch der kleine Nepomuk, der den Kindergarten in Langd besucht. Wenn das Pfarrhaus in Villingen renoviert ist, ziehen die Bellmanns dort ein.

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