Gründungsversammlung an geschichtsträchtigem Ort: "Henrys Biker Jungs" (inklusive einer Motorradfahrerin, M.) formieren sich unter den Linden am "Kirchenstumpf" bei Geilshausen. FOTOS: IK
+
Gründungsversammlung an geschichtsträchtigem Ort: "Henrys Biker Jungs" (inklusive einer Motorradfahrerin, M.) formieren sich unter den Linden am "Kirchenstumpf" bei Geilshausen. FOTOS: IK

Benzingespräche unter Bäumen

  • Gabriele Krämer
    vonGabriele Krämer
    schließen

Ein Milan zieht seine Kreise hoch über Geilshausen. Aus der Ferne klingt sanft Motorengebrumm. Roller und schwere Maschinen steuern gemächlich zum "Kirchenstumpf". Dort spielt sich vergleichsweise Ungewöhnliches ab: eine Gründungsversammlung.

Während derzeit allerorten Vereine wegen Corona pausieren und um ihre Zukunft bangen, hat der schier unermüdliche Heinrich Ranft seit Wochen kaum etwas anderes als diese Versammlung im Sinn: Gemeinsam mit einem Dutzend Gleichgesinnter hebt der 72-Jährige am Dienstagabend an dem idyllischen Fleckchen zwischen Geilshausen und Allertshausen einen Motorradfahrerclub aus der Taufe: "Henrys Biker Jungs".

Namensgeber "Henry" Ranft selbst - als langjähriger Fahrer von Landräten im Landkreis Gießen landauf landab bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund - hat die Zielsetzung klar umrissen: "Wir wollen ordentlich Motorrad fahren und die Geselligkeit unter den Bikern fördern. Wir sind ein Club mit Niveau. Wir wissen uns zu benehmen."

Seine motorisierten Mitstreiter, die an diesem Tag aus der näheren Umgebung, aus Echzell und Langsdorf angereist sind, pflichten ihm bei: Neben regelmäßigen Ausfahrten in die nähere Umgebung oder in den Vogelsberg oder Spessart, Benzingesprächen im Grünen und am Stammtisch im "Gleis 1" bei Franco Tancredi im Waggon-Bistro in Londorf soll dem Sicherheitsaspekt besondere Bedeutung zukommen. "Sich selbst nicht überschätzen", so die Devise.

Dass die PS-starken "Jungs" im Alter von 21 bis 79 Jahren keineswegs auf Streckenrekorde aus sind, beweist unter anderem die Zusammensetzung des stattlichen Fuhrparks: Die Palette reicht vom Motorrad-Klassiker aus dem Hause BMW über den lässigen Vespa-Roller bis hin zu edlen Maschinen aus dem Hause Ducati und Moto Guzzi.

"Der Heinrich" (so der Aufdruck auf der persönlichen Sicherheitsweste) fährt selbst einen 125er Vespa-Roller. Während er sein ganzes Berufsleben hinter dem Lenkrad seiner Chef-Limousinen verbracht hat, haben es Ranft "privat" die motorisierten Zweiräder angetan.

2014 war Ranft Mitbegründer der "Rollerfreunde Rabenau"; inzwischen haben sich die Wege getrennt. "Gründe doch deinen eigenen Club" hatte ihm sein Freund Karl Langer aus Odenhausen/Lahn, ehemals ein erfolgreicher Grasbahnrennfahrer, geraten. Das sei für ihn die Initialzündung gewesen, erinnert sich Ranft und bekommt im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung sogleich leuchtende Augen. Denn er hat längst weitergehende Pläne geschmiedet.

Karitativ wollen die "Jungs" unterwegs sein, Geld für wohltätige Zwecke sammeln, etwa für die in Wiesbaden ansässige Stiftung "Bärenherz", die sich um krebskranke Kinder kümmert. Zur Erinnerung: Allein die von Ranft als Chauffeur außer Dienst organisierten Treffen früherer Behörden-Fahrer brachten mehrere Tausend Euro für das Kinderhospiz ein.

Noch gut ist auch ein Spektakel in der Rabenau anlässlich von "Henrys" 70. Geburtstag in Erinnerung. Seinerzeit hatte Ranft seinen ersten Fallschirmsprung gewagt und dafür keinen geringeren als Eberhard Gienger als Tandempartner gewonnen - Freunde und weitere Gratulanten kamen als Augenzeugen jener Punktlandung in Geilshausen gerne einem Wunsch des Jubilars nach und füllten den "Bärenherz"-Spendentopf.

Wenn Ranft etwas plant, dann richtig: In Rainer Blum (Buseck), Horst Schlosser (Grünberg) und Manfred Ulrich (Allendorf/Lumda) hat er Club-Sponsoren gefunden; die Kooperation mit dem Vespa-Club Gießen wird angestrebt. Neben Halb- und Ganztagstouren sind zwei ambitionierte Mehrtagesfahrten in einer Kleingruppe geplant, die das 1398 Kilometer lange "Grüne Band" entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze erkundet. "Henry" arbeitet längst an den Details.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare