Beifall von der Basis

  • Rüdiger Soßdorf
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Gießen (so/tb). Wer kennt noch die Werbung aus den frühen 90ern? Während in Villariba noch gespült wird, wird in Villabacho schon gefeiert. Das kann einem in den Sinn kommen bei der Beobachtung, wie zwei große Parteien nach ihren Kanzlerkandidaten suchen. Während Gremien und Granden von CDU/CSU streiten, wer den besseren Bewerber hat, ging es bei den Grünen ganz fix - und ohne öffentliches Theater.

Annalena Baerbock ist seit gestern Kanzlerkandidatin.

Was sagen die heimischen Grünen dazu? Für Christian Zuckermann, Grünen-Fraktionschef im Kreis, steht fest: »Sehr gute Wahl! Eine fachlich bestens aufgestellte Kandidatin, die das Land voranbringen wird.« Baerbock treffe nicht nur den Nerv der Zeit, gerade in der Pandemie habe sie oft wichtige Impulse in die Debatten eingebracht. Etwa dass die Politik verstärkt die Kinder und die Jugend im Blick behalten, die Belange der Familien deutlich stärker berücksichtigen müsse. Zuckermann: »Da haben wir mächtig (Baer)bock auf Wahlkampf!«

Auch die Grünen-Spitzenkandidatin im Kreis, Kerstin Gromes, freut sich über die Entscheidung. Die Wieseckerin, die neu in die Kreispolitik einsteigt, sagt: »Ich finde, dass beide, Habeck und Baerbock, sehr gut geeignet sind, ich habe aber zu ihr tendiert, weil mir gefällt, dass sie sehr dynamisch, angriffslustiger und offensiver als Habeck ist.«

Wichtig ist Gromes, dass eine Frau antritt, die wisse, was Vereinbarkeit von Familie und Beruf bedeute und dies täglich erlebe. Baerbock symbolisiere einen neuen Politikstil und verkörpere Optimismus und Veränderung statt ein »Weiter so«. Gromes: »Wenn so etwas möglich wäre, hätte ich mir beide weiter als Team vorstellen können, denn die reflektierte und zuhörende Art von Robert Habeck ist etwas, dass in der Politik wichtig ist.«

»Eine weise Wahl«, meint auch Michael Köhler, Fraktionschef der Grünen in Laubach. Wenn schon ein CDU-Politiker mit langjähriger Regierungserfahrung wie Thomas de Maizière Baerbock für ihre preußische Tugenden wie hartes, diszipliniertes Arbeiten lobe, bedeute das schon was.

»Regierungserfahrung ist natürlich von Vorteil«, sagt Köhler, auf den oft zitierten Malus der 40-Jährigen angesprochen. Fügt jedoch sogleich an: »Habeck ist ja nicht weg, die bleiben ein Team.« In dem die Brandenburgerin aber jetzt das Zugpferd sein wird. Dass die Grünen mit einer weiblichen und zudem jungen Kandidatin als Alleinstellungsmerkmal punkten werden, auch darauf setzt Köhler. Er ist sich sicher, seine Partei werde nun dank Baerbock »so richtig durchstarten«.

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