Bedürftige zahlen drauf

  • vonred Redaktion
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Gießen(pm). "Entsetzen" hätten bei der Kreistagsfraktion der Gießener Linken die Zahlen zu nicht übernommenen Wohnungskosten von Transferleistungsbeziehern im Landkreis Gießen hervorgerufen, sagt Vorsitzender Reinhard Hamel.

Im Landkreis Gießen seien 2018 von den tatsächlichen Kosten für Miete und Heizkosten (Kosten der Unterkunft) 2,6 Millionen Euro nicht übernommen worden. Das gehe aus einer kleinen Anfrage im hessischen Landtag hervor.

Der Anstieg der nicht erstatteten Mietkosten habe im Vergleich zum Jahr 2017 (1,8 Mio. Euro) etwa 50 Prozent betragen. Bei knapp 1600 betroffenen Haushalten habe jeder von ihnen bereits 2017 durchschnittlich 96 Euro im Monat aus der eigenen Tasche drauflegen müssen, um die Miete zu bestreiten. Ein Jahr später seien es dann bereits 140 Euro monatlich gewesen, rechnen die Linken vor.

"Wir sehen eine existenzielle Gefährdung von 1500 bis 2000 Haushalten, die im Landkreis nicht die tatsächlichen Kosten der Unterkunft vom Jobcenter erhalten", empört sich die Kreistagsfraktion der Gießener Linke und hat deshalb einen Berichtsantrag an den Kreisausschuss gestellt.

In einem Katalog von insgesamt acht Fragen will sie unter anderem Auskunft erlangen, welche Überlegungen es gibt, die inzwischen durchschnittlich 140 Euro monatlich nicht erstattete Miete je Haushalt bei diesem Personenkreis auszugleichen. "Das ist bei einem Betrag von etwa 400 Euro für die monatliche Hilfe zum Lebensunterhalt ein großer Batzen der monatlich verfügbaren Mittel, die bereits das Existenzminimum darstellen", sagt Fraktionsvorsitzender Hamel.

Diese prekäre Situation für zahlreiche Menschen sei die Folge unzureichender KdU-Sätze nach dem sogenannten "schlüssigen Konzept", das von der Hamburger Gesellschaft Analyse & Konzepte erstellt worden sei. Die Logik der Befürworter dieser Praxis gehe davon aus, dass sich jeder Betroffene auf dem Wohnungsmarkt eine preiswertere Wohnung besorgen könne.

Dies sei für 1500 bis 2000 der Haushalte, die im Landkreis Gießen betroffen sind, völlig unmöglich, sagt Fraktionsmitglied Stefan Walther. Denn wenn dem so wäre, könnte das Jobcenter oder der Landkreis ja den Betroffenen entsprechende Wohnungen anbieten oder vermitteln.

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