+

"Bauern sind verunsichert"

  • schließen

Nach einem trockenen und heißen Sommer fällt die Ernte der Bauern im Kreis sehr bescheiden aus. Doch auch Landfraß und neue Vorgaben machen ihnen zu schaffen. "Die Stimmung ist schlecht", sagt der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, Manfred Paul.

Täglich fällt derzeit der Regen auf die Äcker und Felder im Kreisgebiet. Doch es ist nur ein Tropfen auf den heißen Sommer und zu spät, um die Ernte der heimischen Landwirte zu retten. "Wenn Sie 1,50 Meter in die Erde graben, stoßen Sie auf staubtrockenen Boden", sagt Manfred Paul, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands. Aufgrund des heißen Sommers fällt der Ertrag der Landwirte sehr bescheiden aus.

Deutlich wird dies beim Einbruch der Gewinne der Bauern. Dieser ist im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent von durchschnittlich 49 000 Euro brutto auf durchschnittlich 41 000 Euro pro Familienarbeitskraft gesunken. Ziehe man dann Steuern, Sozialabgaben und Investitionen in die Zukunft ab, werde es eng für die Bauern, sagen Paul und der Generalsekretär des Landesbauernverbands, Peter Voss-Fels.

"Die Stimmung meiner Kollegen ist sehr negativ", sagt Paul. Hauptgrund dafür sei aber nicht die Ernte. Gesetzliche Bestimmungen machen den Landwirten zu schaffen. Paul kritisiert das kürzlich verabschiedete Agrarpaket der Bundesregierung, das unter anderem Einschränkungen für den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat und ein Insektenschutzprogramm vorsieht. "Wir wissen, was wir tun", sagt Paul. Dank moderner Maschinen könne man Glyphosat gezielt und äußerst sparsam anwenden. "Die Bauern sind verunsichert."

Die Politik lasse sich zunehmend von Populismus leiten, kritisiert Paul. "Heute so, morgen so. Vor allem der Nachwuchs in der Branche, die jungen Bauern zwischen 25 und 40 Jahren, wird das nicht hinnehmen." Zukunftsplanung gestalte sich immer schwieriger. "Ich muss wissen, ob ich das Risiko aufnehmen kann, einen neuen Stall zu bauen, der mitsamt Technik zwei Millionen Euro kostet."

Die Landwirte vermissen Wertschätzung, sagt Paul. "Die Gesellschaft muss lernen, dass Essen und Trinken einen großen Teil der Lebensqualität ausmacht." Doch hierzulande, bedauert er, "werden Lebensmittel verramscht." Es werde auch viel zu viel Essen weggeworfen.

Weiter wendet sich Paul gegen zunehmenden Landfraß. "Jeden Tag verschwindet Ackerfläche im Ausmaß von 70 Fußballplätzen in Deutschland." Auch im Kreisgebiet gehe wertvoller landwirtschaftlich genutzter Boden verloren wie zum Beispiel in Lich durch das geplante Logistikzentrum. "Dafür muss die Menschheit stärker sensibilisiert werden, sagte Paul. "Wo Beton ist, ist kein Leben mehr."

Das Bauen von Gewerbezentren und auch von Wohngebieten auf der grünen Wiese müsse eingedämmt werden, fordert der Vorsitzende des Kreisbauernverbands. Stattdessen müssten innerhalb der Dörfer leerstehende Häuser sowie frühere Höfe und Scheunen umgebaut werden. Auch im Denkmalschutz gelte es, Änderungen vorzunehmen. "Hier muss sich etwas tun, damit der Landverbrauch geschmälert wird."

Voss-Fels vom Landesbauernverband stimmt zu: Strukturwandel klinge positiv. "Aber es ist etwas Böses." Die Zahl der Bauernhöfe gehe jedes Jahr um drei Prozent zurück. Daran werde sich voraussichtlich nichts ändern.

Die Ernte fällt in diesem Jahr unterdessen sehr durchschnittlich aus, wie Paul erklärt. Raps sei aufgrund der Trockenheit kaum angepflanzt worden. Durch den höheren Preis beim Verkauf von Getreide habe man Verluste etwas auffangen können. Gleichzeitig haben sich dadurch aber auch beispielsweise die Futterpreise in der Viehzucht erhöht. Die Zuckerrübenernte ist momentan in vollem Gang. Die Erträge liegen nach ersten Einschätzungen der Landwirte leicht über dem schlechten Vorjahresniveau. Konkrete Zahlen legte Paul nicht vor.

Auf das Wetter und auf den trockenen Sommer schimpfte der Vorsitzende des Kreisbauernverbands allerdings nicht. "Wir leben mit der Natur", sagte er. "Kapriolen gab es auch vor 40 Jahren. Das ist kein Klimawandel." (Foto: srs)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare