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Weithin sichtbar leuchtete das Mahnfeuer beim Kinzenbacher Landwirt Ralf Mandler am Abend ins Gießener Land. Bald 200 Bürger kamen, um sich zu informieren, zu diskutieren oder sich solidarisch zu zeigen. Foto: ras

Mahnfeuer der Solidarität

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Vor wenigen Wochen haben sie grüne Kreuze an ihren Feldern aufgestellt, am gestrigen Dienstag zogen sie gen Berlin - und an vielen Orten zündeten sie am Abend Mahnfeuer an, etwa in Birklar nahe Lich und in Kinzenbach. Die deutschen Bauern sind in Sorge, wollen so auf ihre Probleme aufmerksam machen.

Es gibt permanent neue Auflagen. Die können wir unter den gegebenen Bedingungen nicht erfüllen", sagt Ralf Mandler. Er bewirtschaftet nahe Kinzenbach einen Bio-Milchviehbetrieb, ebenso wie sein Berufskollege Andreas Stroh in Wißmar. Zudem haben beide etliche Hektar Land unterm Pflug. "Uns betrifft die neue Agrarreform", sagen sie.

In der Kritik der Bauern steht die Umwelt- und Landwirtschaftspolitik der Bundesregierung - diese gefährde die Wirtschaftskraft und den sozialen Frieden im ländlichen Raum, war in Kinzenbach gestern ebenso zu vernehmen wie in Berlin.

Deshalb ist beispielsweise die Wißmarer Bäuerin Simone Stroh am gestrigen Freitag ebenfalls nach Berlin gereist. Dort demonstrierten Zehntausende Landwirte und diskutierten mit Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und der sozial-- demokratischen Umweltministerin Svenja Schulze.

Ralf Mandler hatte am gestrigen Abend zum Mahnfeuer auf seinem Hof hinterm Kinzenbacher Sportplatz eingeladen. Etliche Berufskol legen aus der Umgebung waren gekommen - und bald 200 Bürger und Kommunalpolitiker. Um sich zu informieren, zu diskutieren oder um ihre Solidarität zu bekunden.

Mit den Mahnfeuern wollen sich die heimischen Landwirte solidarisch zeigen mit den Berufskollegen, die die Reise nach Berlin auf sich genommen haben. Aus Hessen sind weit über 100 Landwirte mit ihren Traktoren in die Bundeshauptstadt gefahren. Hinzukommen viele weitere, die sich mit dem Pkw, mit der Bahn oder in Bussen auf den Weg gemacht haben, um zu demonstrieren. Doch viele sind in der Arbeit auf ihren Höfen zu stark eingebunden. Deshalb brannten am gestrigen Abend in Hessen in jedem Landkreis wenigstens ein bis zwei solcher Mahnfeuer.

Die Landwirte boten in Kinzenbach allen interessierten Bürgern den direkten, offenen Dialog mit landwirtschaftlichen Praktikern an, Mandlers gaben zudem einen Einblick in den Alltag auf einem Hof.

"Wir können gerne mehr Bienenweiden und Blühwiesen für die Insekten schaffen", sagt Ralf Mandler mit Blick auf eine verstärkte ökologische Orientierung. Aber er will es nicht für ein Trinkgeld tun oder für eine Entschädigung. "Ich bin Unternehmer. Wir können das alles machen, wenn es gewünscht ist. Aber wir Landwirte müssen das ordentlich bezahlt bekommen!" Der Kinzenbacher plädiert wie seine Berufskollegen für kostendeckende Preise. Wenn dies nicht gelinge, so befürchtet er, werden immer mehr Höfe sterben. "Der Bauerntod klopft an die Tür!" Die Mandlers betreiben den Hof in Kinzenbach seit mehreren Generationen. Doch anders als früher fehlt Ralf Mandler die Wertschätzung seines Berufsstandes. Wie formulierte es ein Landwirt in Berlin: Man vermisse den Rückhalt, ein gemeinschaftliches Miteinander. Stattdessen werde man zum "Buhmann der Politik". Das gefährde die Zukunft der Betriebe und den ländlichen Raum.

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