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Im Bannkreis der Silberkugeln

  • Gabriele Krämer
    vonGabriele Krämer
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Augenmaß ist das A und O: Die handliche Stahlkugel muss mit einem beherzten Wurf so nah wie möglich an das "Schweinchen", die kleine Zielkugel, gelegt werden - Boule, ein Freizeitsport aus Frankreich, erfreut sich im Gießener Land wachsender Beliebtheit. "Südländisches Flair" wird in Steinbach auch in der dunklen und kalten Jahreszeit verbreitet.

Ein "goldener Oktober" käme den Fans dieses Allwettersports zweifellos entgegen - mit den silbernen Kugeln (französisch: Boule) lässt sich’s auch noch im Herbst draußen in Gemeinschaft gut und gern die Zeit vertreiben (das Foto entstand vor zwei Wochen). In unmittelbarer Nähe der Fernwaldhalle in Steinbach können die Boule-Freunde Fernwald gleich auf zwei Plätzen ihrem Hobby frönen, dank Flutlichtanlage sogar bis in die späten Abendstunden hinein.

Taktisches Spiel für jedes Alter geeignet

In Zeiten von Corona wissen die Boule-Freunde die ihnen zur Verfügung stehende Infrastruktur besonders zu schätzen: Die öffentliche Anlage in Steinbach kann von jedermann genutzt werden. Sie bietet reichlich Platz, damit sich auch mehrere gleichzeitig antretende Teams aus dem Weg gehen bzw. die vorgeschriebenen Abstände problemlos einhalten können.

Immerhin gehören derzeit acht Damen und 20 Herren zu den Boule-Freunden Fernwald, die sich im Januar 2010 als Interessengemeinschaft in der damaligen "Ratsschänke" formierten. Heute haben acht Aktive die Siebzig bereits überschritten, mit 86 Jahren ist Dieter Schibblock der älteste Spieler. Auch als Leiter der örtlichen Herzsportgruppe hat er für das Boulespiel in der Vergangenheit wiederholt kräftig die Werbetrommel gerührt. Der Senior wird aber nicht müde zu sagen: "Boule ist kein Sport ›nur‹ für Ältere. Wir wollen diesen Freizeitsport gern für die breite Masse anbieten."

Das unterstreicht auch Horst Balser. Er kümmert sich um die organisatorischen Details und ist gemeinsam mit Ehefrau Silke regelmäßig bei den Trainingseinheiten auf dem Bouleplatz im Grünen, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Neubaugebiet "Steinbacher Gärten", anzutreffen. "Boule ist ein taktisches Spiel; man muss sich jeden Wurf gut überlegen", sagt der Albacher. Sein Tipp für Unentschlossene: "Einfach zu unseren Trainingsstunden kommen und sich selbst ein Bild machen."

Die herausragende Veranstaltung im Terminplan der Boule-Freunde Fernwald ist normalerweise das Turnier für Vereins-, Firmen- und Straßenmannschaften am zweiten Sonntag im September. Corona machte allerdings die Pläne für das Jubiläumsturnier zunichte; die Veranstaltung zum Zehnjährigen wird am 12. September 2021 nachgeholt.

Mit ihrem Wunsch nach einem geeigneten Gelände waren die Boule-Freunde bei der Gemeindeverwaltung Fernwald im Frühjahr 2010 auf offene Ohren gestoßen. Die Bereitstellung der Fläche an der Oppenröder Straße sei "postwendend und unbürokratisch" erfolgt, erinnert sich Balser. Dank Unterstützung durch den Bauhof konnte der Platz bereits im Juli 2010 eingeweiht werden. Die Nachfrage gab den Freizeitsportlern recht. Im Frühjahr/Sommer 2012 entstand ein weiterer Platz, der bei Bedarf in zwei Plätze unterteilt werden kann. Noch im gleichen Jahr kam eine Beleuchtungsanlage hinzu, die drei Jahre später runderneuert und seit März 2017 dank gemeindlicher Unterstützung an das Funktionsgebäude des benachbarten Tennisplatzes angeschlossen ist. Seitdem können die silbernen Kugeln bis weit nach Einbruch der Dämmerung fliegen.

Die Interessengemeinschaft ist stolz auf das Erreichte, kommt sie doch ohne Vorstand und "Offizielle" aus. Balser: "Eigentlich gibt es uns gar nicht." Leicht untertrieben. Immerhin stellen die Boule-Freunde Fernwald "in normalen Jahren" neben dem offenen auch ein internes Turnier sowie ein Mitternachtsboulen mit dem Bouleclub Linden auf die Beine. FOTO: IK

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