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Um rund 25 Prozent ist der Autoverkauf zu Beginn des neuen Jahres eingebrochen, selbst bei Gebrauchten hält sich die Kundschaft zurück.

Banges Warten auf den Autofrühling

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Um im Bild zu bleiben: Der harte Shutdown, verhängt im Dezember, hat das neue Autojahr »abgewürgt«. Angesichts deutlicher Rückgänge bei den Verkaufszahlen stehe der Automobilhandel mit dem Rücken an der Wand. Sagt Jürgen Karpinski, Präsident des Kfz-Verbandes Hessen. Was sagen Vertreter der Branche im Gießener Land?

Diese Statistik trügt nicht: Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) zufolge ist der Autoverkauf in den ersten beiden Monaten dieses Jahres um gut 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Und auch die Hoffnung, die Lockerung des Shutdowns Anfang März komme zur rechten Zeit - im Frühling steigt gewöhnlich die Nachfrage -, hat sich nicht erfüllt.

Im Gegenteil: Wieder steigende Inzidenzen in einer »Dritten Welle« verstärken die ohnedies verbreitete Verunsicherung. Nicht wissend, wie sich seine wirtschaftliche Situation entwickelt, stellt Otto-Normal-Verbraucher größere Anschaffungen zurück. Was nicht nur für Neuwagen gilt. Selbst die preisgünstigeren Gebrauchten erweisen sich zunehmend als Ladenhüter: Allein für den Februar weist das KBA deutschlandweit ein Minus von 19 Prozent aus - ein nur marginaler Anstieg im Vergleich zum Vormonat.

David Hauf, Mitarbeiter des Autohauses Haupt in Grünberg, muss diese unguten Trend bestätigen. Mit 60 bis 80 Wagen - meist Opel, aber auch BMW - zählen die Grünberger zu den größeren Anbietern im Gießener Land. »Der Verkauf ist rückläufig, und zwar durch die Bank«, stellt Hauf eingangs klar. Und weist mithin laienhafte Vermutungen zurück, die Nachfrage hätte sich auf nicht ganz so teure Pkw aus zweiter Hand verlagert.

Und wenn sich ein Kunde doch zum Kauf entscheide, so spare er bei der Ausstattung, merkt Hauf noch an. Auch ihm bleibt da nur die Hoffnung auf den »Neuanfang nach der Krise«.

Das bange Warten auf den Autofrühling prägt auch die Gemütslage des Renault-Händlers Sebastian Reuter. Dank der jüngsten Lockerung, als auch die Autohäuser nach Anmeldung wieder Kunden empfangen durften, hatte der Busecker eine gewisse Belebung verspürt. »Ein Foto im Internet reicht nun mal nicht, die Leute wollen das Auto sehen und anfassen.«« Das ungebrochene Interesse der Kundschaft habe sich in den letzten Wochen bemerkbar gemacht, der Geschäftsverkehr zugenommen. Um mit der »Ditten Welle« und neuen Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung doch gleich wieder abzuebben.

Nachdem die Ausnahmesituation im März/April 2020 mit dem ersten harten Shutdown vorüber gewesen, sei man recht gut übers »Restjahr« gekommen, blickt er zurück. »Hoffentlich werden wir »jetzt nicht wieder zurückgeworfen.« Reuter profitiert davon, dass Renault beim Elektroantrieb früher als viele Konkurrenten am Start war.

Vom Verkaufsschlager »Zoe« ist bereits die zweite Generation auf der Straße. Das Angebot an Gebrauchten mit Batterieantrieb ist daher vergleichsweise groß. Allerdings: »Wegen der viel höheren Staatshilfen kaufen die Leute lieber gleich einen Neuen.«

Allein vom Gebrauchtwagenverkauf lebt Selin Özder. Von der Erholung im Frühjahr, auf die sich die Autobranche in Vor-Corona-Zeiten stets verlassen konnte, auch bei ihm keine Spur. Noch komme er gerade so über die Runden, sagt der Lollarer. Doch nicht mehr lange: »Wir gehen kaputt.«

Den Abwärtstrend bestätigt auch Dominik Trupp, Gesamtverkaufsleiter des Autohauses Häuser in Pohlheim: Ursache des Übels ist für ihn weniger die gesamtwirtschaftliche Lage, viel mehr Corona, das heißt daraus erwachsende Auflagen wie das Dichtmachen der Showrooms. Vor dem Kauf wolle der Kunde nun mal sein neues Auto buchstäblich »erfahren«.

Die Pohlheimer - Vertragshändler von VW, Seat, Alfa und Jeep - bilanzieren für Januar/Februar ein Minus von knapp unter 20 Prozent beim Gebrauchtwagenverkauf. Bei den Neuwagen seien es sogar 20 bis 25 Prozent. Allerdings: »Im Januar und Februar 2020 hatten wir noch keine Ahnung von der Krise.« Der Vergleich hinkt also ein wenig, die März-Zahlen dürften mehr aussagen. Was »Auto Häuser« von »Renault Reuter« unterscheidet: E-Autos spielen hier keine große Rolle. Bei »seinen« Herstellern brauche es noch Zeit, bis das Angebot nach oben geht, erklärt Trupp.

Seat etwa habe im Vorjahr nur ein E-Modell produziert. Und: Verkaufsprospekte seien das eine, die Verfügbarkeit das andere. So habe VW 2020 so gut wie nichts geliefert, Fiat und Jeep erst gar nichts im Portfolio gehabt. »Erst in zwei Jahren wird sich das durchschlagen«, schätzt Trupp. Dies auch, weil die Laufzeiten der Leasing- und Finanzierungsverträge bei rein Elektrischen und Hybriden mit 24 bis 26 Monaten viel kürzer seien.

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