"Ballet Revolución" heizt in der Alten Oper ein

"Ballet Revolución" als Vulkanausbruch: Kubas aufregendster Export seit den Männern von Buena Vista gastiert in der Alten Oper Frankfurt.

Kaum ist der letzte Takt von "Purple rain" verklungen, reißt es die Zuschauer vor Begeisterung von den Sitzen. Wildes Klatschen, lautes Mitsingen und jede Menge hysterische Bravorufe zeigen die Alte Oper in Frankfurt im Ausnahmezustand. Gut zwei Stunden lang haben 18 kubanische Balletttänzer Tanzakrobatik der Extraklasse geboten, mit der Ästhetik ihrer muskelgestählten Körper verführt und dabei den Fans die Gewissheit verschafft, dass kein Menschenblut, sondern eruptive Lava in ihren Adern fließt. Anders lassen sich ihre explosiven Sprünge, kraftvollen Pirouetten und die animalische Geschmeidigkeit dieser Tänzer nicht erklären.

Zu den ausufernden Gitarrenriffs des Klassikers von Prince hatten sie zum Schluss eine Bündelung aller Tanzstile dargeboten: Von klassischer Spitzentechnik über Street Dance, von traditionellen Hebefiguren bis hin zu afrokubanischer Folklore. In der fantastischen Lässigkeit beim Mixen von scheinbar Unvereinbarem liegt die ästhetische Revolution dieser Revue. Ein politisches Loblied auf die Castro-Brüder ist mit dem "Ballet Revolución" jedenfalls nicht gemeint.

Der Abend im Großen Saal beginnt klassisch. Zur Musik von Léon Minkus "Don Quixote" wird eine grazile Spitzentänzerin nach beeindruckenden Arabesken von vier Partnern ins Bühnenlicht gehoben. Dann fährt der zarte Schleiervorhang hoch, 13 wilde Gestalten, teils mit langen Rastalocken, fegen zu Rafael Hernandez’ "Cumbanchero"-Klängen herein und geben richtig Zunder. Aber selbst bei wildesten Wirbelsprüngen und atemberaubend choreografierten Gruppentänzen fallen immer wieder klassische Tanzelemente ins Auge.

Ebenso unbekümmert ist die Musikauswahl. Sie tanzen zu Latino Urbano wie Shakiras "Hips don’t lie", Beyoncés "Single ladies" oder zu Latin-Disco-Hits von Enrique Iglesias. Chart-Klassiker von Bob Marley, Sting und Usher werden in den musikalischen Mojito ebenso eingerührt wie kubanische Mambos und Tangos. Heraus kommt Genuss pur zwischen Tradition, Kunst und Kommerz.

Eine in allen Musikrichtungen bestens disponierte Live-Band um den Bassisten Osmar Salazer Hernandez und die mal kunstvoll zerschlissenen, mal aufwendig glitzernden Kostüme von Catwalk-Spezialist Jorge Gonzalez runden den potenten Gesamteindruck ab.

Geld und Marketing für die Show stammt aus Australien, die Choreografie vom Kubaner Roclan Chavez. Das Ensemble ist noch bis morgen in der Alten Oper zu Gast. Bettina Boyens

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