Bäume fallen für Kita-Neubau

  • vonStefan Schaal
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Eine Baugenehmigung für die größte Kita des Kreisgebiets in Pohlheim gibt es noch nicht. Dennoch haben diese Woche erste Arbeiten für den sieben Millionen Euro teuren Neubau begonnen. Gegen die Fällung von 25 Eichen protestierten mehrere Anwohner - und schalteten die Untere Naturschutzbehörde ein.

Plötzlich unterbrachen die Arbeiter für einen Moment die Baumfällungen. Die Untere Naturschutzbehörde war vor Ort. Alarmiert von Anwohnern nahe der Volkshalle in Watzenborn-Steinberg verschafften sich Mitarbeiter der Behörde ein Bild der Rodung von 25 Eichen und baten um ein Gespräch mit dem Leiter des Pohlheimer Bauamts, Daniel Schepp. Kurz darauf aber setzte das helle Brummen der Motorsägen wieder ein.

Am Montag und am Dienstag haben in Watzenborn-Steinberg die ersten Arbeiten für den Neubau der größten Kita des Kreisgebiets begonnen. Für rund sieben Millionen Euro soll dort in den kommenden zwei Jahren eine Einrichtung mit 150 Kindern in acht Gruppen entstehen.

Die protestierenden Anwohner monieren, dass für das Großprojekt noch keine Baugenehmigung vorliegt und die Arbeiten nun wenige Tage vor Ende der Amtszeit des Bürgermeisters Udo Schöffmann (CDU) dennoch bereits beginnen.

Schöffmann indes verteidigte den Zeitpunkt der Fällungen. Bäume dürfen außerhalb von Waldgebieten aus Gründen des Artenschutzes nur bis 28. Februar gerodet werden, betont der Bürgermeister. Warte man auf die Baugenehmigung bis zum Frühjahr oder Sommer, wären die Baumfällungen erst wieder im Oktober möglich gewesen. Die Bauarbeiten für die Kita sollen allerdings Mitte dieses Jahres gleich nach Eintreffen der Baugenehmigung einsetzen. »Würden wir warten, dann würde man uns vorwerfen, dass wir Zeit vergeudet hätten«, sagt Schöffmann. »Dann würde es wieder heißen: typisch Stadt.« Die Rodung sei schlicht notwendig, fügt der Bürgermeister hinzu. »Wir können die Kita ja nicht auf einem Baumhaus bauen.«

Tatsächlich ist die Fällung der Bäume im Vorfeld der Bauarbeiten und noch vor Erteilung der Baugenehmigung kein ungewöhnlicher Schritt und legitim. Allerdings ist das Großprojekt der Kindertagesstätte in Pohlheim weiterhin umstritten. Im Bürgermeisterwahlkampf im vergangenen Herbst hatte der Herausforderer Schöffmanns und ab 1. Februar amtierende Bürgermeister Andreas Ruck angekündigt, er werde sich für einen Stopp des Projekts einsetzen. »Wir sollten das Vorhaben zurückfahren«, fordert Horst Biadala von der SPD-Fraktion. Sollte sich nach der Kommunalwahl am 14. März eine neue Mehrheit ergeben, »würden wir uns für eine Kita mit nur vier Gruppen einsetzen.«

Schöffmann betont unterdessen, das Stadtparlament habe den Auftrag für die Kita bereits erteilt. Im Juni 2019 hatten die Stadtverordneten einstimmig den Bau des Kindergartens beschlossen. Die SPD hatte sich bei der Abstimmung enthalten.

Ein Stopp des Großprojekts ist eher unwahrscheinlich - und wäre zudem kostspielig. Die Planungen sind bereits in vollem Gange, das Hamburger Architekturbüro »Schaltraum« ist beauftragt. Als »eine planerische Herausforderung«, bezeichnete Architekt Timo Heise das Vorhaben in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Die Herausforderung wolle man organisatorisch mit zwei Geschossen lösen, auf denen jeweils 80 Kinder in vier Gruppen untergebracht seien. »Und es wird keine Flur-Kita«, betont Heise. »Es wird eine Hallen-Kita.« Die Kinder und ihre Eltern würden morgens nicht durch enge Gänge zur Garderobe und den Räumen gehen. Stattdessen ist auf beiden Stockwerken ein jeweils 350 Quadratmeter großes lichtdurchflutetes Foyer geplant, die Eingänge zu den Gruppenräumen sollen daran angrenzen.

Schöffmann betont: Die neue Kita solle mindestens für die kommenden 50 Jahre bestehen.

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