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AWO erweitert Kapazitäten

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Von: Jonas Wissner

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Die Wohnungen im AWO-Erweiterungsbau in Lollar sollen ab Mai bezugsfertig sein. © Volker Heller

In Lollar bietet die AWO nun in einem Neubau 23 barrierefreie Wohnungen und 17 Tagespflegeplätze an. Der Kreisverbandsvorsitzende Norman Speier sieht darin eine wichtige Entlastung pflegender Angehöriger, aber auch einen indirekten Beitrag, um jungen Familien zu Wohnungen zu verhelfen.

Wenn der Alltag in den eigenen vier Wänden beschwerlich wird - etwa, weil Wohnungen nicht barrierefrei sind - braucht es Alternativen. Auch in Lollar ist der Bedarf an barrierearmen und seniorengerechten Wohnungen in bezahlbarem Rahmen hoch, wie Norman Speier, seit Januar Vorsitzender des AWO-Kreisverbands, erläutert.

Häufig leben ältere Menschen allein oder zu zweit. »Sie sind mit der Unterhaltung und Bewirtschaftung der eigenen Wohnung oder des Eigenheims teilweise überfordert«, so Speier, der im Lollarer Stadtparlament die SPD-Fraktion führt. Manche Senioren seien lange in Mietwohnungen zu Hause. Diese seien oft schon angemietet worden, als noch Kinder im Haus waren und würden im Alter dann zu groß. »Auch hier werden die Wohnungen häufig eher zur Belastung.«

In Lollar will die AWO nun in einem Neubau gestiegenen Bedarf teils abdecken: Am Samstag werden eine neue Wohnanlage sowie eine Seniorentagespflege eingeweiht, das Gebäude befindet sich in der Nähe des schon bestehenden AWO-Pflegeheims.

Insgesamt werden laut Speier nun 23 neue Wohnungen angeboten, davon 21 für Einzelpersonen (je circa 45 Quadratmeter Wohnfläche) und zwei für Ehepaare (etwa 60 Quadratmeter). Alle Wohnungen bestehen aus einem Wohnraum mit Küchenzeile, Schlafzimmer, Badezimmer, Abstellraum, Flur und Balkon oder Terrasse. Derzeit seien neun Wohnungen fest vergeben, es gebe aber weitere Interessenten, mit denen nun Gespräche geführt würden. Die Wohnungen sind laut Speier ab Mai bezugsfertig.

Mit den Wohneinheiten könne man »Senioren im Vergleich kostengünstigen und bedarfsgerechten Wohnraum bieten«. Aus Sicht der AWO sei es »für die Interessenten sehr wichtig, möglichst im gewohnten Umfeld zu bleiben«. Damit werde, so der AWO-Kreisvorsitzende weiter, die lokale Infrastruktur für Lollar und die umliegenden Gemeinden gestärkt. Nicht zuletzt könnten die neuen Kapazitäten auch einen Beitrag gegen Wohnraumknappheit leisten: »Indirekt werden so Wohnungen für junge Familien auf dem lokalen Wohnungsmarkt frei.«

Die bisherigen Mieter und Interessenten für die Wohnanlage seien fast alle aus Lollar, wollten auch weiter hier leben. Mit dem Angebot des seniorengerechten Wohnens leiste man »einen wichtigen Beitrag zur Daseinsvorsorge«. Wie Speier erläutert, können auf Wunsch zusätzliche Leistungen in Anspruch genommen werden, etwa Essens- und Wäscheservice sowie ambulante Pflege. Bei Bedarf werde man dies weiter ausbauen.

»Nach unserer Einschätzung ist Tagespflege das am meisten unterschätzte Angebot innerhalb des Pflegeversicherungsgesetzes«, so Speier zum zweiten Bestandteil der Erweiterung. In der Tagespflege könnten pflegerische Leistungen erbracht werden, im Vordergrund stünden jedoch die Betreuung und die sozialen Kontakte. »Wir sehen bei vielen Tagesgästen eine Stabilisierung der Ressourcen und Förderung der Aktivitäten.«

Der Besuch der Tagespflege sei mittlerweile neben der ambulanten Versorgung eine eigene Leistung nach dem Pflegeversicherungsgesetz, informiert Speier. Je nach Fallkonstellation sei der Eigenanteil »sehr gering«. Das Angebot könne zudem zwischen einem und maximal fünf Besuchstagen pro Woche gestaltet werden. »Daraus ergeben sich individuell Möglichkeiten der Entlastung in den Familien und insbesondere für die pflegenden Angehörigen.«

Für den Tagespflege-Bereich erwartet die AWO eine steigende Nachfrage, man sehe aber »noch sehr viel Informations- und Beratungsbedarf«. In Summe umfasse die Tagespflege 17 Plätze, davon seien bisher sechs Plätze vergeben. Dieser Bereich wird am 2. Mai eröffnet.

Begonnen worden war mit dem Bau im September 2020, wie Speier mitteilt. Die Kosten beziffert der AWO-Kreisvorsitzende mit rund 3,81 Millionen Euro, davon seien knapp 2,84 Millionen Euro in die Seniorenwohnungen investiert worden, der restliche Anteil in die Tagespflege. Die Wohnanlage wurde laut Speier mit 505 000 Euro von der SWS (Sozialer Wohnungsbau und Strukturförderung im Landkreis Gießen GmbH) bezuschusst. Der SWS gehören mittlerweile bis auf Gießen alle Kreiskommunen an, zuletzt sind kürzlich die Städte Pohlheim und Allendorf (Lumda) beigetreten.

Flächenerwerb war für die AWO in diesem Fall nicht nötig: Laut Speier war das Grundstück bereits im Eigentum des Kreisverbands, dort habe sich zuvor das ehemalige Schwesternwohnheim der AWO befunden. »Die Bausubstanz war nicht erhaltenswert«, daher sei der Vorgängerbau abgerissen worden.

Im Zuge der AWO-Erweiterung entstehen auch neue Arbeitsplätze, wenn auch in nicht allzu großem Umfang: »Mit den Pflegekassen und dem Landkreis Gießen werden zur Erfüllung der Sicherstellung der tagespflegerischen Betreuung rund 6,0 Vollzeitäquivalente vereinbart«, so Speier. Dies folge den Regelungen des Rahmenvertrages für die teilstationäre Pflege in Hessen. Im Ergebnis könnten in der neuen Einrichtung dann zehn bis zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt werden.

Die bisherige AWO-Tagespflege in Wißmar mit nur sechs Plätzen werde zum Zeitpunkt der Neueröffnung in Lollar geschlossen. Von dort werden, so der Kreisvorsitzende weiter, Beschäftigte wie auch Tagesgäste nach Lollar wechseln. »Nach aktuellem Stand werden somit wahrscheinlich vier bis fünf zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.«

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