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Ab geht die Party! Die Nationalspieler (v. l.) Kai Häfner, Johannes Sellin, Erik Schmidt, Julius Kühn, Simon Ernst, Finn Lemke (verdeckt) und Steffen Fäth stürmen ins Halbfinale. (imago)

Automatisch mitreißend

Nach dem Sensations-Sieg gegen Dänemark brandete nicht nur in der Sporthalle Dutenhofen beim Public Viewing Riesenjubel auf. Von Niedergirmes bis Gießen, von Pohlheim bis Bad Nauheim wurde das Halbfinale gefeiert. Wir haben uns umgehört.

Ralf Neumann (Co-Trainer RSV Lahn-Dill): "Ich habe mir die Spiele gegen Schweden, Ungarn und Russland im Fernsehen angeschaut – aber im Kreis der Familie. Mit dem RSV leider noch nicht. Aber ich weiß, dass fast alle von uns gucken. Am Mittwoch rief ›Nic" (Headcoach Nicolai Zeltinger) im Training, wehe es sagt mir einer das Ergebnis, ich habe das Spiel aufgezeichnet. Begeistert hat mich, dass die jungen Spieler individuell gut geschult sind. Sie spielen im Angriff ein schönes Ein-gegen-Eins und verteidigen auch gut im Eins-gegen-Eins. Zudem gefallen mir die Auszeiten von Dagur Sigurdsson: Er stellt die Jungs top ein. Da hat sich im Vergleich zu Heiner-Brand-Zeiten schon einiges getan, wo meist nur zu hören war, jetzt spielen wir Pommes. Und unsere Jungs von der HSG machen ebenfalls einen tollen Job. Torwart Andreas Wolff sehe ich ja immer in Krofdorf, wenn er seine Brötchen beim Seidel holt. Und der Jannik Kohlbacher sieht aus, wie der Prinz von de Beukelaer. Ich hoffe, dass sie es packen und bei den jungen Spielern nicht die Spannung abfällt.

Maximilian Holst (Spieler HSG Wetzlar): "Sagenhaft! Ich weiß, was es bedeutet, mannschaftlich auf diesen Level zu kommen. Meine Freude ist umso größer, weil drei meiner Wetzlarer Teamkameraden maßgeblichen Anteil an diesem Erfolg haben. Dass wir all diese schwerwiegenden Ausfälle verkraftet haben, zeigt, wie gut der deutsche Handball durch die Bundesliga in der Breite mittlerweile wieder aufgestellt ist. Dazu kommt, dass selbst die jungen Kräfte dort viele Einsatzzeiten in ihren Klubs haben und es somit auch schon gewohnt sind, Verantwortung zu übernehmen. Gegen Norwegen habe ich ein gutes Gefühl, denn mit skandinavischen Teams kommen wir traditionell gut zurecht. Ich denke, es wird darauf ankommen, wer noch über die meisten Körner verfügt."

Benjamin Lischka (Spieler Gießen 46ers): "Ich habe alle Spiele gesehen, soweit das Training es zuließ. Ich hatte keine großen Erwartungen, da bin ich ganz ehrlich. Als ich gehört habe, dass Gensheimer nicht dabei ist, da war es schon ein bisschen komisch. Er ist schließlich der Kapitän und der vielleicht beste Linksaußen der Welt.

Man wusste ja nicht, wie die jungen Wilden das jetzt so machen werden. Besonders schön ist es, zu sehen, dass die drei Jungs von der HSG Wetzlar so gut spielen. Wolff ist ein richtiger Hexer hinten im Tor, und wenn Fäth und Kohlbacher zusammen auf dem Feld stehen, kann man eigentlich schon damit rechnen, dass Fäth Kohlbacher am Kreis findet. Es ist schade, dass zwei von den Dreien nächste Saison nicht mehr bei Wetzlar zu sehen sind. Jetzt geht es gegen Norwegen, da ist alles möglich. Das Spiel am Freitag werde ich mir anschauen, aber wenn wir ins Finale kommen, dann wäre das am Sonntag, und dann hätte ich keine Chance, das zu sehen, weil wir am Abend in München spielen."

Daniel Hirz (Spieler HSG Pohlheim): "Mein Vater hat vor dem Spiel zu mir gesagt: ›Daniel, wenn wir mit zehn verlieren, dann ist das schon gut." Das hab ich zwar nicht gedacht, aber auch nicht, dass wir gewinnen. Auf jeden Fall hätte man reichlich Gewinn gemacht, wenn man im Wettbüro auf Deutschland gesetzt hätte (lacht).

Ich fand die Aussage vom Bundestrainer gut, dass er nach den Ausfällen von Weinhold und Dissinger gesagt hat: Es spielt kein Ersatz, sondern nur andere. Das zeigt den Zusammenhalt. Dass Häfner so gut reinkommt, ist natürlich super. Die neuen können auch ein Vorteil sein, weil die Gegner sie noch nicht so gut kennen. Überzeugt haben mich auch Rune Dahmke und Andreas Wolff. Dass Steffen Fäth in Wetzlar eine gute Runde spielt, ist ja bekannt. Aber für mich ist er vielleicht sogar die Überraschung des Turniers. Norwegen hatte ich gar nicht auf der Rechnung."

Niko Semlitsch (Mittelhessische Fußball-Legende): "Das Turnier ist so spannend, da wird man ja automatisch mitgerissen. Ich glaube, jeder wird über das deutsche Team überrascht sein. Aber sie haben sich immer weiter gesteigert, sodass sogar der haushohe Favorit Dänemark geschlagen wurde – und das verdient! Das Team macht sich selbst stark – wir sind nicht von Einzelnen abhängig. Man sieht, was eine Mannschaft ausmachen kann – von diesem Teamgeist und dem unheimlichen Willen bin ich begeistert. Ich bin zum richtigen Fan der Nationalmannschaft geworden.

Aber jetzt gegen Norwegen sind wir in einer anderen Rolle – jetzt wird man sehen, ob wir eine große Mannschaft werden. Das schaue ich mir genau an. Trotzdem glaube ich, dass wir so stark sind, dass wir auch Norwegen niederwalzen."

Patrick Strauch (Kapitän des Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim): "Der Titelgewinn 2007 im eigenen Land hatte bereits einen riesigen Hype ausgelöst und den Handballsport nach vorne gebracht. Diese Euphorie ist auch jetzt wieder spürbar. Mit dem Erfolg wächst auch die Aufmerksamkeit. Mich freut es für diese junge, erfolgshungrige Mannschaft. Sie ist nach den Ausfällen nicht auseinandergefallen, sondern zusammengerückt. Ich weiß aus eigener Erfahrung, was Teamgeist bewirken kann. Als charakterstarke Einheit kann eine Mannschaft auch gegen qualitativ stärkere Teams Erfolg haben. Ich drücke den Jungs jetzt ganz fest die Daumen, kann die Spiele aber leider nicht live verfolgen, da wir selbst mit den Roten Teufeln spielen."

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