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Die gemeinschaftliche Entspannung im Laubacher Wald hat inzwischen Anhänger aus weiten Teilen des Gießener Landes und sogar aus dem Rhein-Main-Gebiet gefunden.

Auszeit am längsten Tag

  • Gabriele Krämer
    VonGabriele Krämer
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Für eine spezielle Auszeit ist Laubach ein Vorreiter: Dort wurde im April 2019 erstmals im Gießener Land das Waldbaden angeboten - trotz pandemiebedingter Pause haben seitdem mehr als 500 Menschen die Kursangebote genutzt. Zur Sommersonnenwende am Montag, 21. Juni, ist eine Benefizaktion geplant. Profiteur: Der Wald.

Fünf bis sechs Baumsetzlinge inklusive der anschließenden Pflege sind bei einer erbetenen Spende von 25 Euro je Teilnehmer durchaus drin: Je mehr Geld beim Benefiz-Waldbaden am längsten Tag des Jahres zusammenkommt, desto besser. Rund 75 professionelle Waldbaden-Anbieter machen sich deutschlandweit zur Sommersonnenwende am Montag, 21. Juni, zugunsten der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) auf den Waldweg.

Nutznießer der Tour in Lau bach wird der SDW-Ortsverband Gießen-Freienseen sein. Von dem Betrag, der bei der Aktion dort zusammenkommt, werden Eichensetzlinge gekauft, mit denen - nach gegenwärtiger Planung - eine große Brachfläche am Landratsweg bei Laubach aufgeforstet wird. Dort standen früher Nadelgehölze.

Die Entspannungspädagogin Kornelia Stöhr, die seit April 2019 das Waldbaden in Laubach und mittlerweile auch im Markwald in Bellersheim und in Vogelsberger Wäldern als zertifizierte Kursleiterin anbietet, hat bei dieser Benefizaktion mit Jörn-Wolfgang Zöller einen ausgewiesenen Experten an ihrer Seite: Der Diplom-Förster und Vorsitzende des SDW-Ortsverbandes wird die Teilnehmer mit der Waldpädagogik vertraut machen und über das Ökosystem Wald informieren. Aspekte des klassischen Waldbadens werden dabei Stöhrs Part sein.

Teilnehmer sollten gut zu Fuß und trittsicher sein: Auf der etwa drei Kilometer langen Strecke geht es auch schon mal über Wurzelstöcke und unebenes Gelände. Ebenso wie Kornelia Stöhr möchte auch Zöller die Bevölkerung für den Schutz des Waldes und der Natur sensibilisieren. Beide sind überzeugt: »Wenn die Menschen Erholung und sogar Heilung durch den Wald erfahren, so wächst in ihnen das innere Bedürfnis, im Umkehrschluss zur Heilung des Waldes beizutragen.«

Waldbaden wird noch immer gern belächelt und ist schnell in der falschen Schublade abgelegt. »Viele denken, wir hüpfen nur barfuß durch den Wald und umarmen die Bäume«, lacht Stöhr und ergänzt: »Waldbaden ist viel mehr als nur ein Spaziergang. In einem solchen Kurs mit leichten Bewegungs- und Atemübungen geht es darum, wie man den Wald zur Entspannung und Regeneration nutzen kann«. In Japan gelte Waldbaden (»Shinrin Yoku«) als Medizin, sei fester Bestandteil der Gesundheitsvorsorge.

Der Erfolg, der sich nun auch in hiesigen Gefilden eingestellt hat, gibt der 62-Jährigen aus Gonterskirchen Recht. Inzwischen haben rund 500 Teilnehmer allein ihre Kurse besucht; bis zur pandemiebedingten Pause im Oktober 2020 war Stöhr teilweise zweimal wöchentlich mit ihren Angeboten am Start. Während die Laubacher selbst bislang eher verhalten von dem Wellness-Trend Gebrauch machen, nehmen Anfragen aus dem Landkreis Gießen und darüber hinaus zu. So reisen etwa auch gezielt Teilnehmer aus dem Rhein-Main-Gebiet an. »Das Angebot ist wieder stark gefragt«, sagt Stöhr und freut sich über Anfragen, die aktuell im Laubacher Kultur- und Tourismusbüro eingehen - darunter eine Gruppe einer Frankfurter Verwaltung.

Um Gutscheine »abzuarbeiten«, die ihre Besitzer vorzugsweise als Weihnachtsgeschenke erhalten hatten, gab es vor wenigen Tagen das erste »Bad« des Jahres im Laubacher Wald. Weitere Termine folgen in Kürze und können beim Tourismusbüro angefragt werden. Stöhr arbeitet zurzeit Konzepte für neue Kurse aus, etwa »After Work«, »Beste Freundinnen« oder »Familien-Waldbaden«. »Naturverbunden bin ich schon immer«, sagt Stöhr, die ihre Aktivitäten auf weitere Wälder ausdehnen wird. So ist sie bereits am Johannisberg in Bad Nauheim und im Vogelsberg unterwegs. Inzwischen auf Altersteilzeit, ist die ehemals für einen internationalen Konzern agierende Marketing-Servicemanagerin in ihrem »neuen Leben« fest verwurzelt und geht hoch motiviert an die (Kurs-) Arbeit - nicht nur am längsten Tag.

Kornelia Stöhr

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