Illegal abgelagerten Bauschutt an der Gemarkungsgrenze zwischen Fernwald und Pohlheim hat Paul Rodriguez beim Joggen entdeckt. In Zeiten geschlossener Wertstoffhöfe häufen sich solche Vorfälle. Doch es deuten sich Lösungen an. FOTO: PM
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Illegal abgelagerten Bauschutt an der Gemarkungsgrenze zwischen Fernwald und Pohlheim hat Paul Rodriguez beim Joggen entdeckt. In Zeiten geschlossener Wertstoffhöfe häufen sich solche Vorfälle. Doch es deuten sich Lösungen an. FOTO: PM

Auswüchse beim Ausmisten

  • Armin Pfannmüller
    vonArmin Pfannmüller
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Wer dauernd zu Hause ist, räumt irgendwann auf. Und wer aufräumt, wirft Überflüssiges weg. Die Ausgangsbeschränkungen der vergangenen Wochen haben dazu geführt, dass viel ausgemistet wird. Da aber derzeit fast alle Wertstoffhöfe noch zu sind, haben einige ihren Müll am Wegesrand entsorgt.

Busecks Bürgermeister Dirk Haas erreichen in diesen Tagen viele Beschwerden. Wanderer und Spaziergänger haben in Wald und Flur immer wieder illegale Müllablagerungen entdeckt, klagt er sein Leid: "Die Mitarbeiter des Bauhofs kommen kaum hinterher, die Hinterlassenschaften ordnungsgemäß zu entsorgen."

Außer normalem Müll sei auch häufig Bauschutt dabei, sagt Haas. "Das gipfelte darin, dass an einer Stelle 850 Ytong-Steine abgeladen worden sind. Eine ganze Lkw-Ladung, die mit viel Aufwand weggeschafft werden musste. Am Wochenende habe ich selbst zwei Stellen mit Bauschutt bei Oppenrod entdeckt." Haas ärgert nicht nur die Unverfrorenheit, mit der sich manche Zeitgenossen dieser Dinge "einfach so" entledigen. "Die fachgerechte Entsorgung ist mit deutlich erhöhten Aufwendungen verbunden - zeitlich wie finanziell. Wir verzeichnen das Sechsfache des normalen Aufkommens."

Der unter Federführung der Gemeinde Reiskirchen gemeinsam betriebene Wertstoffhof ist derweil wegen der Corona-Beschränkungen noch geschlossen. Das könnte eine Erklärung für die zunehmenden Verstöße sein, aber keine Entschuldigung. Haas bittet deshalb die Bürger, sich bei Verwaltung und Landkreis über Entsorgungsmöglichkeiten zu informieren.

Mittlerweile gibt es Licht am Ende des Tunnels. Ab kommenden Montag können Privatpersonen aus dem Landkreis wieder Abfälle im Abfallwirtschaftszentrum in der Gießener Lahnstraße und der Kompostierungsanlage in Rabenau abgeben, heißt es in einer Mitteilung des Kreises. Auch das Schadstoffmobil wird ab dem 2. Mai wieder Schadstoffe entgegennehmen.

Da zum Wochenbeginn ein großer Ansturm erwartet wird, appelliert Dezernent Hans-Peter Stock an potenzielle Anlieferer: "Überlegen Sie, ob Sie direkt bei den ersten Anlieferern sein müssen. Gehen Sie es mit Ruhe an und wenn möglich, warten Sie die ersten Tage ab."

In der Lahnstraße müssen nach der Wiedereröffnung eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden. So sollten Anlieferer einen Mund-Nase-Schutz tragen. Die Einfahrt ist auf fünf Fahrzeuge beschränkt, Wartende müssen in ihren Fahrzeugen sitzen bleiben, zur Anmeldung darf nur eine Person aussteigen, Begleitpersonen bleiben bis zum Ausladen sitzen, beim Ausladen wird keine Hilfe durch Mitarbeiter angeboten und an jedem Container kann nur jeweils aus einem Fahrzeug entladen werden. Nicht vergessen sollte man einen eigenen Stift zur Unterschrift des Wiegebelegs. Ähnliche Regeln gelten für die Kompostierungsanlage in Rabenau.

In Langgöns wird der Wertstoffhof bereits am heutigen Donnerstag wieder geöffnet - anfangs sogar mit erweiterten Öffnungszeiten. Das haben Bürgermeister Marius Reusch und die Leiter der Fachbereiche dieser Tage beschlossen. "In Langgöns hat es sehr viele Anfragen gegeben, ob und wann der kommunale Wertstoffhof wieder öffnen wird", berichtet Umweltberater Uwe Müller. "Auch hier hat es in den vergangenen Wochen deutlich mehr illegale Müllablagerungen gegeben."

Müller bittet jedoch darum, dass nur Langgönser den wieder angebotenen Service nutzen. "Kommunale Müllexporte" sollen vermieden werden.

Ähnlich dürfte es sich im Osten des Landkreises verhalten. Denn auch der gemeinsame Wertstoffhof für Laubach und Grünberg wird am Samstag wieder geöffnet, der Hungener Wertstoffhof in Bellersheim am kommenden Mittwoch.

Auch nördlich von Gießen gibt es Bewegung. In Lollar wird der Wertstoffhof ebenfalls am kommenden Samstag wieder aufmachen. Wie Bürgermeister Dr. Bernd Wieczorek mitteilte, wird die Einrichtung ihre Dienste zu den gewohnten Zeiten anbieten.

Noch bedeckt halten sich Fernwald und Reiskirchen, das gemeinsam mit Buseck einen Wertstoffhof betreibt. Beide Kommunen verweisen auf ein Abstimmungsgespräch der Landkreis-Bürgermeister am heutigen Donnerstag, bei dem unter anderem auch dieses Thema geklärt werden soll.

Als einzige Kommune im Landkreis hatte die Stadt Pohlheim sich dazu entschlossen, den Wertstoffhof in Garbenteich offen zu lassen. Carsten Nowak vom Ordnungsamt ist zufrieden: "Die Entscheidung hat sich als durchaus sinnvoll erwiesen." Der Kreis habe es den Kommunen bei einer Abfrage freigestellt, ob man schließe oder nicht.

Die Bürger hätten den Service denn auch verstärkt genutzt, sagt Nowak. Es sei bisher gut gelaufen, die Abstandsregeln seien eingehalten worden. Man müsse bei der Abgabe allerdings Geduld mitbringen. "Auch in Pohlheim hat es aber verstärkt wilde Müllablagerungen gegeben", räumt Nowak ein. Aktuell war das an der Gemarkungsgrenze zu Fernwald am Ziegenberg zu beobachten. Dort habe man eine Lkw-Ladung Bauschutt entdeckt. Auch hier koste die fachgerechte Entsorgung viel Zeit und Geld.

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