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Leander, Dominic, David, Tim, Miguel und ihr Lehrer Bernhard Krenig mit dem ExoLab. Die Mini-Versuchsstation steht über eine Datenbank im Austausch mit der Internationalen Raumstation ISS. FOTO: US

Im Austausch mit der ISS

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Die ISS kreist 400 Kilometer über der Erde. Aber fünf Schülern aus Lich ist sie ganz nah. Sie sind über eine Datenbank mit der Raumstation vernetzt und experimentieren zur Schwerelosigkeit. Das Projekt "Schulen im Weltraum" macht’s möglich.

Seit 20 Jahren kreist die Internationale Raumstation ISS auf ihrer Umlaufbahn rund 400 Kilometer über der Erde. Drei Besatzungsmitglieder, die US-amerikanischen Astronauten Andrew Morgan und Jessica Meir und ihr russischer Kollege, der Kosmonat Oleg Skripotschka, tun momentan dort ihren Dienst. Sie stehen in ständigem Austausch mit Lich. Genauer gesagt mit fünf Schülern der Dietrich-Bonhoeffer-Schule. Vernetzt sind die Profis in der Raumstation und die Teilnehmer einer Nachmittags-AG über ein kleines Kästchen, das gut geschützt im Bio-Vorbereitungsraum steht, ein Miniaturlabor namens ExoLab. Es ist mit zahlreichen Sensoren und Schnittstellen ausgestattet und sendet regelmäßig Daten und Bilder an eine Datenbank, über die die ISS mit Schulen in aller Welt im Austausch steht. Der Clou: Im ExoLab vollziehen Schüler genau jene Experimente, die auch die Besatzung der ISS macht oder bereits gemacht hat. Im Kern geht es darum herauszufinden, wie Pflanzen oder Materialien reagieren, wenn die Schwerkraft fehlt.

Wenn Tim, Miguel, Leander, Dominic und David von ihrer ExoLab-AG sprechen, fällt ein Wort immer wieder: cool. Die fünf Jungs und ihr Lehrer Bernhard Krenig haben sich für ein biologisches Experiment entschieden. Im ExoLab sprießt auf einem Nährboden aus Agar-Agar eine Wasabi-Pflanze. Eine Pflanze aus der gleichen genetischen Familie wächst unter vergleichbaren Bedingungen auch auf der ISS. Über eine Datenbank namens magnitude.io können die Licher Schüler die Entwicklung ihrer Pflanze mit dem Wasabi in der Raumstation vergleichen.

Wie richtige Wissenschaftler

Magnitude speichert nicht nur zehn Bilder je 16 Stunden, sondern auch Informationen zu Temperatur, Luftfeuchtigkeit, CO2-Gehalt, Lichtverhältnissen und Zeit. Wie richtige Wissenschaftler haben die Schüler die Aufgabe, Veränderungen zu registrieren und sich über deren Ursachen Gedanken zu machen.

Das Ganze ist keine Spielerei. "Das ist auch nicht Science-Fiction", sagt Krenig. Der Hintergrund sei vielmehr ganz real. Organisationen wie die NASA und Unternehmen wie Space X haben die Kolonisation des Mondes und die weite Reise zum Mars fest im Visier. Gut möglich, dass die Sechst- und Neuntklässler aus der Licher AG das noch erleben werden.

Doch ehe mutige Menschen für längere Zeit in fremde Welten vordringen können, sind noch viele Fragen zu beantworten. Zum Beispiel: Wie können sie sich ernähren? Wie wachsen Pflanzen in der Schwerelosigkeit? Schneller als auf der Erde? Oder langsamer? Schmecken sie genauso? Und enthalten sie die gleichen Nährstoffe? Auch der kleine Wasabi im ExoLab in Lich hilft, solche Dinge herauszufinden.

Nicht jeder der fünf Jungs, die sich für die ExoLab-AG entschieden haben, will unbedingt Astronaut werden. Aber sie alle haben ein Faible für Naturwissenschaften und finden die Vorstellung, den direkten Vergleich zu Experimenten im Weltraum zu haben, faszinierend.

Übrigens nicht nur sie. Als "digital-genial" bezeichnet ihr Lehrer die Datenbank, über die man Informationen schnell abrufen und weiterleiten kann. Der Mittfünfziger ist noch in einer anderen Welt ohne Blockchain-Technologie groß geworden. Um möglichst schnell an wichtige Literatur für seine Diplomarbeit zu kommen, musste er noch mit dem Auto in weit entfernte Bibliotheken düsen... "Wenn ihr in meinem Alter seid, werdet ihr viel mehr wissen als ich", sagt er seinen Jungs.

Für den Versuch mit dem japanischen Meerrettich haben sich die Schüler nach Mehrheitsbeschluss entschieden. "Er sah am coolsten aus", erklärt Leander aus der G6d die Entscheidung. Mit einem Pak Choi, einem asiatischen Kohl, der im zweiten ExoLab-Behälter sprießen sollte, hatten sie weniger Glück. Er ist nicht angegangen. Im Minilabor ist also noch Platz. Demnächst will die AG ein zweites Experiment in Angriff nehmen. Tim aus der G9b, der älteste in der Gruppe und ihr Computer-Spezialist, würde gerne Stickstoffbakterien züchten. Mal schauen, ob er bei seinen vier jüngeren Mitschülern für diesen Vorschlag eine Mehrheit findet.

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