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2020 stand besonders viel Sperrmüll am Straßenrand - wie hier in Hungen. Die Abfuhrmenge stieg um 865 Tonnen im Vergleich zu 2019.

Sperrmüll

Ausmisten im Lockdown: 2020 endet mit Rekordmüllbergen

  • vonPatrick Dehnhardt
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Im Lockdown haben viele Menschen die gewonnene Freizeit genutzt, um Zuhause aufzuräumen und zu entrümpeln. Das führte 2020 zu deutlich gestiegenen Müllmengen.

Wenn 2020 die schwarzen Mülltonnen herausgestellt wurden, dann waren sie bei vielen Haushalten überquellend voll. Auch die Sperrmüllberge schienen größer zu sein und häufiger am Straßenrand aufzutauchen als noch in den Vorjahren.

Die Zahlen des Landkreis Gießen untermauern diese Beobachtung: Bereits in den ersten drei Quartalen lagen die Sperrmüllmengen deutlich über den Vergleichszeiträumen des Vorjahres. Dieser Trend setzte sich bis Dezember weiter fort. Insgesamt fielen 7238 Tonnen Sperrmüll an. Allein diese Menge würde reichen, um eine Reihe von Müllwagen zu füllen, die über vier Kilometer lang wäre - die Strecke zwischen Lich und Steinbach.

2019 wurden noch 6373 Tonnen Sperrmüll abgeholt, die Menge stieg somit um 865 Tonnen, eine Steigerung um 13,6 Prozent.

Auch mehr Hausmüll

Auch bei der Hausmüllmenge beobachtete der Landkreis Gießen einen deutlichen Anstieg, und zwar um 2404 Tonnen. Wurden 2019 noch 34 405 Tonnen Hausmüll abgeholt, waren es 2020 sieben Prozent mehr, exakt 36 809 Tonnen. Mit Tonnen ist in diesem Fall die Gewichtseinheit und nicht die Zahl der Behälter gemeint.

»Die Abfallmengen von Restabfall und Sperrmüll zusammengefasst ergeben eine Steigerung im Vergleich zu 2019 um 8 Prozent beziehungsweise 3269 Tonnen«, sagt Meike Faust, Pressesprecherin des Landkreis Gießen.

Kaum Probleme bei Leerung

Trotz der deutlich gestiegenen Müllmengen sei die Abfuhr meist planmäßig gelaufen: »Es gab bei der Leerung der Tonnen keine nennenswerten Probleme und auch keinen Ausfall«, sagt Faust. »Die Leerungen erfolgten, bis auf wenige Ausnahmen, planmäßig.«

Ob 2021 die Müllmengen so hoch bleiben werden, lässt sich noch nicht abschätzen. »Allerdings scheint es in den Haushalten, bedingt durch den Lockdown, zu größeren Aufräumaktionen zu kommen, was sich an den gestiegenen Abfallmengen zeigt«, sagt Faust. »Ob diese Aktionen weiterlaufen oder ob alles aufgeräumt und ausgeräumt ist, muss abgewartet werden.«

Gerade gegen Ende des Jahres hatten die hohen Müllmengen dazu geführt, dass beim Sperrmüll längere Wartezeiten bis zum Abholtermin einkalkuliert mussten.

»Aufgrund der hohen Anzahl von Anmeldungen kam es häufiger dazu, dass die Wartezeit nach der Anmeldung bis zur Abholung der Abfälle ungewöhnlich lang gedauert hat. Bis zu acht Wochen musste manch einer zwischen Anmeldung und Abholung warten«, sagt Faust. Die Einsammlung hätte das Abfuhrunternehmen jedoch planmäßig nach den vertraglichen Vorgaben erfüllt.

Teils Abholstau beim Sperrmüll

Zudem sei die Lage in den Kommunen unterschiedlich. Die Sperrmüllfahrzeuge werden auf Abfuhrrouten eingesetzt, bei denen sie an bestimmten Tagen festgelegte Gemeinden und Bezirke anfahren. In der Regel steuern sie alle zwei Wochen einen Ort an.

Das Müllfahrzeug hat jedoch eine begrenzte Kapazität. Liegen aus einem Gebiet wenige Anmeldungen vor, klappt die Abfuhr in der Regel schon beim nächsten Termin.Wurde jedoch schon so viel Sperrmüll angemeldet, dass die Kapazitätsgrenze des Müllwagens erreicht ist, sind nur noch Anmeldungen für den nächsten freien Abfuhrtermin möglich. Das kann dann einige Wochen dauern.

FDP will altes System zurück

Die Sperrmüllabholung mit Voranmeldung ist nicht unumstritten: Die Kreis-FDP kritisiert das System als zu bürokratisch. Die individuelle Sperrmüllanmeldung sei »deutlich teurer als die herkömmliche Abfuhr mit Sammelterminen«, erklärt Kreisvorsitzender Dennis Pucher. Das zuständige Callcenter sitze zudem nicht im Landkreis, die Gehälter blieben somit nicht vor Ort.

Vom Wechsel weg von zwei festen Abfuhrterminen pro Ort und Jahr hatte man sich erhofft, auch die Zahl der Lieferwagen zu reduzieren, die an diesen Tagen durch die Orte fuhren und nach noch Verwertbarem suchten. Doch jetzt wären diese Fahrzeuge dafür auch an den angemeldeten Tagen unterwegs.

Pucher schlägt vor, zum System mit festen Abholterminen zurückzukehren. »Das ist für den Bürger einfacher.«

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