Die Kindertagesstätte "Wiesenhaus" am Hainerweg in Wißmar. FOTO: SO
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Die Kindertagesstätte "Wiesenhaus" am Hainerweg in Wißmar. FOTO: SO

Ein ausgezeichnetes Haus

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Die Güte eines Hauses zeigt sich erst dann so recht, wenn der Bewohner oder Nutzer rundum zufrieden ist. In der Kita "Wiesenhaus" in Wißmar ist dies ganz offensichtlich der Fall.

Am Anfang stand nicht nur eine Idee, sondern derer ganz viele: Eltern, Kinder und Fachkräfte wurden vor sechs Jahren gefragt, was sie sich bei der neuen Kita am Hainerweg im Wettenberg-Dorf Wißmar wünschen. Es wurde eine lange Liste - und rückblickend sagt die Leiterin der neuen Kita "Wiesenhaus", Melanie Heitmann, zufrieden: "Alles, aber auch wirklich alles ist umgesetzt worden. Sogar die große Rutsche vom Ober- ins Erdgeschoss sowie die Dachterrasse. Alle unsere Wünsche wurden erfüllt!"

Mit ihrem 14-köpfigen Team lebt und arbeitet sie nun schon seit knapp zweieinhalb Jahren im "Wiesenhaus" und fühlt sich dort rundum wohl: "Es passt alles so, als wären wir schon immer hier gewesen. Wir können uns hier voll entfalten."

Mehr Lob kann ein Architekt oder Planer kaum bekommen. Nicht von ungefähr ist deshalb die Kita "Wiesenhaus" beim "Tag der Architektur" nominiert. Übrigens als einziges Objekt im Landkreis Gießen.

Die im Jahr 2014 vor Ort gesammelten Ideen mündeten wenig später in einen Architektenwettbewerb, den die Gemeinde Wettenberg als Bauherrin und Kita-Träger auslobte. Immerhin 19 Architekturbüros reichten ihre Vorschläge ein. Klarer Sieger wurde der Entwurf von Johannes Wettengel aus dem Kasseler Architekturbüro ANP. ANP hatte bereits für einen Kita-Neubau im nordhessischen Niestetal viel Lob einheimst. Noch heute steht das für Wißmar eingereichte Modell Modell in Heitmanns Büro.

Das "Wiesenhaus" ist der erste Kita-Neubau in der Gemeinde Wettenberg und hat die Gemeinde rund 2,8 Millionen Euro gekostet. Alle anderen Tagesstätten sind bereits in den vor 1979 selbstständigen Gemeinden entstanden und wurden immer wieder saniert respektive erweitert.

Die rund 5000 Quadratmeter große grüne Wiese am Ortsrand am Hainerweg, auf der das Wiesenhaus entstand, war ein Glücksfall für Architekten und Planer angesichts der Grundstücksgröße. Aber: Einzubeziehen war unbedingt die Topografie. Das Gelände fällt nach Süden hin ab. "Das hat zum Gelingen beigetragen, dass man das Gelände mitbedacht hat", sagt Heitmann, seit vielen Jahren Kita-Leiterin in Wißmar; zuerst am Weinberg und sodann in dem im Januar 2018 bezogenen "Wiesenhaus", das die Kita Am Weinberg ersetzt. "Das Haus fügt sich wie selbstverständlich in das Hanggrundstück ein", erkennen auch die Architektenkollegen an.

Heitmann spricht von "äußerer und innerer Harmonie", die das Gebäude mit 850 Quadratmetern Nutzfläche auszeichnet. Es soll und darf die Kleinsten in der Gesellschaft beschützen und ihnen ein Gefühl von Geborgenheit vermitteln - wie ein großes Nest, in dem sich die Kleinen behütet fühlen.

Im Inneren ist die Kita eher reizarm gestaltet, um die Kreativität der Kinder anzuregen. Sie sind dadurch eher motiviert, miteinander zu sein und Freunde zu finden.

Jede der vier Gruppen einschließlich Krabbelgruppe ab zehn Monaten verfügt über einen freien Zugang in den Außenbereich. Der Garten ist im Übrigen von außen nicht einsehbar. U3- und Ü3-Bereiche sind konzeptionell voneinander getrennt im Ost- und im Westflügel untergebracht.

Was Heitmann zudem immer wieder lobt, ist die tolle Akustik und die gelungene Geräuschdämmung. Das Gebäude sei eines der leisesten überhaupt. Man denkt nicht, dass dort jeden Tag zwischen 7 bis 17 Uhr bis zu 85 Kinder leben und spielen. Dass die Kita barrierefrei ist, ist eine Selbstverständlichkeit. Und kommt der weiteren Nutzung über den reinen Kita-Betrieb hinaus zugute: Denn in den vergangenen zweieinhalb Jahren ist dort ein Familienzentrum mit Elterncafé gewachsen; hinzukommen immer wieder Veranstaltungen auch mit Senioren. Heitmann: "Die Idee des Familienzentrums hat uns von Anfang an begleitet." Das Gebäude ist konzeptionell auf Familiennähe ausgelegt. Das Familienzentrum ist mit der Kita sehr eng verwoben.

Das umgesetzte Raumkonzept ist - bei allen eigenen Ideen von Eltern und Erzieherinnen - immer orientiert an den strengen Qualitätsstandards und Richtlinien des Kreises.

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