Ausgesprochen Henni

Hendrik "Henni" Nachtsheim über Fußball-Entzug, einen medialen SM-Club und seinen persönlichen Eintracht-Spieler der bisherigen Saison.

Hallo Herr Nachtsheim, kein Fußball auf dem Bildschirm, dafür reichlich Wintersport zu allen Tageszeiten. Wie haben sie die Zeit ohne Bundesliga überbrückt?

Henni: "Ähnlich wie wenn man Drogen oder Medikamente absetzt. Direkt nach dem letzten Saisonspiel denkst Du: ›Och, das geht schon!‹ … aber nach 30 Minuten kommen die ersten Krämpfe!"

Statt Fußball sind momentan andere denkwürdige Sendungen die Quotenrenner bei den diversen Anstalten. Könnten Sie sich vorstellen, zusammen mit Gerd Knebel als "Badesalz-Duo" ein musikalisches Ständchen vor der Jury von Deutschland sucht den Superstar vorzutragen?

Henni: "Lieber Herr Herteux, wenn Sie weiter mit mir friedlich zusammenarbeiten wollen, sollten Sie solche Horror-Szenarios vermeiden!"

Angenommen, sie würden gezwungen werden, ins Dschungelcamp einzuziehen. Wem möchten sie unter keinen Umständen dort begegnen?

Henni: "Abgesehen davon, dass es der künstlerische Tiefpunkt wäre, wenn man alleine nur gefragt wird … Daniel Hartwich! Er ist der zynische Klon aus dem RTL-Labor, und ich möchte ihn möglichst nie treffen. Weder im Camp noch auf der Straße!"

Die dritte Quoten-Sendung dieser Tage dürfte weniger für Sie infrage kommen, oder könnten Sie sich in der Rolle des Bachelors gefallen?

Henni: "Was soll das hier werden? Ein medialer SM-Club? Sie zählen ungerührt eine schlimme Sendung nach der anderen auf, das ist nicht lustig. Aber um trotzdem mit unserer geschätzten Kollegin Carolin Kebekus zu antworten: ›Diese Sendung, in der gehirnamputierte Dumm-Schnepfen darum buhlen, von einem klischeeschönen Einzeller auserwählt zu werden, machen in wenigen Minuten alles kaputt, was sich die Frauenbewegung in über 20 Jahren mühsam erarbeitet hat.‹ Wenn ich da auch nur ansatzweise mitwirken würde, wäre ich bei allen Frauen, die mir was bedeuten, unten durch. Und das zu recht!"

Und wissen Sie was? Im Februar wird dem Ganzen mit zahlreichen Faschingssendungen die Krone aufgesetzt. Haben Sie schon einmal in der Bütt gestanden?

Henni: "Was für üble Vergehen wollen Sie mir eigentlich noch unterstellen? Das hier ist eine Sportseite, können wir langsam mal zu unserem Kernthema kommen?"

Na gut – zum Fußball. Die Rückrunde startet heute mit dem Duell Wolfsburg gegen München, der Erste gastiert beim Zweiten. Und doch hat man das Gefühl, dass es sich gar nicht um ein Spitzenspiel handelt.

Henni: "Da gebe ich Ihnen recht! Aufgrund der Lage in der Liga ist eher der Zweite gegen den Dritten ein Spitzenspiel. Spiele gegen Bayern werden anders bemessen: wer weniger als vier Gegentore bekommt, fühlt sich super!"

Während die Meisterschaft entschieden scheint, steht die Frankfurter Eintracht auf Platz neun. Am Ende der oberen oder an der Spitze der unteren Tabellenhälfte?

Henni: "Rein rechnerisch eher Variante eins, denn acht Mannschaften vor einem sind weniger als neun hinter einem. Aber ich weigere mich, eine Prognose abzugeben. Die Liga ist so unberechenbar wie das Wetter. Kaum hält man grinsend den Kopf in die Sonne, trifft einen ein Hagelkorn."

Bis auf die enteilten Bayern liegt alles in der Bundesliga dicht beisammen wie selten zuvor. Woran kann das liegen?

Henni: "Ich finde nicht, dass das für die gesamte Liga gilt. Es gibt ein paar Klubs, die ihre Hausaufgaben seit Jahren nicht ganz so gut machen wie der Rest. Und die werden weiterhin Probleme haben. Und nein … die Eintracht gehört nicht dazu!"

Apropos Bayern, nicht Manuel Neuer, sondern Cristiano Ronaldo wurde zum Weltfußballer 2014 gewählt. Einverstanden mit der Wahl?

Henni: "Man hätte sich keinen abgebrochen, wenn man Neuer gewählt hätte. Aber dafür ist er Weltmeister geworden, was Ronaldo mit Sicherheit nicht vergönnt bleibt. Wie also sagt der Hesse so schön: ›Mecht net werklisch was!‹"

Wer ist ihr Eintracht-Spieler der bisherigen Saison?

Henni: "Haris Seferovic, weil er bosnisches Temperament mit schweizerischer Präzisionsarbeit kombiniert und ihn das zu einem besonderen Spieler macht!"

Wagen Sie noch einen Tipp, auf welchem Platz die Eintracht im Mai in der Abschlusstabelle einlaufen wird?

Henni: "Ich glaube, dass es Platz zehn wird. Das mag nicht sehr populär sein, aber dafür vermutlich realistisch."

Wenn wir schon in die Zukunft schauen, eine abschließende Frage, die man vor Monaten niemals zu stellen gewagt hätte: Steigt Borussia Dortmund ab?

Henni: "Es wäre rückblickend auf die letzten Jahre eine hoch ungerechte Angelegenheit, wenn das passiert. Dazu haben sie zu oft zu gut und unterhaltsam gespielt, sind überraschend Meister geworden usw. Ich fände das ehrlich bedauernswert, auch wenn ich normalerweise ein eher distanziertes Verhältnis zu den besonders Reichen der Liga habe. Aber mein Fußball-Herz sagt mir, dass das falsch wäre!"

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