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Ausgesprochen Henni 2

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Hendrik »Henni« Nachtsheim über den Saisonstart von Eintracht Frankfurt, Dankes-Bembel und Honorarfragen.

Nein, das SGE-Tagebuch ist nicht tot. Trotzdem: Es lebe »Ausgesprochen Henni«. In einer Art Frage-Antwort-Reigen beschäftigen wir uns in dieser Fußball-Saison nicht nur, aber auch mit der Bundesliga. Sachlich, konkret, mit einem Augenzwinkern. Natürlich liegt ein Schwerpunkt dabei auf der Frankfurter Eintracht, die nach vielen Jahren europäischer Abstinenz wieder im Europapokal unterwegs ist. Bundesliga, DFB-Pokal, Europa League, der Möglichkeiten gibt es viele, unseren Kolumnisten Hendrik »Henni« Nachtsheim zu treffen. In einer Art »fliegenden Interviews« wollen wir uns in den nächsten Monaten austauschen. Wir werden Henni Nachtsheim mit unseren Fragen löchern, erfreuen, vielleicht auch mal nerven, zwischen seinen Auftritten mit Badesalz, bei den Spielen in der Commerzbank-Arena, per SMS, WhatsApp oder Mail, Auge in Auge im Bistro, Café, auf der Pressetribüne oder zufällig auf der Straße ... überall, wo wir uns in echt oder virtuell treffen, rollt der Ball, den wir uns mit Henni hin- und herschießen. (htr)

Tja, Henni. Es ist nicht einfach beim Blick auf die Tabelle. Am Ende steht Eintracht Frankfurt ...

Henni: »Ja, aber das hat nichts zu sagen. Wussten Sie, dass wir Hessen früher lange ›Chatten‹ hießen und unsere Zukunftsperspektiven mehr als dürftig waren?«

Nein! Ich arbeite im Sport.

Henni: »Sehen Sie. Und heute sind wir eines der best aufgestellten Bundesländer. Hätte damals auch keiner gedacht!«

»Es war ein reguläres Tor, aber der Linienrichter war dagegen. Außerdem war es ein klarer Elfmeter, es war ein klares Foulspiel gegen Meier. Wenn du benachteiligt wirst, holst du keinen Punkt.« Sagte Trainer Armin Veh nach dem 0:1 gegen die Bayern. Wie haben Sie die beiden Situationen gesehen?

Henni: »Außer kollektiver Sehschwäche oder Bewusstseinsstörung gibt es im Nachhinein keinen ersichtlichen Grund, warum das Schiedsrichtergespann das Tor nicht anerkannt bzw. den Elfer nicht gegeben hat. Ich behaupte, wenn der Gegner Augsburg oder Braunschweig geheißen hätte, hätten sie das anders entschieden!«

Also eine Art »Bayern-Bonus« der dahintersteckt?

Henni: »Ganz genau! Im Moment sind wir auf dem besten Weg in eine Art Fußball-Monarchie! Ganz oben die bayerische Königsfamilie … dahinter das Großherzogtum Dortmund … und dann kommt der Rest. Wobei die Medien da zu großen Teilen mitspielen, was vermutlich daran liegt, dass man für kritische Fragen derzeit in München sofort in den Kerker kommt. In dem es übrigens Tag und Nacht ausschließlich lauwarme Weißwürste gibt, während dazu in Dauerschleife ›Stern des Südens‹ läuft. Den Satz von Thomas Tuchel – ›Es wird Zeit, dass wir die (Fußball) Bayern nicht mehr mögen!‹ – kann ich jedenfalls nur unterschreiben.«

Im Vergleich zu Hamburg und Schalke hat die Eintracht wenigstens überzeugt. Was sagen Sie zu den (Nicht-)Leistungen vom HSV und S04? Oder besser, welche Strafe würden Sie sich für die hoch bezahlten Spieler ausdenken?

Henni: »Warum sollte ich Spieler von Liga-Konkurrenten wegen Leistungsschwäche bestrafen? Nein, nein, ich notiere mir lieber ihre Namen, und wenn sie dank ihrer Fehler am Ende der Saison dazu beigetragen haben, dass sie hinter uns stehen, schicke ich Ihnen kleine Bembel, auf denen ›Danke lieber Freund!‹ steht.«

Was ich toll fand, waren die ehrlichen Worte von HSV-Schlussmann Rene Adler nach dem 1:5 gegen Hoffenheim: »Das tut mir leid, die Fans zahlen für so eine Scheiße auch noch Geld.«

Henni: »Stimmt, das war ziemlich gradeaus und müsste eigentlich auch andere Menschen animieren, so zu denken. Stellen Sie sich vor, ein Politiker würde sagen ›Ja, unser Schulsystem ist absoluter Schwachsinn, und dafür zahlen unsere bedauernswerten Bürger auch noch Steuern‹!«

Schule? Wissen Sie, wie Leon Andreasen von Hannover 96 das 0:3 in Mönchengladbach erklärt hat? »Wir hatten heute eine Viererkette, in der keiner ein Wort Deutsch spricht.« Wie könnte man dieses Problem lösen? Mit Schildern, die der Trainer an der Seitenlinie hochhält? Oder wie?

Henni: »Nein, das wäre zu kompliziert, da man ja jede Anweisung in mindestens vier verschiedenen Sprachen bräuchte. Ich fände es gut, wenn jeder Spieler einen kleinen Block plus Stift bei sich hätte, um so seinem Mitspieler kurz aufzumalen, was als nächstes zu tun ist. Und für die besten Zeichnungen müsste es außerdem extra Zähler geben, die man dann zu den Scorer-Punkten addiert! So haben sogar Spieler, die nie im gegnerischen Strafraum auftauchen, die Chance, am Ende der Saison in der Scorerliste aufzutauchen, weil sie besonders schön malen können. Was wiederum auch unsportliche aber kreative Kinder ermutigen könnte, ihr Glück doch im Sport zu suchen!«

Mal im Ernst. Nicht nur bei Politikern, sondern auch bei Vereinsoffiziellen habe ich manchmal das Gefühl, dass die uns für dumm verkaufen wollen. Nach der Gehaltserhöhung für Robert Lewandowski behauptet BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, es könne überhaupt keine Rede davon sein, dass sich Dortmund den Frieden mit dem wechselwilligen Polen erkauft habe. Die Betonung liegt auf »überhaupt«. Klären Sie uns mal auf.

Henni: »Ich glaube ihm! Wahrscheinlich war es so, dass er ihm einfach den Arm um die Schulter gelegt und gesagt hat: ›Mensch Lewi, alter Pole, bleib doch hier! Ist doch alles dufte! Trainer dufte, Stadion dufte, Zuschauer dufte!‹ Und als dann der Lewandowski genickt und gesagt hat, dass er sogar gerne für ein bisschen weniger Gehalt weiter kicken würde, weil er ja eh zu den besonders Privilegierten gehöre, hat der Watzke so lange auf ihn eingeredet, bis er dann doch der Gehaltserhöhung murrend und unter Protest zugestimmt hat!«

... und dann köpft der Lewandowski beim 2:1 gegen Braunschweig ins eigene Tor!!! Das ist doch Realsatire, oder ...

Henni: »Nein, das war eindeutig eine Trotzreaktion, weil er das mit dem höheren Gehalt eigentlich nicht gut findet!«

Bayern-Schlussmann Manuel Neuers Kommentar, »wir wollten hier nicht schön spielen und Fußball zelebrieren, wir wollten nur die drei Punkte«, darf man diesen Worten trauen?

Henni: »Absolut! Denn das Einzige, was am Ende in der Tabelle tatsächlich zählt, sind Punkte. Es gibt weder Abzüge für Dusel, Ungerechtigkeiten oder unverschämtes Glück, noch gibt es Bonuspunkte für spielerische Ästhetik. Von daher hat er recht.«

Vaclav Kadlec, der tschechische Stürmer, kommt jetzt doch noch zur Eintracht. Was erwarten Sie von ihm?

Henni: »Natürlich darf man einen jungen Spieler aus der Fremde nicht gleich unter Druck setzen … aber 30 Tore bei 100 Scorer-Punkten sowie am Ende Platz vier könnte ich mir schon vorstellen. Wobei es hilfreich wäre, wenn er spätestens bis Ende nächster Woche fehlerfrei Deutsch spricht!«

Zum Schluss ein Blick zurück und voraus: Eine Niederlage bei der Hertha ist zu verkraften. Gegen die Bayern normal. In Braunschweig wäre es schon bitter. Und gegen Dortmund kein Beinbruch. Und was kommt dann?

Henni: »Na, Sie sind ja lustig! Wenn wir jetzt schon alles besprechen, was in den nächsten Wochen womöglich passiert, dann können wir ja jetzt auch gleich die komplette Saison durchgehen! Kann das sein, dass Sie mein Honorar einsparen wollen?«

Eigentlich nicht. Zumal wir hier alle davon ausgehen, dass Sie das ehrenamtlich machen …

Henni: »Oh!«

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