Ausgesprochen Henni 9

Hendrik »Henni« Nachtsheim über die verflixte 86, Börsennachrichten und Weihnachtsgeschenke.

Hallo Herr Nachtsheim, wir von der Zeitung wissen doch alles. Wenigstens viel mehr als andere. Ich habe schon die Lottozahlen für Mittwochabend. Wollen wir zusammen spielen? Henni: »Wenn Sie wirklich schon jetzt Zugang dazu haben, warum nicht? Gern auch mit mehreren Scheinen…« Sie lauten 01 14, 02 18, 12 56, 22 61 und 32 68. Was fällt Ihnen dazu ein? Henni: »Ehrlich gesagt ... nix. Was wollen Sie mir denn damit sagen?« Doppelpunkt und Punkt fehlen. 0:1 in der 14. Minute, 0:2 in der 18. Minute und so weiter. Henni: »Aha. Toll!« Ach so, die Superzahl, die darf zum Jackpot nicht fehlen: 33 86. Habe ich Ihnen nun die Laune vermiest? Henni: »Ja, und es war nie einfacher. Einfach die Zahl 86 erwähnen und schon zuckt der Eintracht-Fan in mir zusammen. Letzte Woche war ich abends essen, und in einer Ecke saß an einem großen, langen Tisch eine Geburtstags-Gesellschaft. Als ich zufällig an ihnen vorbei musste, hab ich freundlich gefragt, wie alt denn das Geburtstagskind werde. ›Stolze 86!‹ hat da ein älterer Mann gerufen, worauf ich ihm wütend ›unsensibles Arschloch!‹ entgegengebrüllt habe!« Diese verflixte 86. Wollen wir das Thema wechseln und hoffen, dass es Ihnen gleich wieder besser geht. ... Hätten Sie im Sommer geglaubt, dass die Eintracht ohne Bundesliga-Heimsieg in den Dezember geht? Henni: »Nein, und selbst wenn ich es geglaubt hätte, wäre ich vorsichtshalber zu einem befreundeten Psychologen gegangen, damit er mir so eine fiese Vision wieder wegtherapiert! Es ist echt bitter, gerade auch angesichts der trotzdem hammermäßigen Atmosphäre im Stadion. Ist übrigens beeindruckend, wie Sie es schaffen, meine Stimmung per Themenwechsel aufzuhellen…« Jetzt bitte nicht böse werden, wir wollen doch auch den Erfolg. Ich hatte vor Wochen schon vorgeschlagen, die Stadionuhr zu manipulieren. Aber wie in anderen Bereichen, es will ja keiner auf mich hören. Ich befürchte, auch Sie wollen jetzt nicht mehr auf mich hören ... Henni: »Das würde ich so nicht sagen. Denn dass irgendwas passieren muss, damit dieser üble Spuk endlich mal ein Ende findet, steht ja mal fest. Deswegen hier ein neuer Vorschlag: man sollte den DFB überreden, dass wir immer in der 86. Minute irgendeine Gedenkminute einlegen. Muss ja nicht gleich für jemand Verstorbenen sein, reicht ja so was wie die Würdigung von irgendwas. Am Samstag hätte man zum Beispiel daran erinnern können, dass Udo Lindenberg auf den Tag genau vor 24 Jahren das Bundesverdienstkreuz erhalten hat. Oder dass Ferdinand der Dritte von Kastilien am 23.11.1248 die Mauren aus Sevilla verjagt hat! Das interessiert zwar in Frankfurt keine Sau … aber der Ball wäre in dieser Zeit immerhin aus dem Spiel!«{newPage} Auf jeden Fall bleibt festzuhalten, nach dem 0:2 zur Pause ist die Eintracht sensationell zurückgekommen. Ich hatte schon mit dem Schlimmsten gerechnet ... Henni: »Ja, das war ein bisschen so, wie wenn man Dir am Ende eines tollen Urlaubs am Flughafen dein Portemonnaie klaut! Im ersten Moment scheint das alles kaputt zu machen … aber ein paar Tage später schwärmst du doch eher von der guten Zeit davor. Diese Aufholjagd inklusive der drei Tore sind was Wertvolles für die Mannschaft, das müssen sich die Spieler unbedingt klarmachen!« Das nächste Heimspiel, am 7. Dezember, einen Tag nach Nikolaus, da kommen die Hoffenheimer. Da muss es doch einfach klappen mit dem ersten Heimsieg. Was könnte der Nikolaus dazu in seinem Sack ins Stadion schmuggeln? Henni: »Wie wäre es, wenn man während des Warmmachens der Spieler auf dem Videowürfel zufällig die Börsennachrichten laufen lässt … natürlich von uns manipuliert. Und über den Weg erfahren die Hoffenheimer Kicker, dass ihre einst so wertvollen SAP-Aktien, von denen jeder von ihnen natürlich große Mengen besitzt (!), heute dramatisch abgestürzt sind und nichts, aber auch gar nichts mehr wert sind. Das müsste sie doch dermaßen schocken, dass man sie danach ordentlich überrollen kann…« Falls wir uns im Stadion treffen sollten, bringe ich Ihnen einen Nikolaus mit. Aus Schokolade. Einen kleinen, in unserem Alter müssen wir auch auf die Figur achten. Bekomme ich von Ihnen auch ein Geschenk? Henni: »Natürlich. Ich bringe ihnen ein tolles Buch mit!« Oh wie schön! Wie heißt es denn? Henni: »Besser fragen!–Leitfaden für gute Interviews.« Da wir schon in Weihnachtsstimmung sind: Am 20. Dezember steigt das letzte Heimspiel gegen Augsburg. Ich glaube, die Eintracht wird ihre Anhänger mit einem schönen Geschenk pünktlich vor Heiligabend in die Winterpause schicken. Was wünschen Sie sich zu Weihnachten? Henni: »Dass Sie bis dahin das Buch gelesen haben!« ... den Nikolaus esse ich jetzt selbst auf. Und von den Nürnberger Lebkuchen bekommen Sie auch nichts ab.       (htr)

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