Augen auf beim Welpenkauf

  • VonStefan Schaal
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Der Markt für Hundewelpen boomt, auch im Kreis Gießen. Viele kriminelle Händler verdienen das große Geld. Worauf sollten Familien, die sich einen Welpen zulegen wollen, achten? Johanna Rosenberg, die in Lich Labradore züchtet, gibt Ratschläge.

Emy will spielen. Neugierig berührt sie den fremden Besucher mit ihrem Kopf, tänzelt um ihn herum, begrüßt ihn auf der Terrasse wie einen besten Freund. Wenige Minuten später liegt die schwarze Labradorhündin an diesem sonnigen Tag leise schnarchend zu den Füßen des Besuchers.

Hinter Emy erstreckt sich eine riesige Wiese, in einem Pool planscht ein Kind mit Schwimmflügeln, auch eine Wippe und ein Tunnel zum Spielen für Hunde stehen in dem Garten im Zentrum Lichs.

Hier, in diesem Paradies, züchtet Johanna Rosenberg im und am Haus ihrer Familie Labradore. In den vergangenen Monaten wurde die Idylle allerdings bisweilen erheblich gestört. »Normalerweise melden sich in einer Woche fünf Familien, die sich nach Welpen erkundigen«, erzählt die Licherin. In Zeiten der Corona-Krise waren es plötzlich 50 Anrufe pro Tag.

Die Sehnsucht nach einem Haustier ist in der Pandemie spürbar gewachsen, auch im Kreis Gießen. Viele Familien haben während des Lockdowns offenbar Ablenkung gesucht oder wollten den Kindern eine Freude machen. Die Deutschen haben sich im vergangenen Jahr eine Million Haustiere zugelegt, in jedem fünften Haushalt lebt inzwischen ein Hund. Nur: Wo kommen die Tiere alle her?

Viele kriminelle Züchter verdienen in diesen Tagen mit illegalen Geschäften und Hunden aus dem Zwinger das große Geld. »Es ist furchtbar«, sagt Rosenberg. Kunden erzählen ihr Horrorgeschichten. Eine Familie, berichtet sie, habe sich einen Welpen in Berlin geholt, nach vier Tagen musste das sterbenskranke, mit dem Parvovirus infizierte Tier eingeschläfert werden. »Die Familie hat den Züchter danach nicht mehr erreichen können. Ohne Papiere und Zubehör hatten sie 2800 Euro für den Welpen gezahlt.«

Rosenberg hört in der Licher Tierarztpraxis, in der sie auch arbeitet, ähnliche Geschichten. Eigentlich reiche ein Blick in die Ebay-Kleinanzeigen, um schnell kriminelle Züchter zu entdecken, sagt sie.

Der renommierte Hundeforscher Christoph Jung hat kürzlich im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« auf das Problem mangelhafter Überprüfungen im Handel mit Tieren aufmerksam gemacht: »Jede Salatgurke beim Discounter hat strengere Kontrollen durchlaufen als ein Welpe«, hat er erklärt. Jung hat das Konzept eines Hunde-TÜVs entwickelt: Züchter sollen sich einer Überprüfung durch unabhängige Experten, Veterinärmediziner und Verbände der Branche stellen.

»Es fehlt etwas«, stimmt Rosenberg, die Licher Labradorzüchterin und tiermedizinische Fachassistentin, zu. Neue Konzepte seien allerdings gar nicht notwendig. Als sie selbst vor sieben Jahren ihre Hundezucht angemeldet hat, habe das Veterinäramt des Landkreises gründliche Kontrollen bei ihr vorgenommen. »Die waren zu dritt hier, haben sich den Garten angeschaut, wolten ein Führungszeugnis und einen Architektenplan des Grundstücks.« Die Impfpässe der Hunde seien überprüft und die Chips ausgelesen worden. »Es gab unangemeldete Betriebskontrollen.«

Derartige Kontrollen gebe es aber nur bei den Züchtern, die sich auch anmelden. Hier liege das Problem, sagt Rosenberg. »Wer sich nicht anmeldet, wird nicht kontrolliert. Außer wenn mal ein Nachbar etwas mitbekommt.« Das Veterinäramt und auch das Finanzamt seien gefragt, kriminelle Züchter aufzuspüren. Allzu schwer sei das nicht, sagt Rosenberg. Es müssten schlicht Händler, die Welpen verkaufen, kontrolliert werden. »Welpen werden zum Teil wie Geldmaschinen ausgebeutet. Illegale Züchter verdienen durch einen Wurf von zehn Welpen auf die Schnelle rund 20 000 Euro.« Auch Tierärzte müssten kriminelle Geschäfte, die sie mitbekommen, häufiger melden.

Für Familien, die sich einen Welpen zulegen wollen, hat Rosenberg mehrere Tipps. So sollten Züchter Papiere wie die gewerbliche Anmeldung bei der Stadt, die Zuchtstättenkontrolle des Verbands und die Genehmigung des Veterinäramts vorlegen können. »Familien brauchen Geduld, Welpen sind keine Massenware«, sagt Rosenberg. »Und sie sollten sich mehrere Züchter anschauen. Wenn diese nur für das erste Gespräch gleich Geld verlangen, würde ich das schon als unseriös bezeichnen.«

Ausschlaggebend seien indes vor allem der persönliche Kontakt und Sympathie. Bevor die Rosenbergs einen Welpen an eine Familie abgeben, vergehen nach dem ersten Treffen Monate. »Ich schicke dann mal Ultraschallvideos der trächtigen Hündin.« Wenn die Welpen geboren sind, lädt sie die Familie noch mal ein, »aber auch dann gibt es noch keinen Kaufvertrag.« Erst nach weiteren Wochen »schauen wir, ob es passt«, sagt Rosenberg. »Für beide Seiten.«

Mit Emy hat Johanna Rosenberg ihre Zucht begonnen. PM/SRS

Rubriklistenbild: © Stefan Schaal

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