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Aufbruchsstimmung in der SPD

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Von: Rüdiger Soßdorf

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Felix Döring © Ruediger Sossdorf

Felix Döring ist neuer Vorsitzender der Sozialdemokraten im Kreis Gießen. Der 30 Jahre alte Bundestagsabgeordnete wurde am Samstag auf dem Parteitag des SPD-Unterbezirks zum Nachfolger von Frank-Tilo Becher gewählt. Aufbruchsstimmung - das ist das Signal, das die SPD senden will.

Wenn man den Unterbezirksparteitag der SPD in zwei Vokabeln zusammenfassen müsste, dann würden viele wohl die Worte Optimismus und Aufbruchsstimmung wählen. Beides jedenfalls wollten die Genossen am Samstag in der Gießener Kongresshalle vermitteln.

Die Kommunalwahl im März 2021 hatten sie zwar vergeigt. Aber an die Sache haben sie längst einen Haken gemacht angesichts der Wiederwahl von Anita Schneider als Landrätin im vergangenen Herbst, der Wahl von Frank-Tilo Becker zum Oberbürgermeister Gießens und der Wahl von Felix Döring zum Bundestagsabgeordneten. Der hatte nämlich - wenn auch nur hauchdünn - dem damals amtierenden Kanzleramtsminister und von vielen als Favorit gehandelten CDU-Bewerber Helge Braun das Direktmandat abgejagt.

»Wir sind zurück!«, jubelte Becher dann auch am Samstag und wies auf die nun wieder nach oben zeigende Kurve der SPD. Becher reichte zudem das Führungsamt nach nur zwei Jahren Vorsitz im Unterbezirk an Felix Döring weiter. Der 30-Jährige wurde mit eindruckvollen 98,6 Prozent der Stimmen gewählt. 70 von 71 Delegierten votierten für ihn.

»Wenn ich die Wahl habe zwischen einem Empfang im Adlon und einer Kirmes im Wahlkreis, dann bin ich im Kreis«, versprach Döring, den Schwerpunkt auf seine Arbeit vor Ort zu legen. Er wolle »keinen Tag mehr als nötig« in Berlin verbringen. »Wir sind auch nach der Wahl für Sie da«, diese Botschaft will er den Wählern vermitteln. Er möchte deshalb etwa auch seine Bollerwagen-Touren im Kreis fortsetzen, mit denen er im Wahlkampf erfolgreich war, sagte der mittlerweile in Pohlheim lebende Döring.

Auch inhaltlich hat er sich bereits positioniert. So spricht er sich für eine allgemeine Impfpflicht ab 18 Jahren aus, mahnte aber, die Debatte müsse respektvoll geführt werden. Zugleich appellierte Döring an seine Partei, sich den sogenannten Montags-Spaziergängern entgegenzustellen.

Zu Dörings Stellvertretern wurden Nina Heidt-Sommer (Gießen) Gerald Dörr (Langgöns), Melanie Haubrich (Gießen) und Annette Bergen-Krause (Allendorf/Lumda) gewählt. Landrätin Schneider stand als stellvertretende Vorsitzende nicht mehr zur Verfügung.

In den Blick haben die Genossen bereits die Landtagswahl im Herbst 2023 genommen: »Hessen hat das Zeug dazu, wieder sozialdemokratisch zu werden. Die Hessen haben es verdient«, sagte der Europa-Abgeordnete Udo Bullmann seinen Parteifreunden zu.

Becher hatte eingangs auf dem Parteitag seinen Abschied von der Führungsrolle im SPD-Unterbezirk begründet: Seine neue Rolle als Oberbürgermeister lasse es nicht klug erscheinen, zugleich die Partei zu führen. Zudem wolle er seine Kräfte auf das neue Amt bündeln. Er bilanzierte für sich »zwei intensive und gute Jahre« als Vorsitzender und nannte die Wahl Dörings einen »Generationswechsel«. Mit Döring werde die Partei »einen schwungvollen Weg« gehen, wenn dieser seine bisherige Schlagzahl nur annähernd halte. Dörings Aufgabe und die der SPD in Berlin sei es nun, »den sozialen Staat ökologisch und nachhaltig durchzubuchstabieren. Wir sind die Partei, die dies am besten kann - und müssen es so tun, dass es den Menschen dient«.

Der SPD ist Becher erst vor fünf Jahren beigetreten, hat eine steile Karriere hingelegt und vor allem mit seiner integrierenden Art gepunktet. Sein Stellvertreter Dörr bescheinigte ihm, Spuren hinterlassen und mit seiner Verbindlichkeit und Empathie die Partei geprägt und die Menschen überzeugt zu haben. Zudem habe Becher einen frischen, unverbrauchten Blick auf die SPD gehabt. Becher sieht die SPD von Corona besonders hart getroffen. Seine Partei lebe mehr als alle anderen vom direkten Kontakt mit den Bürgern, das sei ihr Markenzeichen, Politik zu gestalten. Dazu brauche es Nähe und das Gespräch. Man habe lernen müssen, dies neben den klassischen analogen zugleich in hybriden und digitalen Begegnungsformaten umzusetzen.

Wie dies fortgeschrieben und wie die SPD im Kreis Gießen zukunftsfähig aufgestellt werden soll, dass skizziert ein Positionspapier mit dem Titel »SPD Gießen 2030(+1)« (Weiterer Bericht folgt). FOTO: SO

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