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Versucht, Kindern den Spaß an der Natur nahezubringen: Biologin Sabrina Henkel.

Auf Spurensuche im Wald

  • Nastasja Akchour-Becker
    VonNastasja Akchour-Becker
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»Nur was man kennt, das ist man auch bereit zu schützen«, sagt Sabrina Henkel. »Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde und es ist wichtig, auch schon die Jüngsten für das Thema zu sensibilisieren.« Das gelingt ganz spielerisch, wie die Biologin an den Peterseen in Lich zeigt. Die Spurensuche im Wald ist eines von vielen Angeboten bei den Licher Ferienspielen.

Es ist noch früh am Morgen, und dennoch herrscht schon reges Treiben entlang des ersten Teichs. Eifrig begeben sich die jungen Forscherinnen auf die Suche. Mit Lupen erkunden sie den Waldboden, finden angenagte Blätter, Spinnennetze, Kratzspuren und angefressene Fichtenzapfen. Ihre Aufgabe ist es, nach Tierspuren zu suchen. Dann ein Schrei: »Da ist eine Höhle!«, ruft Emma. Und in der Tat, in der Wurzel eines alten Baumes scheint ein Tier sein zu Hause zu haben.

»Wer sich in der Natur aufhält, kann spannende Dinge entdecken und zu Hause tolle Geschichten davon erzählen«, weiß Sabrina Henkel. Mit ihrer Firma »Natur er-leben« bietet die Diplom-Biologin aus Wölfersheim verschiedene Erlebnisprogramme für Kinder und Erwachsene. Bei ihnen geht es darum, gemeinsam in der Gruppe mit allen Sinnen die Umwelt zu entdecken und zu erforschen. »Mit Spaß und praktischen Beispielen lernen auch heute die Kinder Lebensräume der Tiere kennen, erforschen spielerisch ökologische Aspekte und lernen nebenbei einen rücksichtsvollen Umgang mit der Natur«, erläutert Henkel.

Vermutlich könnte sich ein Dachs in der Höhle im alten Baumstamm niedergelassen haben. Aber jetzt schläft er, schließlich ist er nachtaktiv. Und Melanie Henkel nutzt die Gelegenheit, den kleinen Forscherinnen davon zu erzählen, dass es sogar vorkommen kann, dass sich Dachs, Fuchs und Kaninchen zusammen eine Behausung teilen und dafür einen sogenannten Burgfrieden schließen.

Die Biologin, die auch zahlreiche Fortbildungen zum Thema absolviert hat, unter anderem auch zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin ist und einen Jagdschein hat, hat viele Anekdoten parat. Etwa auch die, dass der Jäger den Kot des Tieres Losung nennt, dass Rehe wählerisch und richtige Feinschmecker sind. Und dann erzählt sie den Kindern, was der Jäger damit meint, wenn er sagt, dass der Dachs nagelt. Nämlich dass er beim Laufen seine langen Zehennägeln auf dem Boden abdrückt.

Die Stunden vergehen, und die Mädchen lernen noch viel mehr. Sie sollen Fußspuren den jeweiligen Tieren zuordnen und wissen am Ende etwa, dass der Dachs fünf Zehen und der Fuchs vier Zehen hat. Sie fühlen das Fell eines Dachses und erfahren, dass ein Wildschwein ein bisschen wie eine Mischung aus frischen Sägespänen und Maggi riecht.

»Ganz nebenbei werden auch Sprache gefördert und Motorik trainiert«, erzählt Henkel über das Programm. Und es gibt noch einen positiven Nebeneffekt. »Man merkt richtig, wie die Kinder nach dem Lockdown sich jetzt wieder freuen, aktiv zu sein, und wie sie gemeinsam etwas erleben wollen«, sagt Henkel. Dafür ist die Natur ideal. Doch die Stunden im Wald lohnen sich auch längerfristig, sagt Henkel und meint damit nicht nur, dass die Kinder dann sicherlich nicht mehr rücksichtslos Müll in der Natur liegen lassen. »Eltern berichten mir, dass ihre Kinder noch Jahre später davon erzählen, was sie an einer bestimmten Stelle im Wald erlebt haben.«

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