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Auf Gefahren vorbereitet

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Von: Patrick Dehnhardt

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In Krisensituationen können Kommunen einen Führungsstab einberufen. In Heuchelheim tagte dieser beispielsweise nach dem Brand der Kindertagesstätte Rappelkiste, um schnellstmöglich die Kinderbetreuung wieder zum Laufen zu bringen. ARCHIVFOTO: SRS © Red

Zivilschutz und Gefahrenabwehr waren lange Zeit Randthemen. Seit dem Ukrainekrieg rücken sie in den Fokus. Wie sich der Landkreis Gießen auf Katastrophen vorbereitet hat, war Thema einer Talkrunde in Burkhardsfelden.

Lars-Burkhard Steinz erlebte die Zeit des Kalten Kriegs als Kind: »Früher sind viermal die Woche Düsenflieger übers Dorf geflogen. Das kennt man heute nicht mehr.« Auch der Zivilschutz war etwas, was nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion als Auslaufmodell galt.

In den vergangenen Jahren hat das Thema zusammen mit dem Aspekt der Gefahrenabwehr wieder an Brisanz gewonnen. Wie der Landkreis Gießen in diesem Bereich aufgestellt ist, wurde bei einer Talkrunde im Rahmen der Versammlung des Kreisfeuerwehrverbandes in Burkhardsfelden deutlich. An dieser nahmen neben dem Heuchelheimer Bürgermeister Steinz Kreisbrandinspektor Mario Binsch und Martina Klee von der Berufsfeuerwehr Gießen teil.

Der Zivilschutz im Landkreis war zuletzt personell aufgestockt worden. Zivilschutz und Gefahrenabwehr sind an vielen Stellen verzahnt. Für die Sirene ist es beispielsweise egal, vor was sie warnt - sie muss aber erst mal vorhanden sein. Klee sagte, dass man in Gießen sowie fast allen Kreiskommunen das Sirenennetz »über die Zeit gebracht« habe, während der Bund deutschlandweit nach Ende des Kalten Kriegs Zehntausende von Anlagen abgebaut habe.

Die Sirene allein nütze aber nichts, da nicht alle die Bedeutung der Tonsignale kennen, manche sie aber auch nicht hören würden. Warnungen via App seien eine wichtige Ergänzung. Binsch merkte an, dass es schon seit langer Zeit die Idee gebe, eine SMS an alle Handys zu schicken, die in von einer Gefahrensituation betroffenen Funkzelle eingeloggt sind. Jetzt sei der Druck auf die Netzbetreiber so groß geworden, dass die Umsetzung nahe: »Wir gehen davon aus, dass noch dieses Jahr diese Möglichkeit in Hessen zur Verfügung steht.«

Eine weitere Überschneidung zwischen Zivilschutz und Gefahrenabwehr gibt es bei den Organisationsstrukturen. Um passende Hilfe einzusetzen, brauche man einen Überblick über die Lage, sagte Binsch. »Die Maßnahmen des Landkreises Gießen können nur funktionieren, wenn wir wissen, was auf der örtlichen Ebene passiert.« Dafür sei der Digitalfunk als Kommunikationsweg unerlässlich. Bei diesem gebe es aber noch Nachrüstbedarf, was sich allein daran zeige, dass 14 Kommunen in diesem Bereich Förderanträge gestellt haben.

Um die Handlungsfähigkeit der Kreisverwaltung in allen Fällen sicherzustellen, verfüge man über ein Ausweichquartier mit Notstromversorgung. Kontaktlisten mit allen wichtigen Ansprechpartnern halte man auch in Papierform bereit, falls Computer ausfallen.

Krisenstab tagte bereits mehrmals

Einer dieser Ansprechpartner auf örtlicher Ebene ist der Heuchelheimer Bürgermeister Steinz. Er berichtete, dass jede Kommune in Deutschland gesetzlich verpflichtet sei, einen Notfallplan in der Schublade zu haben, um auf eine Katastrophenlage reagieren zu können. Dazu gehöre es auch, einen Krisenstab zusammenzustellen. Steinz berichtete, dass dieser bereits vor dem Ukrainekrieg in den letzten Jahren dreimal getagt habe. Unter anderem sei er nach dem verheerenden Brand in der Kindertagesstätte Rappelkiste einberufen worden, um die Kinderbetreuung schnellstmöglich in einem Ersatzquartier anbieten zu können.

Binsch erinnerte an die Rolle der privaten Vorsorge und spielte auf eine Aussage des Satirikers Dieter Wischmeyer an, dass früher »Oma und Opa vom Eingemachten im Keller sich ein halbes Jahr selbst hätten versorgen können«. Notvorräte für einige Tage seien generell empfehlenswert, auch außerhalb von Pandemie- und Kriegszeiten. Denn ein Unwetter könne ebenso Versorgungswege unterbrechen.

Zur Nachfrage nach Bunkerplätzen für die Bevölkerung sagte er, dass es im Landkreis keine Schutzbauten für die Bevölkerung gebe. Bei einem atomaren Angriff würden diese sowieso wenig bringen, da die Vorwarnzeit zu gering sei.

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