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Das große Fachwerkhaus zwischen Rathaus und Stadtturm war einst das Wirtshaus »Schwarzer Adler«.

Auf ein Heller-Bier im »Adler«

  • vonPatrick Dehnhardt
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In Lich trinkt man gerne Bier - und dies nicht erst, seit es eine Brauerei mit dem Namen der Stadt gibt. Früher gab es zahlreiche Wirtshäuser. Eines davon ist der »Schwarze Adler«. Der Fachwerkbau steht noch heute an prominenter Stelle.

Lich ist eine Bierstadt - und dies nicht erst, seitdem vor 167 Jahren die Brauerei Ihring in den Hardtberggärten eröffnete. Zahlreiche Brauhäuser, Schnapsbrennereien und Gasthäuser existierten in den vergangenen Jahrhunderten in der Stadt. Eines von ihnen war der »Schwarze Adler« - direkt neben dem Rathaus gelegen.

Hermann Pein kennt die Geschichte des Gasthauses genau. Er bereitet derzeit eine Ausstellung zum Thema Gasthäuser in Lich für den Heimatkundlichen Arbeitskreis vor, wobei ihm in den Unterlagen auch immer wieder der »Schwarze Adler« begegnete.

Der erste Eintrag stammt aus dem Jahre 1801. Damals beantragte Philipp Reinhard Jung II. die »Wirtschaftsgerechtigkeit«. Was verbirgt sich dahinter? »Das Recht, eine Gaststätte zu eröffnen«, sagt Pein. »Es gab auch die ›Schildgerechtigkeit‹ - das Recht, ein Gasthausschild anzubringen.« Bereits vor Jahrhunderten gab es eine »Bierordnung«.

Aus den ersten Jahren des »Schwarzen Adlers« ist wenig bekannt. Er war eines von vielen Gastwirtschaften in der Stadt. Sowohl Stadt als auch Fürstenhaus profitierten von den Wirtschaften - spülten sie doch auch Steuereinnahmen in die Kassen.

Den »Adler« übernahm 1827 Konrad Heller, 1846 dann Philipp Christian Heller I., der im Nachbarhaus auch eine Bäckerei betrieb. Auf der Fläche des heutigen Fachwerkbaus standen damals noch drei Häuser - und diese auch wesentlich dichter am Rathausbrunnen. »Das war in der Oberstadt eine Straßenfront mit dem Café«, berichtet Pein. Auch der Durchgang zwischen Rathaus und Stadtturm war damals schmaler.

Am 5. Juli 1865 kam es zu einem verheerenden Brand, dem die drei Häuser zum Opfer fielen. Daraufhin ließ Heller I. ein großes Gebäude errichten, welches im Vergleich zu den alten Grundmauern deutlich zurückversetzt wurde - womit der Platz vor dem Rathaus entstand.

Heller I. gab mit dem Brand die Bäckerei auf, konzentrierte sich auf die Gaststätte. Über Jahrzehnte hinweg floss hier jedoch nicht etwa Bier aus der Brauerei Ihring, sondern aus der Brauerei Heller durch den Zapfhahn.

In Lich gab es damals noch mehrere Brauereien. Drei davon ballten sich in einer Art Gewerbegebiet in den Hardtberggärten: Die Brauerei Ihring, die Brauerei Heller und die Brauerei Jung - letztgenannte verschwand als erste.

Die Heller-Familien in Lich hielten zusammen - und so wurde im »Adler« Bier aus der Brauerei der Verwandten ausgeschenkt. Es war übrigens nicht der einzige Zweig der Familie Heller, der in Lich existierte. »Es gab die Metzger-Heller, die Bäcker-Heller, die Bauern-Heller, die Brauer-Heller...«, beginnt Pein eine lange Reihe von Zweigen der Familie aufzuzählen. 1929 endete die Geschichte der Brauerei Heller, wurde sie von Ihring Melchior übernommen.

Das Gasthaus »Schwarzer Adler« wurde zuletzt von den Schwestern Ottilie Heller und Wilhelmine Heller geführt. »Das waren resolute Frauen, die auch mal einen Mann vor die Tür gesetzt haben«, schildert Pein. Jedoch zog die Gaststätte vor allen Dingen ältere Leute an. »Die Jugend ging eher selten in die Gastwirtschaft.«

Die Stammgasthäuser der Geschäftsleute waren zudem der »Löwe« und der »Holländische Hof«. Zwar gab es im Obergeschoss des »Adlers« einen großen Saal, in dem auch manches Fest gefeiert wurde. Jedoch ist nicht bekannt, dass einer der Licher Vereine den »Adler« zur Vereinswirtschaft auserkoren hätte. So endete die Gasthaustradition schließlich während des Zweiten Weltkriegs. Später nutzten das Arbeitsamt und die AOK das Gebäude. Heute ist der Fachwerkbau ein Wohnhaus.

In Lich hatte »Gastlichkeit« über Jahrhunderte hinweg übrigens noch eine weitere Bedeutung: Wer Stadtrechte führen wollte, musste ein Stadtswirtshaus einrichten, erklärt Pein. Dabei handelte es sich vor allen Dingen um eine Herberge für mittellose Reisende. »Bis ins 19. Jahrhundert gab es die Pflichte, Fremde ohne Geld dort übernachten zu lassen.«

In Lich könnte diese Herberge in der Löwengasse neben dem Gasthaus »Zum Löwen« gelegen haben. Denn dort gab es ein grundsteuerbefreites Grundstück - damit sollte den Betreibern der Herberge entgegengekommen werden. Etwa 1625 wurde das Gebäude verkauft - und die Grundsteuerbefreiung für dieses Areal verfiel. Danach gab es weitere Stadtswirtshäuser an anderen Standorten, bis 1902 die Verpflichtung aufgehoben wurde.

Der Heimatkundliche Arbeitskreis will in seiner Jahresausstellung weitere Licher Gasthäuser vorstellen. Am 29. August um 14 Uhr soll die Premiere stattfinden - wenn die Pandemie es zulässt.

Drei Brauereien waren einst an den Hardtberggärten ansässig.

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