Auch das Handwerk spürt die Corona-Folgen

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Gießen(sel). Das heimische Handwerk bekommt die Folgen der Corona-Pandemie zu spüren, wenn auch in vielen Bereichen zeitversetzt. Das geht aus dem Bericht des Kreishandwerksmeister Kay-Achim Becker (Beuern) hervor, den der Obermeister der Bau-Innung Gießen im Rahmen der Obermeisterversammlung der Kreishandwerkerschaft Gießen erstattete.

Wegen Corona fand jene Versammlung in "abgespeckter Form" statt. Mit nur einem Vertreter pro Innung - ansonsten kommen die Obermeister, stellvertretenden Obermeister und auch die Ehrenobermeister der 21 in der Kreishandwerkerschaft zusammengeschlossenen Innungen zum "Parlament des heimischen Handwerks".

In kürzester Zeit habe "Corona" Politik und Wirtschaft überrannt und sei auch für das Handwerk zu einem belastenden Thema geworden, sagte Becker.

Nachdem die Handwerker ihre "Auftragsüberhänge" abgearbeitet hätten und somit die vergangenen drei, vier Monate der Corona-Krise überbrücken konnten, brächen die konjunkturellen Erwartungen für das laufende und wohl auch für das vierte Quartal 2020 ein "wie nie zuvor".

Zwei von drei Handwerksbetrieben erwarteten für das Sommerquartal eine verschlechterte Geschäftslage, was sich parallel auch in der Prognose der Umsatzentwicklung sowie bei den Auftragseingängen zeige.

Nahezu jeder dritte Betrieb geht sogar von einer sinkenden Beschäftigungszahl aus, was im Vorjahresvergleichszeitraum nur bei jedem 20. Handwerksbetrieb der Fall war. Das alarmierende daran ist laut Becker, dass gerade Handwerksbetriebe traditionell und aus ihrem Selbstverständnis heraus versuchen, so lange wie möglich an ihren Fachkräften festzuhalten.

Es sei zu hoffen, dass nicht zuletzt mit Hilfe staatlicher Unterstützungsmaßnahmen wie Kurzarbeitergeld und Liquiditätshilfen nur möglichst wenige Betriebe gezwungen sein werden, auf die krisenbedingten Nachfragerückgänge mit Beschäftigungsabbau zu reagieren. "Wir Handwerker sind aber von Grund auf Optimisten" sagte Becker.

Walter Kwartnik verabschiedet

Neben der Debatte über die Corona-Folgen nahmen auch Personalentscheidungen bei der Obermeisterversammlung einen breiten Raum ein. So ist in Bäcker- und Konditormeister Walter Kwartnik (Kesselbach) ein verdienter Handwerksfunktionär aus dem Vorstand der Kreishandwerkerschaft ausgeschieden. Kwartnik gehörte dem Gremium seit 2000 an, stand von 2006 bis 2019 als Kreishandwerksmeister an dessen Spitze, anschließend war er Beckers Stellvertreter. Aus gesundheitlichen Gründen hat der 69-Jährige seinen Betrieb aufgeben müssen. "Alles hat seine Zeit", sagte er zum Abschied. Eine würdige Ehrung seiner Verdienste solle nachgeholt werden, wenn das in angemessenem Kreise und Ambiente möglich sei, sagte Becker.

Zu Kwartniks Nachfolger wurde der Heuchelheimer Christopher Rinn, Obermeister der Zimmererinnung Gießen, gewählt. Zudem ist nun der Gießener Bäckermeister Bernd Braun Mitglied des siebenköpfigen Vorstand der Kreishandwerkerschaft.

Neben Chef Becker (Beuern), seinen beiden Stellvertretern Hartmut Gall (Langd) und Rinn sowie Neu-Vorstandsmitglied Braun gehören auch Sascha Reitz (Gießen), Reiner Hühne (Gießen) und Carsten Müller (Lich) dem Leitungsgremium an.

Die Kreishandwerksmeister zeichneten auf ihrer Tagung den Tischlermeister Andreas Römer (Beuern) für sein langjähriges Engagement im und für das Handwerk mit der silbernen Ehrennadel der Arbeitsgemeinschaft der Kreishandwerkerschaften in der Bundesrepublik Deutschland aus. Römer gehört seit 1997 dem Vorstand der Tischlerinnung Gießen an und ist seit 2003 deren Obermeister

Laut Becker steht die Kreishandwerkerschaft Gießen in der Summe ihrer Haushalte mit in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichenen rund 2,2 Millionen Euro auf einer gesunden und soliden finanziellen Basis, was gerade in diesen Zeiten der Erwähnung wert sei. Diese Solidität, so Becker, sei Ergebnis jahrelangen sparsamen Gebarens in Sachen Finanzen, was der Kreishandwerkerschaft in der aktuellen Krisenzeit zugute komme.

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