"von oben"

Atzbach: Attraktiver Wohnstandort in guter Lage

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Atzbach ist ein attraktiver Wohnort. Wenige Kilometer bis Gießen und Wetzlar. Dazu die Auenlandschaft der Lahn vor der Tür. Da lässt es sich gut leben, wie auch in unserer Serie "von oben" deutlich wird.

Die Jüngeren wussten es lange nur noch aus Erzählungen, warum Atzbach das Storchendorf genannt wird: Mehr als eine Generation lang blieben die großen Vögel fern, blieb das Nest auf dem Dach des alten Amthofes mitten im Dorf verwaist. Erst vor rund zehn Jahren kam ein Brutpaar zurück, nistet seitdem in der Lahnaue. Wer den malerischen Lahnradweg von Gießen nach Wetzlar nutzt, hat gute Chancen, die schwarz-weiß gefiederten Tiere in der Auenlandschaft zu beobachten.

Lahn und Bahn sind es, die die Atzbacher Ortslage begrenzen. Wer mit den Störchen über dem Dorf kreist, also die Vogelperspektive einnimmt, der sieht dies deutlich.

Erinnerung an die "Kanonenbahn"

Vor knapp 150 Jahren wurde die so genannte "Kanonenbahn" zwischen Lollar und Wetzlar gebaut - geplant als Teil einer militärstrategisch wichtigen Verbindung zwischen Berlin und dem Elsass. Was den Menschen im Dorf wohl eher gleichgültig gewesen sein dürfte. Für sie hatte die Bahn Bedeutung auf dem Weg zur Arbeit in Wetzlar. Bei Buderus etwa, bei Hensold oder Leitz. Wobei Atzbach, heute als Teil der Großgemeinde Lahnau zum Lahn-Dill-Kreis zählend, dichter an Gießen liegt als an seiner Kreisstadt Wetzlar. Sechs Kilometer sind es lahnauf-, etwa acht lahnabwärts. Diese Gunst der Lage hat das Dorf zu einem bevorzugten Wohnstandort werden lassen. Eine Funktion, die es auch in der 1979 nach dem Scheitern der Stadt Lahn formierten Großgemeinde Lahnau innehat. Während die großen Gewerbegebiete in Dorlar und Waldgirmes zu finden sind, sind in Atzbach große Wohnquartiere entstanden. War die Entwicklung ehedem eher verhalten, so bedeuteten die rund 700 Neubürger nach dem Zweiten Weltkrieg einen enormen Zuwachs: Sie kamen aus dem Osten und Südosten, auch aus Ungarn - vielfach übrigens mit der bereits erwähnten Bahn.

Lebten vor dem Krieg, im Jahr 1939, rund 1200 Menschen in Atzbach, so waren es ein Jahrzehnt später bereits 1800. Es gab neues Bauland: Eine erste große Siedlung entstand zwischen der Gießener Straße und der Kanonenbahn-Trasse. Später wurde der Hausberg bebaut; nordöstlich des alten Dorfes. Dort wurde auch der neue Friedhof angelegt.

In den 1970ern gab es die großen Siedlungen nördlich der Bahn: Ostpreußenstraße, Am Rühling, Am Flurscheid und die angrenzenden Sträßchen. Dort wächst Atzbach mit Dorlar zusammen, ist auf heute etwas mehr als 3000 Einwohner gewachsen.

Großprojekt Ortsdurchfahrt

Bereits in die 60ern war gemeinsam mit den Nachbarorten die Lahntalschule mitsamt großer Sporthalle gebaut worden, als Gesamtschule bis zur Jahrgangsstufe zehn. Als eine der ersten Ganztagsschulen in der Region mit einem guten pädagogischen Profil erfreut sie sich seit vielen Jahren eines hohen Zuspruchs, etwa auch aus dem benachbarten Heuchelheim.

Apropos Schule: Die alte Volksschule, später Grundschule, war bis vor knapp zehn Jahren im Amthof zu finden, bis das Gebäude wegen statischer Mängel quasi über Nach aufgegeben werden musste. Vorübergehend wurden die kleinen Atzbacher in Krofdorf-Gleiberg in der dortigen Volksschule unterrichtet, die zu diesem Zeitpunkt leer stand. Bald darauf folgte die Zusammenlegung der Lahnauer Grundschulen an einem Standort in Waldgirmes - für die Menschen in Atzbach bedeutete dies auch den Verlust eines Identifikationsmoments.

Vereinsleben mit Höhen und Tiefen

Der Amthof, in den 1750er Jahren von der nassauischen Herrschaft als Verwaltungssitz gebaut, ist mittlerweile an einen Investor verkauft - doch das Gebäude steht noch immer leer und harrt der Sanierung. Stichwort Sanierung: Im Vorjahr erst ist die Ortsdurchfahrt erneuert worden: Kanal, Wasser etc. wurden ausgetauscht. Zwei Jahre Großbaustelle im Dorf. Als deshalb der Verkehr andere Wege nehmen musste, spürten die Menschen, welche Rolle die Straße spielt, was alles durchs Dorf rollt. Die Anwohner der Gießener Straße genossen, vom Baustellenlärm einmal abgesehen, mehr Ruhe. In den Nebenstraßen allerdings, durch die sich die Autofahrer ihre Wege suchten, waren Belastungen spürbar.

Bleibt noch der kurze Blick aufs Vereinsleben: Das unterliegt Entwicklungen, die es allerorten gibt; mit Höhen und Tiefen. Wobei zu den Höhen zählt, dass in diesem Jahr die Atzbacher Fastnacht wiederbelebt wurde mit Sitzung, Büttenreden und Orden und allem, was dazu gehört. Auch das zeigt: Die Menschen fühlen sich wohl in Atzbach.

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