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Sind asbesthaltige Wellplatten undicht, dürfen sie nicht durch eine zusätzliche Dachdeckung abgedichtet werden. Kürzlich hatte ein Fall in Dautphetal die Arbeitsschützer vom Regierungspräsidium Gießen auf den Plan gerufen.

Asbestplatten nicht überdecken

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Gießen/Dautphetal (pm). Auf einer Baustelle in einem Dautphetaler Ortsteil führte kürzlich die Überdeckung eines asbesthaltigen Wellplattendaches zum Einstellen der Arbeiten und einer Strafanzeige gegen das ausführende Unternehmen. Das Regierungspräsidium Gießen als zuständige Behörde für den Arbeitsschutz macht wegen des aktuellen Falls generell darauf aufmerksam:

asbesthaltige Dachdeckungen dürfen nicht einfach mit einer weiteren Dachhaut überdeckt werden.

»Asbestfasern verursachen aggressive und tödliche Krebserkrankungen«, erläutert Jörg Heller, Arbeitsschutz-Fachmann beim RP Gießen. Fast 30 Jahre nach Inkrafttreten des Herstellungs- und Verwendungsverbots sterben auch heute noch bundesweit jährlich 1500 Menschen an asbestbedingten Erkrankungen, die sie sich in früheren Jahren beim ungeschützten Umgang mit dem Gefahrstoff zugezogen haben.

Deshalb hat der Gesetzgeber solche »lebensverlängernden« Maßnahmen bei Asbestzementdächern und -wänden verboten. Diese sollen nicht länger als unbedingt nötig im Wirtschaftskreislauf verbleiben und Schäden anrichten können. Die Konsequenz: Ist ein Asbestzementdach undicht geworden, darf es nicht durch eine zusätzliche Deckung abgedichtet werden. »Das Entfernen der alten Dacheindeckung und deren Ersatz durch asbestfreie Materialien ist demnach die einzig mögliche Alternative«, erläutert Jörg Heller.

Ein telefonischer Hinweis hatte Bauingenieur Heller zu einem rumänischen Unternehmen geführt, das mit der Baumaßnahme beauftragt worden war. Leider übernehmen häufiger osteuropäische Firmen ohne Betriebssitz in Deutschland derartige Aufträge, weil ihnen die einschlägigen rechtlichen Regelungen die hier gelten, möglicherweise nicht in Gänze bekannt sind.

Die Beschäftigten dieses Betriebes hatten bereits begonnen, Teile einer mit asbesthaltigen Wellplatten gedeckten Industriehalle neu einzudecken, ohne vorher die alten Asbestzementplatten zu entfernen. Auf die Schnelle - und ohne Beachtung der Vorschriften - sollten so undichte Stellen am Dach repariert werden. Als der RP-Mitarbeiter auf der Baustelle eintraf, schraubten Arbeiter bereits Dachlatten auf die vorhandene Wellplattendeckung auf und brachten hierüber eine Folie auf. Um die Arbeiten abzuschließen, sollten danach Profilbleche aufgebracht werden, die bereits neben der Baustelle lagerten. Hierbei waren die Arbeiter ohne Schutzanzüge und Atemschutzmasken tätig.

Arbeitsschutz-Fachmann Heller weist wegen des jüngsten Vorfalles erneut alle Gebäudebesitzer darauf hin, dass jegliche Arbeiten verboten sind, die zu einer Überdeckung der Oberflächen von Asbestprodukten führen. »Diese Vorschriften gelten nicht nur für Unternehmen, sondern auch für den Privatmann, der in Eigenregie Hand an sein Dach oder seine Fassade legen will«, fügt er hinzu.

Da es sich bei diesen Überdeckungsarbeiten um eine Straftat handelt, muss der Verursacher im aktuellen Fall auch mit einer Geldstrafe rechnen. Nach Angaben des Regierungspräsidiums sei diese in ähnlichen Fällen bereits vierstellig ausgefallen.

Weitere Informationen über den Umgang mit Asbest erhalten Interessierte bei den Arbeitsschutzdezernaten im Gießener Regierungspräsidium auf der Internet-Seite www.rp-giessen.de, per E-Mail an arbeitsschutz-giessen@rpgi.hessen.de) oder telefonisch unter 06 41/3 03-32 37).

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