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Gefährliche Fasern

Bei Asbestentsorgung ist höchste Vorsicht geboten

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Lange galt Asbest als "Wunderfaser". Bis seine Schattenseite ans Licht kam: Asbest ist krebserregend. Bei der Entsorgung ist höchste Vorsicht geboten, rät die Abfallwirtschaft beim Kreis Gießen.

Es sind nur zwei Beispiele von vielen. Doch beide zeigen ganz gut die heikle Situation: Der erste Fall spielte 2011. Damals beauftragte ein Ehepaar aus Grünberg eine Firma aus der Wetterau mit der Reinigung ihres Eternitdaches. Auftraggeber und -nehmer sahen sich vor Gericht wieder, denn der Nachbar war über den asbesthaltigen Staub auf seinem Gemüse alles andere als erfreut.

Während das Ehepaar straffrei davonkam, verurteilte das Amtsgericht Gießen die Dachdecker zu einer Geldstrafe von 5400 Euro. Sie hatten sich des fahrlässigen Umgangs mit gefährlichen Abfällen und einem fahrlässigen Verstoß gegen das Chemikaliengesetz schuldig gemacht.

Jüngeren Datums ist dieser Fall: Bei Abrissarbeiten für ein Baugebiet in Reinhardshain wurden 700 Tonnen asbestverseuchten Erdaushubs zutage gefördert. Vor rund 30 Jahren hatten Unbekannte Dachplatten der Marke "Berliner Welle" in einem alten Hotelpool verbuddelt. Mehrkosten der Abfallbeseitigung für die Stadt: 290 000 Euro.

Schutzkleidung in den "BigBag"

Der vorschriftswidrige Umgang mit asbesthaltigen Produkten ist nicht nur gesundheitsgefährdend, sondern kann also auch teuer werden. Erst Anfang der 1990er Jahre EU-weit verboten, finden sich auch hierzulande in ungezählten Anwesen Baustoffe, die noch die krebserregenden Fasern enthalten. Vor allem jene Wellplatten aus Asbestzement, mit denen gerade in den 1970ern und 1980ern vielerorts die Dächer gedeckt wurden.

Zuständig für die Entsorgung ist der Kreis Gießen. Wie dessen Fachabteilung auf GAZ-Anfrage vorausschickte, ist grundsätzlich zwischen zwei Kategorien zu unterscheiden: Zum einen der schwach gebundene Asbest, wofür sogenannter Spritzasbest steht, der vor dem Verbot etwa beim Verputzen von Mauerwerk Anwendung fand. Zum anderen der fest gebundene Asbest bzw. Asbestzement, der vor allem in besagten alten Eternitplatten vorkommt.

"Bei schwach gebundenem Asbest", warnt die Behörde, "ist die Wahrscheinlichkeit deutlich höher, dass sich Fasern herauslösen. Dennoch ist jede Art der Wiederverwendung, des Verkaufs oder des Verschenkens asbesthaltiger Bauteile verboten." Heißt: Wer etwa nach einem Umbau die als "gefährlicher Abfall" eingestuften Materialien übrigbehält, sollte sie regelkonform entsorgen.

Unter anderem ist dies beim Abfallwirtschaftszentrum des Kreises in der Gießener Lahnstraße 220 möglich. Pro Tonne kostet das 188 Euro, bei Anlieferungen bis 100 Kilo aber nur pauschal 15 Euro. Zudem gibt es auch im Gießener Land Fachfirmen, die Transport wie auch Entsorgung anbieten.

Straf- und ordnungsrechtliche Folgen

Wer auf "eigene Faust" die Lahnstraße ansteuern will, sollte dies beachten: Asbestzementplatten wie die bekannte "Berliner Welle" müssen in genormten "BigBags" (Foto) angeliefert werden. Unverpackte Ware wird nicht angenommen; die staubdichten Säcke sind vor Ort erhältlich. Und: Schutzkleidung, die bei den Arbeiten verwendet wurde, muss ebenfalls in den BigBag gegeben werden. Unter keinen Umständen dürfen die Platten beschädigt oder zersägt werden.

Solcherart kostensparende Eigenleistung kommt bei schwachgebundenem Asbest jedoch nicht infrage, stellt der Kreis klar. "Dieser muss über spezialisierte Firmen entsorgt werden, da er zuvor noch behandelt werden muss."

Verwendung fand die gefährliche "Wunderfaser" einst auch in Nachtspeicheröfen. Ungeöffnet und staubdicht verpackt, die Öffnungen und Ritzen mit Klebeband abgedichtet, können diese kostenlos beim Abfallwirtschaftszentrum abgegeben werden. BigBags sind hier nicht erforderlich.

Wer die Öfen kennt, weiß um das Problem: Sie sind "sauschwer". Die Abfallexperten raten in diesem Zusammenhang aber davon ab, die Geräte zu öffnen, um die schweren Schamottsteine zu entfernen, seien diese doch mit Chromaten, also stark giftigen, krebserregenden Schwermetallverbindungen, belastet. Was die Entsorgung deutlich verteure. Scheitere der Transport am Gewicht, sollte man sich an einen Fachbetrieb wenden, rät der Kreis. Und macht am Ende auf drohende Sanktionen aufmerksam: "Der unsachgemäße Umgang mit asbesthaltigen Abfällen kann, auch für Privatpersonen, strafrechtliche als auch ordnungsrechtliche Konsequenzen haben."

Krebs: Eine Faser kann schon reichen

Zurecht. Um es nochmals auszuführen: Werden die sehr kleinen mineralischen As-bestfasern eingeatmet, bleiben sie oftmals im Lungengewebe stecken, können vom Körper nicht abgebaut werden. Dadurch kann sich eine Asbestose bilden, eine Staublungenkrankheit. Die permanente Reizung des Gewebes, die von den Fasern ausgeht, kann außerdem zur Tumorbildung führen. "Das Gesundheitsrisiko," so weiter der Landkreis, "ist umso höher, je mehr Fasern eingeatmet werden. Theoretisch kann aber bereits eine einzige Faser mit den entsprechenden Eigenschaften Lungenkrebs auslösen."

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