Appell zur Solidarität

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Das Dach des Lollarer Hallenbads ist marode, Schwimmen dort bis auf Weiteres untersagt. Doch die beiden Trägerkommunen werden die nötige Investition schwer allein stemmen können. Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller appelliert an die Solidarität von Kreis und Kommunen - und bringt eine Erhöhung der Schulumlage ins Gespräch.

Auf den ersten Blick scheint es, als sei im Lollarer Hallenbad an der Clemens-Brentano-Europaschule alles im Lot. Das Wasser plätschert im 25 Meter langen Becken. Doch niemand zieht darin seine Bahnen. Dieser Zustand wird noch mindestens etliche Monate andauern - ein Einschnitt, für den nicht in erster Linie das Coronavirus verantwortlich ist.

Mitte Dezember kam die Hiobsbotschaft: Die hölzerne Dachkonstruktion des Bads aus sogenannten Holzleimbindern ist derart marode, dass die Einrichtung bis auf Weiteres geschlossen bleibt. Die Details erläutert Steffen Geier, als Angestellter der Stadt Lollar zurzeit auch Geschäftsführer des Hallenbad-Zweckverbands, während er am Beckenrand steht. Er zeigt auf die quer über das Becken verlaufenden Holzbalken. "Die sind in Ordnung", sagt Geier. Das Problem sei die darüber liegende Fachwerkkonstruktion in Längsrichtung.

Ähnliche Dachkonstruktionen wie in dem Anfang der 1970er erbauten Hallenbad wurden damals auch andernorts verwendet - etwa in Hüttenberg, wo man sich wegen der maroden Substanz nun für einen Neubau entschieden hat. Über die Jahrzehnte haben Feuchtigkeit von oben und unten dem Holz in Lollar offenbar hart zugesetzt. Laut Geier wurde vor acht Jahren die Folie auf dem Dach erneuert und eine Dämmung aufgebracht. Möglich sei, dass es auch damals schon Schäden an der Dachkonstruktion gegeben habe.

Geier zückt ein Luftbild, größere Pfützen auf dem Dach sind zu erkennen. "Eine Last, die die Dämmkonstruktion nicht mehr aushält", sagt er. Hinzukomme die Feuchtigkeit von unten, Kondenswasser sammle sich an der Decke. Wie groß der Schaden ist, wurde quasi auf Umwegen entdeckt: Als vor einiger Zeit Wasserdurchbrüche am niedriger liegenden Dach der Umkleidekabinen entdeckt wurden, reparierte ein Dachdecker den Schaden - und empfahl, die Dächer genauer in Augenschein zu nehmen. Der Vorstand des Hallenbad-Zweckverbands beauftragte einen Gutachter. Das Ergebnis sorgt nun für Ernüchertung.

Hinter dem Hallenbad stehen die Kommunen Lollar und Staufenberg. "Da war Gefahr im Verzug", kommentiert Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller die von Corona unabhängige Schließung bis auf Weiteres. Anfang Oktober hatte er die Bausubstanz auf GAZ-Anfrage noch als "gut" bezeichnet, eine Sperrung sei unwahrscheinlich. Dann kam das Gutachten, und auch Gefeller musste sich eines Besseren belehren lassen.

In Lollar und Staufenberg ist der Haushalt für 2021 bereits eingebracht, der Etat des Zweckverbands ist schon beschlossen - die nun notwendigen massiven Investitionen in das Bad sind jeweils noch nicht darin abgebildet. Das statische Gutachten geht laut Geier von Netto-Sanierungskosten in Höhe von 741 000 Euro aus. Doch dabei seien noch nicht alle Gewerke eingerechnet, gibt Gefeller zu bedenken: "Unter einer Million Euro wird es sicher nicht gehen." Das überfordere die Kommunen und den Förderverein, der sich regelmäßig mit Investitionen und Eigenarbeit einbringt.

"Ich bin schon aktiv geworden", sagt Gefeller. Mit der Landrätin habe er bereits gesprochen, weitere Gespräche sollen folgen. Seine Haltung ist klar: "Wir wollen das Bad erhalten." Nun sei auch der Landkreis gefordert, ebenso die finanzielle Solidarität benachbarter Kommunen. Denn vom Betrieb des Bads profitierten längst nicht nur Menschen aus Lollar und Staufenberg: Es sei am nördlichen Rand des Kreises das einzige für Schulschwimmen genutzte Hallenbad. Zweckverband-Geschäftsführer Geier betont, dass auch etliche Vereine das Bad brauchen. Der SV Staufenberg für Aqua-Jogging-Kurse, die DLRG Lollar für Training und Ausbildung. Und da Schwimmbäder in der Region rar gesät seien, nutzten etwa auch die Taucher von Grün-Weiß Gießen und die Gießener DLRG das Lollarer Bad. Außerdem steht es normalerweise auch privaten Nutzern zeitweise zur Verfügung. Der Bedarf an Schwimmzeiten sei sehr hoch, sagt Geier.

Wie geht es nun weiter? Gefeller sieht mehrere Optionen: Über das Förderprogramm SWIM seien bereits über 100 000 Euro für eine neue Lüftungsanlage bewilligt. Er hoffe nun, dass dies auf die Dachsanierung ausgeweitet werden könne. Ferner stünden dem Kreis als Schulträger Fördermittel für die benachbarte Halle zur Verfügung, Gefeller hofft auf "Synergie" mit Blick auf das Bad. Nicht zuletzt sieht er in der Schulumlage einen Ansatzpunkt für die von ihm geforderte Solidarität anderer Kommunen: "Man könnte die Umlage vielleicht um einen halben Prozentpunkt erhöhen, das wäre eine Möglichkeit." Allerdings eine, die in anderen Rathäusern nicht gerade für Begeisterung sorgen dürfte.

Als nächstes soll ein Zimmermann das Dach noch einmal begutachten und schauen, ob es nicht doch noch zu retten ist. Es ist eine eher vage Hoffnung. Wie lange es dauern wird, bis dort wieder Bahnen geschwommen werden, steht in den Sternen. Geier hofft mit vielen anderen, dass es möglichst schnell geht. "Noch ein Bad zu verlieren, kann sich die Region eigentlich nicht leisten."

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