Ansturm auf Fitnessstudios bleibt aus

  • vonLena Karber
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Seit Freitag dürfen Fitnessstudios hierzulande wieder öffnen. Doch in den ersten Tagen kamen nur halb so viele Kunden wie normalerweise, sagt etwa Martin Schmidt, Inhaber eines Studios in Lich.

Mit geschulterter Sporttasche betritt am Montagvormittag ein Mann das Aktivita in Heuchelheim. "Ich bin wieder da", verkündet er und grinst hinter seinem Mundschutz. "Es wurde auch Zeit, ich habe wochenlang keinen Sport gemacht. Zu Hause klappt das einfach nicht."

So wie ihm dürfte es vielen Freizeitsportlern ergangen sein, seit die Fitnessstudios am 18. März wegen des Coronavirus schließen mussten. Wie sehr das Training einigen fehlte, zeigte sich am 11. Mai, als Nordrhein-Westfalen als erstes Bundesland die Wiedereröffnung von Fitnessstudios erlaubte: Nachts um zwölf bildeten sich in Köln zum Teil lange Schlangen vor den Pforten der Muckibuden. Szenen, die mancher auch befürchtete, als Hessen am vergangenen Freitag nachzog.

Im Kreis Gießen scheint die Nachfrage aktuell jedoch eher verhalten. "Der erwartete Ansturm blieb aus", berichtet etwa Philipp-Alexander Grau vom Sportpark in Linden und vermutet, dass aktuell die Angst vor einer Infektion bei den meisten wohl noch überwiege. Martin Schmidt, Inhaber des Body & Soul in Lich, schätzt, dass im Moment nur etwa halb so viele Kunden kommen wie normalerweise. Er habe auch mit anderen Betreibern gesprochen, sagt er. Die Tendenz sei überall gleich, und gerade die ältere Generation sei sehr vorsichtig. "Aber jeder, der hierher kommt, ist begeistert, wie gut das alles geregelt ist", sagt Schmidt. Er ist zuversichtlich, dass sich das rumsprechen wird.

Um den Abstands- und Hygienevorgaben gerecht zu werden, hat er die beiden Kursräume sowie die Sitzecke des Body & Soul zur Trainingsfläche umfunktioniert. Zudem gibt es einen separaten Ein- und Ausgang, einen eigenen Raum, in dem der Rentner-Zirkel stattfindet sowie Spinning-Kurse draußen auf dem Parkplatz. "Die Leute freuen sich schon darauf", sagt er. Aufgrund der Umbaumaßnahmen sind alle anderen Kurse ausgesetzt, dafür gibt es bei den Geräten kaum Einschränkungen.

Gut sieht es auch im Sportpark Linden aus: Nahezu alle Sportarten können weiterhin angeboten werden. Ausnahmen sind lediglich Fußball und Bubble Soccer. Durch eine geänderte Wegführung in Form eines Rundwegs soll verhindert werden, dass sich Mitglieder außerhalb der Trainingsfläche begegnen. Zusätzlich gilt - ebenso wie in Lich - eine Mundschutzpflicht außerhalb des aktiven Trainings.

Der Mann, der sich im Aktivita zurückgemeldet hat, hätte seine Maske indes zu Hause lassen dürfen. In dem Heuchelheimer Fitnessstudio hat man sich ebenso wie im dazugehörigen Fitalis in Wettenberg gegen eine Maskenpflicht entschieden. Inhaber Felix Opper sieht angesichts der großen Fläche keine Notwendigkeit dazu. Auch habe man fast nichts umräumen oder sperren müssen. "Für uns als Premiumstudio, das auf individuelle Betreuung statt auf Masse setzt, war alles sehr gut umzusetzen." Das gelte umso mehr, da man auch auf Kunden mit Rollstühlen und Rollatoren eingestellt sei und daher überall sehr breite Gänge habe. "Wir sind mit dem Zollstock rumgegangen, um die Abstände zu messen, und haben festgestellt, dass wir die Vorgaben zu 95 Prozent bereits erfüllt haben", sagt Opper.

Nur neun von hundert Geräten habe man sperren müssen. Und im Kursraum können nun immerhin 23 Teilnehmer plus ein Trainer trainieren. Die großen Fenster und die Belüftungsanlage - Überbleibsel der Schwimmbad-Vergangenheit des Gebäudes - sorgen dabei für eine gute Belüftung. Laut Oppers Berechnungen findet innerhalb von drei Minuten ein vollständiger Luftaustausch statt.

Auf den Kauf von Trennwänden - außer für den Gastronomie- und Empfangsbereich - hat man in Heuchelheim verzichtet. Der Grund: die Geräte sind als Inseln angeordnet, die Menschen sitzen Rücken an Rücken und atmen sich so nicht an. Zudem sollen die Geräte selbst als eine Art Trennwand dienen. Für ihre Desinfektion stehen statt Papiertüchern 300 Microfasertücher zur Verfügung. So umgehe man Lieferengpässe, Mehrkosten und Umweltverschmutzung.

Bedenken hat Inhaber Opper auch bei den älteren Kunden nicht, höchstens wenn eine massive Vorerkrankung vorliegt. Trotzdem nimmt er es hin, wenn Leute darauf bestehen, ihre Mitgliedschaft ruhen zu lassen, obwohl das Fitnessstudio wieder geöffnet hat. Zwar gehe die Zahl der Kunden aktuell um etwa 10 Prozent zurück, aber man sei regional einfach zu fest verwurzelt, um auf die Einhaltung des Vertrags zu pochen, sagt er.

Andersrum hat sich diese Verbindung zuletzt jedoch auch ausgezahlt: Immerhin, so erzählt Opper, waren 80 Prozent der Kunden während der Schließung dazu bereit, weiter ihren Beitrag zu zahlen. Die meisten von ihnen werden dafür zwar eine kostenlose Verlängerung des Vertrages um zwei Monate in Anspruch nehmen, aber das Geld hat dem Studio während der Schließung geholfen.

Regeln für Fitnessstudios

Für Fitnessstudios hat das Land Hessen neben den gängigen Hygiene- und Abstandsregeln unter anderem die Vermeidung von Warteschlagen und den Schutz von Risikogruppen vorgeschrieben. Auch müssen Duschen und Umkleidekabinen (außer zur Aufbewahrung von Gegenständen) geschlossen bleiben. Zudem musste jedes Fitnessstudio vor der Wiederöffnung ein Hygienekonzept vorlegen, das auf die Begebenheiten vor Ort abgestimmt ist. Ob in den Gängen Masken getragen werden müssen, entscheidet dabei der Betreiber.

Fitnessstudios, die über ein Schwimmbad oder über eine Sauna verfügen, dürfen diese nicht öffnen.

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