Schmerzlich vermisst: Nachwuchstalente der Musikschule beim Gruppenunterricht. ARCHIVFOTO: PM
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Schmerzlich vermisst: Nachwuchstalente der Musikschule beim Gruppenunterricht. ARCHIVFOTO: PM

Angst vor Langzeitfolgen

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Grünberg(tb). Seit über zehn Jahren harrt das Problem einer Lösung: Der Musik- und Kunstschule Grünberg e.V. (MuKS) mangelt es an Räumen. Jetzt aber wird das ehemalige THW-Gebäude frei. Aus dem hier erwogenen "Haus der Musik" könnte es endlich was werden. Noch aber stehen einige Fragezeichen dahinter.

Das alte Problem: Am Sitz der Musikschule in der Alsfelder Straße, ein angemietetes Einfamilienhaus, stehen nur drei Räume für den Unterricht zur Verfügung. Also war die MuKS schon immer auf die Gastfreundschaft anderer angewiesen. Wozu seit Jahren die Kindergärten, die Theo-Koch-Schule sowie die Grundschulen in Stangenrod und Grünberg zähl(t)en.

Keine musikalische Früherziehung mehr

Auch diese traf im Frühjahr der Lockdown, was das Aus für viele (Gruppen-)Angebote der Schule bedeutete. Am Vereinssitz in der Alsfelder Straße setzte ein regelrechter Run auf die wenigen Räume ein, um wenigstens den Einzelunterricht aufrechtzuerhalten. Begleitet von der Hoffnung, ein Betrieb auf Sparflamme lasse sich nach der Krise leichter wieder hochfahren.

Die Krise traf nicht zuletzt das "Orchester Kunterbunt", das als Projekt für sozial benachteiligte Kinder von sich reden gemacht hat. Die Grundschule am Diebsturm stand seit dem Frühjahr nicht mehr zur Verfügung, blieb nurmehr der weniger attraktive Online-Unterricht. Im Dezember ist erst mal Schluss.

Betroffen war ebenso das Musicalprojekt "In 80 Tagen um die Welt" mit der TKS: Statt einer Aufführung wurde jedoch ein Videofilm gedreht.

Im Frühsommer dann, nach den Lockerungen und Abnahme der Infiziertenzahlen, keimte neue Hoffnung auf. Die jedoch hat nun mit der "zweiten Welle" einen Dämpfer erhalten. Wie Bernd Niesner, Leiter der MuKS, schildert, ist seit dieser Woche die musikalische Früherziehung in den Kindergärten gestoppt worden. Erst Anfang September, nach Monaten der Unterbrechung, hatte man das Angebot neu starten können. Mit Hygienekonzept, drei statt zwölf Kindern, ohne ein Durchmischen der Gruppen, ohne Gesang. Niesner: "Es lief wieder an, es gab wieder Neuanmeldungen." Jetzt aber der erneute Shutdown.

Für die Schule und ihre 27 Freien Mitarbeiter verschärft sich damit das ohnehin bestehende monetäre Problem. Doch nicht nur: "Das könnte noch in drei, vier Jahren nachwirken", fürchtet Niesner. Ohne die musikalische Früherziehung für die Kleinen würden womöglich weniger Größere ein Interesse an Musikunterricht entwickeln.

Zudem: Mit dem rasanten Anstieg der Infizierten jetzt nehmen die Bedenken von Eltern zu, ihre Kleinen anzumelden. Bislang ist das Interesse am kulturellen Beitrag des Vereins ungebrochen, was allein die Zahl von 652 Schülern zeigt. Für die hat die MuKS neben den regulären Angeboten einige Schmankerln auf dem Plan. Dazu gehören die Projekte "Singen am Sonnenberg" mit der Schule Stangenrod oder das "Sing Ding". Letzteres soll in der Stadtkirche stattfinden, dort ist genug Platz, um die Vorgaben einzuhalten - "Stand jetzt", ist freilich auch hier anzufügen. Chorische Stimmbildung steht beim "Sing Ding" an, Chorgesang ist ja verboten. "Die Nachfrage ist groß", freut sich Niesner. Der natürlich auf eine Entspannung der Krise im neuen Jahr hofft, auf dass es eine Aufführung geben kann. Das hofft man auch für die Revue "Musik aus den 20ern" in Kooperation mit der TKS.

Um aufs alte Raumproblem zurückzukommen: "Das ehemalige THW-Gebäude ist eine realistische Option", sagt Niesner. Auf dem Tapet steht die Umnutzung zu einem "Haus der Musik" spätestens seit 2014, als die technischen Helfer ins Gewerbegebiet umzogen. Zuletzt aber wurde das Anwesen als Kita "Grisu" gebraucht. Die aber zieht jetzt in die AWO-Freizeitstätte, in den "Zauberwald".

Noch keine finale Entscheidung

Ist damit der Weg frei für ein "Haus der Musik", das auch von Grünbergs Gesangverein genutzt werden könnte? Wie aus dem Rathaus verlautet, wartet man noch auf die endgültige Entscheidung des privaten Eigners, ob er das alte THW umbaut, wie dereinst zugesagt. Dank des Zugewinns von 40 Plätzen im "Zauberwald" aber sei zumindest bis April der Bedarf an Kita-Plätzen gedeckt. "Grisu" also wird nicht mehr gebraucht.

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