Angeklagter schwänzt Verhandlung

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Gießen/Lich(se). Es war angerichtet im Saal 200 des Amtsgerichts Gießen: Richter Jürgen Seichter, die beiden Schöffen, Staatsanwältin Jessica Schröder, zwei Justizvollzugsbeamte sowie vier Zeugen und Zeuginnen waren anwesend, nicht aber der Angeklagte mitsamt seines Verteidigers, Rechtsanwalt Ramazan Schmidt.

Ohne Angeklagten kein Prozess, diesem Grundsatz musste das Schöffengericht folgen. Dem Mann wird gemäß Anklageschrift Freiheitsberaubung, Vergewaltigung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Allerdings ließ der Angeklagte durch seine Verlobte, die als Geschädigte in den Zeugenstand treten sollte, ausrichten, dass er dem "Gestellungsbefehl", wie der Richter die Ladung salopp bezeichnete, nicht Folge leisten werde. "Gegen einen ausgebliebenen Angeklagten findet eine Hauptverhandlung nicht statt", heißt in der Strafprozessordnung.

Doch ganz wehrlos ist die Justiz nicht. "Gegen den Angeklagten ergeht Haftbefehl", verkündete der Richter und leitete damit in die Wege, dass das Hauptverfahren doch stattfinden kann - nur eben mit einer zeitlichen Verzögerung.

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