Eigentlich passen 360 Stühle in die Aula der Licher Erich-Kästner-Schule. Doch gerade einmal 60 hatte der Hausmeister für die Einschulungsfeiern gestellt und den notwendigen Abstand mit dem Zollstock nachgemessen. Nur eine von vielen Regelungen in Zeiten der Pandemie. Vorne auf den Bänken fiebern die Klasse 1a und die Vorklasse ihrer ersten Schulstunde entgegen. FOTOS: TI
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Eigentlich passen 360 Stühle in die Aula der Licher Erich-Kästner-Schule. Doch gerade einmal 60 hatte der Hausmeister für die Einschulungsfeiern gestellt und den notwendigen Abstand mit dem Zollstock nachgemessen. Nur eine von vielen Regelungen in Zeiten der Pandemie. Vorne auf den Bänken fiebern die Klasse 1a und die Vorklasse ihrer ersten Schulstunde entgegen. FOTOS: TI

Einschulung

Ein Anfang auf Abstand

  • vonChristina Jung
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Abstandsregelung, Maskenpflicht, eine beschränkte Anzahl an Begleitpersonen. Geprägt von der Pandemie erlebten auch hier im Landkreis Abc-Schützen ihren ersten Schultag.

Dienstagmorgen, 8.30 Uhr an der Erich-Kästner-Schule (EKS) in Lich. In der Aula laufen die letzten Vorbereitungen für die bevorstehende Einschulungsfeier. Eine von vieren, um genau zu sein. Zwei am Dienstag, zwei am Mittwoch. 103 Kinder werden in diesem Sommer an der EKS eingeschult. Zu viele, um diesen Tag wie in den vergangenen Jahren zu begehen. Grund dafür ist die Corona-Pandemie, die nicht nur die Licher Pädagogen in der Vorbereitung auf dieses Ereignis vor große Herausforderungen gestellt hat. Mancherorts glich sie einer logistischen Meisterleistung.

"Es war wesentlich komplizierter und zeitaufwendiger", erklärt EKS-Schulleiter Jürgen Vesely. Begonnen hatten viele Rektoren schon Wochen vor den Ferien. Zahlreiche Gespräche mit Kollegen mussten geführt, viele grundsätzliche Entscheidungen getroffen werden. Größere Räumlichkeiten oder gestaffelte Termine? Wie viele Begleitpersonen darf jedes Kind mitbringen? Erste Schulstunde, Gottesdienst, Verköstigung der Eltern - ja oder nein? Während man in Lich von Letzterem coronabedingt Abstand nahm und auch das Programm der Einschulungsfeier deutlich abspeckte - der einzige Programmpunkt war ein Theaterstück der 4c -, fiel die Entscheidung in Sachen Gottesdienst und erster Schulstunde positiv aus.

Andere Schule, andere Entscheidungen

"Bei der Einschulung handelt es sich um ein einmaliges Ereignis im Leben eines Menschen", sagt Vesely. Diese Bedeutung werde durch den Gottesdienst - in Lich ebenfalls vier auf zwei Nachmittage verteilt - und natürlich die erste Schulstunde untermauert. "Die Kinder fiebern dem regelrecht entgegen", so der Rektor. Ein Verzicht aus Pandemiegründen kam für ihn nicht in Frage.

Andernorts trafen Schulleitungen andere Entscheidungen. In Krofdorf etwa, wo die Feierlichkeiten samt Gottesdienst aus Platzgründen in die Mehrzweckhalle verlegt aber beide Klassen zusammen eingeschult wurden. Zudem waren dort drei Begleitpersonen - statt zwei wie in Lich - pro Kind gestattet. Außerdem gab es eine Bewirtung der Eltern in abgespeckter Form. Ebenso in Langgöns, wo allerdings der Gottesdienst ausfiel.

"Andere Schule, andere Bedingungen", sagt Vesely. "Bei einer Handvoll Schüler kann ich anders agieren als mit hundert." Uwe Hartings, Leiter der kleinsten Grundschule im Landkreis in Inheiden, weiß das. Angesichts von sechs Erstklässlern musste er mit Blick auf die Schutz- und Hygienemaßnahmen im Vorfeld nicht einmal über die Anzahl der Begleitpersonen diskutieren.

Viele Vorgaben

In Lich zeigt die Uhr mittlerweile kurz vor halb zehn. Die erste Feier ist vorbei. Die 1a und die Vorklasse ziehen mit ihren Lehrerinnen aus der Aula in die Klassenräume, Mütter und Väter gehen kurz darauf nach draußen. Am Abend zuvor waren sie im Rahmen eines Elternabends über die Umsetzung der ersten Unterrichtswochen informiert worden und natürlich auch über den hauseigenen Hygieneplan. Der orientiert sich, wie an anderen Schulen im Landkreis, an den Vorgaben des Ministeriums: keine Körperkontakte, möglichst wenig Durchmischung der Klassen, gründliches Händewaschen, intensives Lüften der Unterrichtsräume, Einhaltung des Mindestabstandes von 1,5 Metern, wo immer es machbar ist und natürlich die erst wenige Tage vor Schulstart beschlossene Maskenpflicht außerhalb des Unterrichts, um nur die wichtigsten zu nennen.

Zufriedene Eltern

Auch ohne Händedesinfektion und dem Ausfüllen von Namenslisten war am Einschulungsmorgen schon jede Menge zu beachten, doch die Licher Eltern sahen es gelassen, fühlten sich überwiegend "gut abgeholt" (Christina Reber-Volz), bezeichneten die Vorbereitung als "sehr professionell" (Heike Thierbach). "Die Schule gibt sich große Mühe", findet auch Marco Wielpütz und Nina Lauckhardt meint: "Man hat hier das Beste aus der Situation gemacht. Es war eine ganz tolle Einschulung."

Es ist Mittag geworden. Die Einschulungsfeiern sind vorbei, der erste Unterricht für 48 Licher I-Dötzchen auch. Doch schon am heutigen Mittwoch sind an der EKS die nächsten Erstklässler an der Reihe. In anderen Orten wie in Annerod geht es heute erst richtig los. Wenn diese Kinder stolz ihre Zuckertüten in die Schule tragen, haben viele Alterskameraden ihre längst ausgepackt und vielleicht, wie die 1a in Lich, den Inhalt auf Papier gemalt. Die erste von vielen weiteren Hausaufgaben.

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